Tagesarchiv: September 10, 2008

Schwarze Löcher beim Rolandseck-Symposium „posthume Güsse“ entdeckt von KLAUSENS

klau|s|ens, was haben die schwarzen löcher mit dem arp-museum zu tun?

ach, das bietet sich heute so an, wegen CERN und schweiz und so, diese eröffnung da. im kunsthandel gibt es schwarze löcher, aus denen materie hervorquillt, die es vorher nicht gab.

was ist „vorher“?

das meint die lebzeiten des künstlers.

und nachher?

nachher vermehren sich die kunstwerke dann sehr oft.

bei den bildern?

überall: nimm alle kunstformen, die du kennst. (fast) alles lässt sich nachmachen. man müsste beim beuys’chen fett allerdings auch die verranzung imitieren.

was bedeutet das für diese güsse und abgüsse?

das bedeutet, dass – wie bei der STASI-debatte auch – es der klugen und weisen einzelfallbeurteilung darf.

inwiefern?

künstler a) sagt: nichts nach meinem tode!
künstler b) sagt: ich hatte nie geld zu gießen. gießt nach meinem tode alle meine skulpturen!
künstler c) sagt: macht was ihr wollt.
künstler d) sagt gar nichts, weil er sich totgesoffen hat.

aha, klischee, klischee – das feld ist also komplex und ziseliert.

„ziselieren“ ist eine vokabel aus der gussbearbeitung. aber lassen wir das.

was willst du denn?

ich beobachtete vorgestern mit vergnügen, wie sich richtungen und lager formten.

in welcher art?

wie bei den großen dogmen z.b. dem kommunismus und dem reinen christlichen glauben ging es hier um das dogma der „unbefleckten skulptur“.

wirklich?

ja, ja, sie darf vom künstler auch beuriniert werden, wegen der patina, aber sie muss vom künstler doch authorisiert sein. zu lebzeiten … oder auch nicht. also doch anders.

und da gibt es solche und solche?

aber ja: der kunstmarkt z.b. schreit immer wieder „das regelt der markt!“

wieso?

… weil auf dem markt sogar viel geld für solche nachgüsse bezahlt wird, selbst wenn die leute davon wissen … also: das nachgegossene ist vielleicht nicht authentisch, verkauft sich aber doch.

aha, der markt!

und dann gab es die vertreter der reinen lehre, wie z.b. gert reising aus karlsruhe, der sich auch optisch durch seine langen haare von der gilde der anzugträger abhob. er wirkt wie ein ökologe der kunstszene. ein verlorenes reptil in einer gesellschaft der gewandten und gewandeten.

du spricht so blumig.

reising befasste sich mal exemplarisch nur mit dem „stern“ von arp, recherchierte, und meinte, den gäbe es 12 mal schon auf der welt. und vielleicht ja noch öfter.

den stern?

es ist eine nette figur. und die gibt es aus metall und aus weißem marmor.

und was meinte reising?

nach seinen recherchen ist die übergroße masse dieser 12 „sterne“ nach dem tod von arp und ohne sein wissen, wahrscheinlich auch ohne sein wollen, entstanden.

das ist ja bitter!

eben, für reising ist es fast wie ein körperlicher schmerz. er verließ vorzeitig und wütend das symposium, während die anderen ihm ebenfalls wütende blicke nachwarfen. (man sucht harmonie, aber reising will partout nicht – klein – nach- und beigeben, und das ist für den ruf es arp museums nicht gut. der museums-markt! du verstehst?! wer immer an den kopien und nachgüssen herummäkelt, der macht alle museumssammlungen so auf dauer kaputt.)

… weil es offenbar öfters solche „posthume güsse“ und posthumen nachhauungen“ gibt, ich verstehe. – und die anderen?

die nehmen das weniger tragisch, weil sie sich nicht der reinen lehre verschrieben haben. sie haben von andy warhol gelesen, gehört, gesehen … und sind nun seriell-künstlerisch klüger.

wieso?

sie meinen, dass es viele gründe gibt, die für nachgüsse … oder – wie im falle des weißen sternes – sogar „nachhauungen“ (mein ausdruck) sprechen.

der weiße stern ist aus weißem marmor?

eben das! da muss jemand hand angelegt haben, also regelrecht kopiert haben. und kopieren ist ja wieder ein thema für sich.

da sagte doch einer, dass man für austellungen, also: exhibitions, sowieso manchmal sachen kopiere, weil man die stehen haben wolle, aber die originale nicht zu kriegen seien.

ja, das erzählte am beispiel von bruce naumann der herr leinz vom lehmbruck-museum in duisburg. er bekam die erlaubnis, eine kopie anzufertigen. hollywood grüßt die museen der welt!

mensch, das ist ja kompliziert. es gibt kopien und fälschungen und nachmachungen. also: exhibition artefacts.

ja, ja, und herr hanstein vom kunsthaus lempertz sagte dann noch: er könne den nachguss von einem original doch unterscheidbar erkennen.

wie denn?

wenn du von einem original eine form nimmst und diese erneut gießt, dann ist das resultat doch 3% kleiner als das original.

ist das so?

das hängt mit den zusammenziehungskräften des materials zusammen.

was du alles weißt!

und du erst!

und dann diese schwarzen löcher, aus denen immer neue kopien, nachgüsse und falschtorsi auftauchen.

ist die kunst nicht wundervoll uneindeutig?

und die schwarzen löcher auf diesen symposien daselbst, wo alle erkenntnis dann noch aufgesaugt wird!

und dieser beitrag hier, der an diesen erkenntnisresten auch wiederum löchernd nagt.

siehe auch: http://www.klausens.com/gedichte vom symposium posthume güsse. http://www.klausens.com/gedichte_vom_symposium_posthume_guesse.htm

ORIGINALVERSION mit Fettdruck und allen Bildern
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