Tagesarchiv: Oktober 16, 2008

Nochmals schreibt KLAUSENS zur Schach-WM

klau|s|ens, du meldest dich nochmals. zur schach-WM?

ja, aber es handelt sich immer noch um meine beobachtungen vom eröffnungstag.

dann bist du der zeit weit hinterher.

wieso?

es gab gestern noch ein spiel, und auch das endete remis.

ich denke, die beiden spielen gern remis, weil sie so gut sind. – heute gibt es das dritte spiel.

was fiel dir denn noch auf?

es waren nur männer dort.

keine frauen?

wenigste, handverlesen.

also männer und logik.

zumindest spricht der anschein dafür.

keine frauen ansonsten?

doch, doch, peinlich: hübsch-frauen (models?) mit scherpen, zwei für die GAZPROM und zwei für EVONIK.

also das modell aus der autoindustrie? frau und produkt, immer zusammen abgebildet? nun auch im schach?

es ist ein uraltes modell, was sich inflationär ausbreitet. wenn sie wenigstens halb frauen und halb männer nehmen würden – die frauenbewegung hat da schon lange resigniert.

und wenn doch schach hauptsächlich die männer anzieht. dann ist es doch logisch, dass man mit frauen diese männer umwirbt.

schach, autos, computerzeitschriften, fußball: immer die männer. und das klischee. beide hand in hand.

halt. beim fußball sollen nun immer mehr und mehr frauen ins stadion gehen.

warum diskutieren wir das denn?

weil du beobachtungen hast, die mich langweilen.

ich beobachte immer gleich?

nicht nur das: du beobachtest auch dinge, die jeder weiß, und die deshalb nicht beobachtungswert sind. begreifst du das nicht?

ich erzähle weiter: ich sah ja dann am 14.10. die eröffnung, die reichlich uncharmant ablief.

fandest du?

aber ja – zumal steinbrück nicht konnte. da hat dann werner müller ein figürlein auf dem brettlein vor den fotografen und kameras gezogen, und schwupps war die schach-WM eröffnet.

was ist interersaant daran?

vielleicht die vielen männer, die sich um diese spiele dann gruppieren.

wo?

genau jetzt dieser tage in der bundeskunsthalle. es sind furchtbare viele journalisten dort, und die berichten dann in alle welt.

wie erging es kranik und anand?

kramnik hatte zwei männer und war dann husch-husch weg von der pressekonferenz.

und anand?

… hatte eine wunderschöne frau (seine frau?), mit der er dann – begleitet von einem guard, der aber nicht im taxi mitfuhr – in ein taxi stieg. auch er machte das husch-husch nach der pressekonferenz.

und das findest du wichtig?

nein, ich sah es aber. und vielleicht interessiert es dich.

nichts zu den partien? müssten wir im blog(g) nicht die partien diskutieren? ist das nicht der sinn der schach-WM: die partien? und der mut der spieler?

aber die erste partei war nicht mutig.

und die zweite?

da hat anand doch überraschend beim ersten zug den bauern vor seiner weißen dame zwei felder vorgesetzt. das war wohl der clou des tages …

… der auch mit einem remis endete.

der zweite tag auch, ja, ja.

was ist dann so interessant an einer schach-WM?

vielleicht genau das: es gibt nichts interessantes, außer einer alles beherrschenden logik.

und dann?

dann hoffen die menschen, dass dort eine blume bricht, hier ein mineralwasser ächzt und dort ein lehnstuhl quietscht. … vielleicht schlagen sich irgendwann auch die kontrahenten. irgendetwas. (obwohl diese kontrahenten sehr anständig und ordentlich wirken und gelten. also: kein psychokrieg der einfachen sorte zu befürchten.)

mehr nicht?

nein, schachspieler sind bescheidene menschen. und die zuschauer sind ja selber meistens schachspieler.

was können uns dann deine gedichte noch bringen?

eigentlich nichts. aber dieses nichts macht ja auch den reiz mancher gedichte aus.

http://www.klausens.com/schachgedichte.htm

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