Monatsarchiv: Dezember 2010

Live-zeichnend-dichtend erlebt KLAUSENS Josef Haslinger im Arp Museum

klau|s|ens,du warst als LIVE dabei?

heute ist LIVE immer das wichtigste.

du warst LIVE bei dieser flutwelle?

nein, aber der schriftsteller haslinger.

und dann?

… hat er überlebt! samt frau und kindern.

das ist gewiss ein großes glück.

gewiss, aber es bleibt der schock, es bleibt die verletzung der seele, es bleibt das trauma:  man muss sowohl an den ereignissen nagen als auch an der tatsache, dass man selber überlebte, dass die nächsten anverwandten auch überlebten … aber so viele andere starben. die klassischen fragen des menschseins, die wir nie beantworten werden.

haslinger hat darüber geschrieben?

einen eher sachlich-nüchternen bericht … und gestern aus dem geschriebenen gelesen. hier folgt der text der arp-homepage:

„Josef Haslinger
Phi Phi Island – Ein Bericht

Am 26. Dezember 2004 löste ein Seebeben vor der Küste der indonesischen Insel Sumatra eine verheerende Flutwelle aus. Der Tsunami tötete und verletzte Hunderttausende, machte Unzählige heimatlos und zerstörte ganze Landstriche. Auch die wenige Kilometer vor der Westküste Thailands gelegene Insel Koh Phi Phi, auf der Josef Haslinger zusammen mit seiner Familie die Weihnachtsferien verbrachte, wurde von der verheerenden Naturkatastrophe schwer getroffen. Sie hatten Glück; sie überlebten. Ein Jahr später reiste Haslinger ein zweites Mal auf die Insel, sprach mit Zeugen und schaffte es auch, dadurch die Erlebnisse zu fassen, die Katastrophe zu verarbeiten. Seine anfängliche Schreib-Scheu wich durch die literarische Auseinandersetzung mit dem Schrecken. Josef Haslinger wurde 1955 in Zwettel in Niederösterreich geboren, heute lebt er in Wien und Leipzig. Seit 1996 lehrt Haslinger als Professor für literarische Ästhetik am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. 1995 erschien sein Roman »Opernball«, der ein spektakulärer Erfolg bei Kritikern und Lesepublikum wurde, 2000 dann »Das Vaterspiel« und im Frühjahr 2006 »Zugvögel«. Haslinger erhielt zahlreiche Preise, zuletzt den Preis der Stadt Wien, den Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels und in diesem Jahr die Auszeichnung als Mainzer Stadtschreiber.“

im arp museum?

ja, der ort war weiß und hell und sauber und klar. aber die ereignisse auf phi phi ja ganz andere. man muss das alles im kopf zusammenkriegen. zuhause hört man zuvor noch im radio von den wohl doch sehr schweren verletzungen jenes samuel koch aus WETTEN DASS …? … und das alles geht durch den versammelten kopf des armseligen menschen aller zeit. dazu die probleme des alltages.

du schriebst auch?

wir schreiben, zweitklausens! wir! — wir schrieben LIVE-gedichte zu josef haslinger LIVE, der LIVE las und LIVE schilderte und LIVE befragt wurde, wie jener tsunami für ihn und seine familie dereinst LIVE war. (ich glaube, seine frau war auch mit anwesend, gestern.)

und dann?

dann haben wir alles LIVE … und doch müssen wir leben. man kann auf das LIVE des lebens nicht immer weitere LIVEs aufhäufen und denken, das leben würde so LIVE erträglicher.

und deine LIVE-gedichte?

unsere LIVE-gedichte, zweitklausens! unsere! die sind hier:
http://www.klausens.com/klausens-und-josef-haslinger.htm

aber für eine LIVE-zeichnung hat es auch noch gereicht?

ja, aber das war mehr zum anfang hin, als man sich LIVE auf das LIVE vorbereitete. nachdem die veranstaltung begonnen hatte, folgte meinerseits LIVE-gedicht auf LIVE-gedicht.

wer wird es dir danken?

ich denke zuallererst: ich mir selbst! (das feuilleton wohl nicht.) erwähnt sei: ich habe den tsunami ja auch überlebt! millionen und milliarden haben diesen tsunami auch überlebt. ich war allerdings erst gar nicht dabei und gar nicht darin. dann ist es natürlich etwas ganz anderes. aber alles und jedes ist eine frage der betrachtung. das leben ist eigentlich nur eine ansammlung von verschiedensten betrachtungen …

… bis es dann doch vorbei ist.

maximilian schell (oder hat er es von jemand anderem?) vergleicht es (das leben) mit einem theater, und wir sind darin die schauspieler. wir besetzen verschiedene rollen. also: wir wurden besetzt … auf diese rollen. dann ist das leben aus. wir werden anders wiedergeboren und spielen wieder neue rollen. und so weiter und weiter und weiter.

aber wozu dann noch die literatur?

vielleicht ist die literatur dann die „theaterkritik“ des ganzen. sie gehört einfach dazu, auch wenn die akteure dadurch kaum besser werden.

dann hat also iregndein herrgottkosmosnocheinmal gesagt: KLAUSENS, du wirst mein schriftsteller und LIVE-dichter?

nein, er hat gesagt: „klau|s|ens und zweitklausens und alle anderen klau(s)ense und klau=s=ensen, ihr werdet meine idioten!“

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Vom Internet in Form von PEO wurde KLAUSENS abgemeldet

klau|s|ens, das internet ist böse und voller gefahren. und auch voller willkür.

eben: es lockt dich, es will dich … und dann macht man dich ein.

es ist dir zum zweiten mal passiert.

genau: erst war es bei UNDDU, einer plattform von web.de … und jetzt bei PEO.

sie schalten ab.

ja, du legst deine texte ab … und dann schalten sie ab. bei PEO binnen eines tages! anfangs bist du der tolle typ, den sie als „user“ unbedingt haben wollen … und dann werfen sie dich binnen eines tages in die mülltonne. so ist das internet.

und dann?

dann ist ihnen alles egal: du musst selber gucken, wie du damit klarkommst.

wie kommst du damit klar?

das siehst du doch: ich bin sauer.

——– Original-Nachricht ——–
Betreff: Kündigung – Einstellung des Betriebs
Datum: Mon, 06 Dec 2010 14:30:17 +0100
Von: info@peo.de
An: info@peo.de

Sehr geehrte peo-Nutzerin,
Sehr geehrter peo-Nutzer,

wir haben Ihnen in den vergangenen Jahren mit peo eine ansprechende Plattform zur Verbreitung Ihrer Texte und anderer Werke angeboten. Leider haben andere Nutzer dabei die Rechte Dritter nicht beachtet. Wir müssen nach dem bisherigen Geschäftsmodell von peo für derartige Rechtsverletzungen möglicherweise geradestehen. Das damit verbundene Risiko können, und wollen wir nicht mehr tragen. Aus diesem Grunde wird die Plattform peo mit Ablauf des 6. Dezember 2010 den Betrieb einstellen.

Entsprechend unseren allgemeinen Geschäftsbedingungen kündigen wir hiermit sämtliche Vertragsverhältnisse mit den peo-Nutzern zum 6.12.2010.

Die Einstellung von peo soll aber nicht das Ende der Idee von peo sein – nämlich Menschen die Veröffentlichung ihrer kreativen Werke möglich zu machen. Über diese Idee würden wir gerne mit Ihnen kommunizieren. Wenn Sie Interesse an einem Neustart von peo haben, nutzen Sie unser Forum oder schreiben Sie uns bitte eine kurze eMail. Vielleicht finden wir im Dialog mit den heutigen Nutzern von peo ein zukunftsträchtiges Modell.

Wir danken allen Nutzern für ihre kreativen Werke und die gute Zusammenarbeit und wüschen Ihnen für die Feiertage und das kommende Jahr alles Gute.

Ihr PEO-Team

am 6.12. verkündet, am 6.12. abgeschaltet?

so ist das internet. und keiner schreibt darüber.

das ist ja schrecklich.

eben: für autoren wie uns ist es der untergang.

alle diese texte!

genau das — und WUSCH!!! können sie verschwinden.

jetzt verstehe ich auch, warum leute wie du ihre sachen mehrfach ablegen.

leute wie wir, zweitklausens. wie wir!

und wenn das internet uns ganz abschaltet. über nacht. einfach so? wie man wikileaks.org abgeschaltet hat? einfach so?

das ist es ja: keiner redet darüber.

du denn?

ich schreibe dagegen an, gleicht abgeschaltet zu werden.

schön, wie tapfer du bist.

kann man worte eigentlich auch über nacht abstellen?

woran denkst du?

es könnte doch jemand sagen, dass das wort „tapfer“ für alle zeit aus allen wörterbüchern und texten und gedächtnissen verschwindet.

das wäre ein neuer roman.

und wenn der dann auch verschwände?

woran du immer nur denkst!

ich weiß, die gedanken sind frei. aber wenn sie keiner mehr lesen darf? was dann?

und wenn sie keiner mehr lesen will?

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Zu den Jahresgaben verschickt KLAUSENS auch Kunstkünstlerpostkarten an den Bonner Kunstverein

klau|s|ens, du hast nun mit der versendung deiner kunstpostkarten … also künstlerpostkarten … also kunstkünstlerpostkarten begonnen.

ja, das stimmt. http://www.klausens.com/kuenstlerpostkarten.htm
oder: http://www.klausens.com/kunstpostkarten.htm

und? der kunstverein?

der bekam diese mit unter den ersten! du schätzt mich völlig falsch ein, zweitklausens.

aber es sind doch unsere gemeinsamen karten, klau|s|ens!

oh, ich vergaß.

oh, ich vergesse mich!

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Gerade noch rechtzeitig kann KLAUSENS dem Bonner Kunstverein die Jahresgabe zukommen lassen

klau|s|ens, du hast es mit der jahresgabe noch rechtzeitig geschafft?

ja, fast. um 11.00 uhr ging es los … und ich kam kurz nach 13.00 uhr. aber ich war noch in der frist.

das ist schön.

gewiss. der kunstverein hat sich auch gefreut.
(denke ich mal …)

dann sind alle nun glücklich?

das wäre zu hoffen. der künstler hat es ja immer schwer.

wieso?

alle wollen dies und dann auch das.

was macht da der künstler?

er macht seine arbeit, möchte aber auch den leuten nichts böses. und dann ist da die jahresgabe, die ja dem kunstverein geld bringen soll …

du meinst, man schiebt das eine zum anderen? die lange kante zur kurzen?

so ungefähr, ja, man weiß dann nicht recht. dann fällt einem ein: huch, die jahresgabe!

was tust du dann?

zweitklausens, das tust du auch: ich mache mich an die arbeit. zack, wumm, rumms!

und was wurde es dann?

ich war gerade mit dieser neuen reifenverordnung beschäftigt. winterreifen. ab 4.12. trat die sache ein.

was hast du dann gemacht?

ich habe diese verordnung gescannt und dann 5 exzerpte geschaffen. diese habe ich jeweils signiert. und fertig war die jahresgabe.

das alles im netz?

ja, allein elektronisch. in der moderne ist man elektronisch. auch meine signatur konnte ich nicht handschriftlich … nur elektronisch …

dann hast du also die sachen gemacht, als homepage ins netz gestellt und den kunstverein umgehend per mail informiert?

ja, so war es: umgehend! die jahresgabe wurde also derart zugestellt, dass sie plötzlich da war. im prinzip ist sie für alle welt nun da.

http://www.klausens.com/klausens-jahresgabe-bonner-kunstverein-2010.htm

und jetzt?

jetzt schreibe ich das noch in den blog(g) … und dann ist es gut. — ach ja, der text der mail, zur dokumentation meiner nichtlügenhaftigkeit. ich bin und bleibe doch ein anständiger mensch … das sollen alle wissen:

——– Original-Nachricht ——–
Betreff: Jahresgabe von KLAUSENS kommt pünktlich am 4.12.2010
Datum: Sat, 04 Dec 2010 13:10:05 +0100
Von: K. Klausens
An: kontakt ÄTT bonner-kunstverein.de

Liebes Team vom Bonner Kunstverein,

auch

KLAUSENS JAHRESGABE BONNER KUNSTVEREIN 2010

ist nun endlich bei Euch eiungetroffen:

5 Exzerpte aus
„Verordnung zur Änderung der Straßenverkehrs-Ordnung und der Bußgeldkatalog-Verordnung“, im BUNDESGESETZBLATT Nr. 60 vom 3.12.2010, Bonn. Seite 1737f.

Am 4.12., am Tag der Inkrafttretung aus dem dem Bundesgesetzblatt gesaugt, mit seinem (KLAUSENS) Logo und Tages-Datum signiert und dann hier ins Internet gestellt.

Per Mail wurde der Link am 4.12.2010 gegen 13:10 Uhr an den Bonner Kunstverein übermittelt.

DER LINK IST HIER:
http://www.klausens.com/klausens-jahresgabe-bonner-kunstverein-2010.htm

Herzlich, Klau|s|ens, Weltkünstler von Bonngeltung.

und jenes „eiungetroffen“? was soll das?

das muss wohl ein kunstwort des künstlers klau|s|ens = zweitklausens sein.

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Die neue Winterreifenpflicht versteht KLAUSENS als Künstler vollkommen falsch

klau|s|ens, was hast du mit dem schönen kunstwerk von gestern gemacht?

welches?

„reifomanie“ hieß es.

ich habe es mit profil nun versehen. das ist gesetzlich so pflicht.

profil?

in gewisser weise ja. alle müssen ab heute mit winterreifen fahren. oder M+S-reifen.

wo steht das?

die langerwartete neuregelung in der straßenverkehrsordnung (StVO) wurde am freitag, 3.12.2010, im bundesgesetzblatt veröffentlicht und gilt damit ab dem folgetag: 4.12.2010. also heute. wer jetzt trotzdem noch mit sommerreifen unterwegs ist und erwischt wird, muss 40 statt bisher 20 Euro bußgeld zahlen. und 1 punkt in flensburg kann es auch geben. laut eilverordnung von verkehrsminister ramsauer (CSU) heißt es:

„Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte darf ein Kraftfahrzeug nur mit Winter- oder Allwetterreifen mit dem M+S-Symbol unterwegs sein“. 1.12.2010, „Verordnung zur Änderung der Straßenverkehrs-Ordnung und der Bußgeldkatalog-Verordnung“, im BUNDESGESETZBLATT Nr. 60 vom 3.12.2010, Bonn. Seite 1737. KLICK HIER.

kann es sein, dass du das nun falsch verstanden hast.

nein, das kann (ich) nicht sein. als künstler der postironischen generation kann ich gar nichts falsch verstehen. was immer ich mache, wird „richtig sein“ … und seinen „reifen sinn“ erfüllen.

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Unglaubliches beim Reifenwechsel in Bonn erlebt KLAUSENS

klau|s|ens, alle wechseln die reifen, in diesen tagen.

wegen dem schnee.

auch das, aber wohl auch wegen dieser pflicht, nun auch mit winterreifen zu fahren oder M+S-reifen, wenn es schneit und matscht und friert. gilt doch jetzt!

egal.

was ist denn?

ich habe was erlebt!

was denn?

das inhumane wohnt überall.

wo denn?

beim reifenkauf.

wie denn?

ich fahre also hin. schon vor ein paar tagen. mein erster versuch.

und?

heute ist nichts mehr, sagten die. sie können morgen wiederkommen.

aber du warst doch heute da.

eben: aber ich bekam keinen termin für morgen. keine reifen, nichts. nein, ich sollte morgen wiederkommen.

hast du das getan?

nein, ich fühlte mich da doch ziemlich verarscht.

und dann?

dann habe ich gewartet. ich dachte zwei wochen später: so jetzt wird sich die lage beruhigt haben … und ging wieder ins geschäft, also zu der firma, also zu dem reifenhändlermann und seinen mitarbeitern.

und dann?

dann durfte ich reifen bestellen.

mit termin? zum draufmachen?

nein: es war eine bestellbestätigung für neue reifen, aber noch kein termin.

aber du warst doch da.

eben, so denkt ein normaler mensch. die nicht. man macht aber keine termine. ich solle morgens kommen, ab 8.00 uhr vielleicht, mich anstellen … (um 9.00 uhr machen die erst auf!) …. und dann gibt es vielleicht einen reifenwechsel für mich.

wieso „vielleicht“? du warst doch jetzt da.

warum „vielleicht“? weil das autoreifenhaus ein seltsames system von herrschaft und willkür betreibt. ich musste am nächsten tag wiederkommen. zum dritten mal!

wirklich seltsam.

ja, ja, ich also morgens hin, vor neun uhr, weil ich dachte: wer weiß, was da ist.

was war?

es kamen nur die ersten dran, und die haben wohl schon um 7.45 Uhr da gestanden, obwohl der reifenmann und sein betrieb erst um 9.00 uhr öffneten.

da standen also die menschen im schnee?

es schneite, ja, ja, und die menschen wartete bis 9.00 uhr, brav in einer schlange. um neun kamen noch unwissende hinzu. es waren bestimmt an die 50 menschen. wie in der DDR.

und du dabei?

ich dabei, denn ich war ja auch opfer, wie alle anderen.

was für ein seltsames system.

jetzt kommt es: neun uhr! nun durfte und ging man nach und nach rein und bekam eine nummer zum wechseln der reifen.

das hört sich doch gut an. nummer! toll!

sicher, aber die nummer hätte man auch vorher verteilen können. denn: man bekommt die nummer nur an diesem tag … nur für diesen tag. ich war aber vorher schon zweimal dagewesen … und heute bin ich verdammt früh aufgestanden und verdammt früh in der schlange zu stehen.

und dann?

dann standen leute in der reihe, die bekamen eine nummer und denen wurde gesagt: also, vor 15.30 uhr wird das nichts.

die haben dafür morgens in der reihe gestanden.

ja, haben die. aber die mussten um 15.30 uhr arbeiten. die konnten nicht. die hatten endlich einen termin, der aber wurde nach dem „einlauf“ am morgen vergeben, und nachmittags konnten die nicht mehr. es soll ja berufstätige menschen geben. schichtarbeiter auch.

und dann?

dann mussten sie wieder abziehen. ohne reifen. ohne termin. ohne alles. hatten sinnlos angestanden, bekamen sinnlos einen termin, wo sie nicht konnten. nachmittags. mussten dann wieder abfahren. so war das ganze system: eine einzige kette von demütigungen und zurechtweisungen der armen menschen, die doch nur neue reifen wollten. dabei könnte man die dinge so leicht klären. und regeln.

wahnsinn.

es gab auch leute, die standen zu spät in der schlange.

und dann?

dann sagte man denen: da müssen sie morgen wiederkommen. für heute sind alle termine weg.

was soll das denn?

ja, so die idee: die lämmlein kommen dann „morgen“ wieder und dann beginnt das ganze spiel von neuem: schlange stehen, in der kälte, im schnee … warten, bis die um 9.00 aufmachen und hoffen, dass man noch zu denen gehört, die überhaupt einen termin bekommen. und sich den ganzen tag freihalten, je nachdem, welchen termin man ergattert. berufstätige, die nicht selbständig sind, haben bei diesem system keine chance. menschen mit terminen aller art: chancenlos.

so ein blödsinn.

die menschen sind seltsam zu verstehen, aber in der autobranche und in der reifenbranche scheint es besonders komische menschen zu geben.

was machen denn die, die arbeiten müssen? um 8.00 uhr. die gar nicht in der schlange stehen können?

die bekommen keine neuen reifen, denn zu dem prinzip gehört a) dass du jeden tag zwischen 7.30 uhr und 9.00 uhr zeit hast, schlange zu stehen … und dass du b) an dem selben tag den ganzen tag auch zeit hast, falls du einen termin überhaupt bekommst.

dann fallen also leute raus, die morgens arbeiten müssen, aber bei schlechter termingewinnung auch solche, die nachmitttags arbeiten müssen oder termine haben.

eben. und so gab es viele menschen, die sauer waren, menschen, die den tränen nah waren, menschen, die meinten, sie kämen jetzt zum dritten mal. alles das gab’s. eine kleine horrorshow. es wirkte auf mich wie eine diktatur in einem fernen land. aber es war BRD!

und der reifenhändler.

der immer nach dem motto: „da müssen Sie früher kommen!“ – „nein, termine machen wir nicht!“ – „morgen früh wieder neu probieren!“ – „selber schuld!“ – „jetzt wollen Sie uns anklagen, weil Sie selber zu spät sind?!“- „da müssen sie eben früher aufstehen!“ – „ist das unsere schuld, wenn alle auf den letzten drücker kommen?!“ – alle solche sätze kommen dann.

was ist das für eine welt?

eiskalt!!! was sind das für menschen?! sowohl die herren als auch die opfer?!

gehst du wieder hin?

nein!

und die anderen?

ich befürchte, die lassen das nächstes jahr wieder mit sich machen.

wieso?

sie wollen vielleicht 5 euro pro reifen sparen …

.. und dafür lassen die sich demütigen und abkanzeln und wieder nach hause schicken?

es sieht ganz so aus.

was ist das für eine welt?!

frage mich nicht. man denkt immer „inhuman“, das hat mit folter und gewalt und so zu tun. ich denke, das wort fängt viel früher an.

wo denn?

bei manchem reifenhändler … in bonn und anderswo.

dabei müssten die menschen nur termine geben, ganz einfach, wie beim arzt.

eben — aber sie machen das nicht. keiner weiß, wieso. man muss befürchten, dass es um den genuss an der demütigung der menschen geht, die tag für tag in der kälte in einer schlange stehen, und dann vielleicht ohne reifen und ohne termin wieder von dannen ziehen müssen.

und dann einen tag später erneut dieses lotto des lebens ausprobieren.

die welt ist voller skandale. manchmal sind es auch die kleinen, die ziemlich groß sind.

was folgerst du?

hüte dich vor den menschen.

wieso?

sie sind die schlimmsten tiere!

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Postironisch bietet KLAUSENS sein(en) Blog(g) als Endlager für Atommüll und die Krankheit AIDS

klau|s|ens, die postìronie geht weiter?

ja, zweitklausens, denn nun biete ich mein(en), also unseren, blog(g) als atom-endlager an.

das finde ich mehr als nur bemerkenswert.

und ich dachte mir, da heute der weltaidstag ist, tun wir die krankheit AIDS auch noch hinein.

dann wäre aller atommüll weg? und auch die krankheit AIDS? allüberall?

gewiss, denn beides wäre nun in unserem endlager hier im internet, welches wir heute aller welt anbieten.

ich bin sprachlos!

ich glaube, das wäre der s-21-herr heiner geißler zu stuttgart auch. der kann nur „schlichten“, aber die künstler lösen die probleme dieser welt !!! für immer und ewig !!! wie … hier: http://www.klausens.com/neues-rheinland.htm !

und wie auch noch das SERIELLO Markus Heinzelmann.
http://www.klausens.com/seriello-markus-heinzelmann.htm !

und dann noch das SERIELLO Stefanie Kreuzer. http://www.klausens.com/seriello-stefanie-kreuzer.htm

nur problemlöser: SERIELLOs, LIVE-gedichte, kunstwerke — künstler sind das endlager für alle probleme aller welten für alle zeiten.

ich liebe zudem diese künstlerinnen und künstler für ihren nie versiegenden optimimus.

du scherzt?!?!?!?!?!?!?!?!?!?!?!?!?!?!?!?!?!?!?

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