Tagesarchiv: Dezember 20, 2008

Die Welt und KLAUSENS werden entkulturalisiert

klau|s|ens, du wirst jetzt klage führen.

du bist klug, zweitklausens – ja, es stimmt.

wessen willst du klagen?

heißt es nicht „worüber“?

das ist jetzt egal – also: wieder wird dir etwas genommen, fühle ich.

mir? – und allen!

was ist denn weg?

es handelt sich um diese lila schokolade.

ich weiß, die hat eine spezielle mischung, einen speziellen geschmack – die ist auf ihre art „einmalig“.

soweit der inhalt, aber die verpackung …

was wurde denn aus der verpackung?

die hat sich geändert!

wann denn?

ich weiß nicht – ich kaufte mir mal wieder die lila schokolade, und alles ist nun anders.

ist das lila verschwunden?

nein, nein, aber sie ist anders verpackt. das lila ist nun weniger papier und mehr kunststoff.

weiter?

sie ist anders verschweißt, sodass sich auch die form der schokolade geändert hat.

auch die form?

das rechteck ist jetzt länger. das im geschäft gesehene rechteck der äußeren verpackung.

noch was?

aber ja: es fehlt innen die alufolie oder das alupapier oder was das war. silberpapier?

das silberne papier?

eben! wie kann eine schokolade schokolade sein, wenn das silberne silberpapier fehlt …

… und außen herum plastikpapier ist?

genau das! niemand schreibt darüber! ich las nichts! keine titelseite! nichts!

und doch hat sich die welt gravierend verändert.

man hat mir mein leben unter den füßen weggezogen.

inwiefern?

alles, was war, ist nicht mehr.

was war denn?

das aufbrechen eine lila schokolade mit silberpapier, das war einmalig. das war kult.

und das haben sie dir nun genommen?

sie haben mir meine vergangenheit geraubt!

schlimm, schlimm. womit würdest du es vergleichen wollen?

… als die TELEKOM uns die gelben telefonzellen klaute … und sie durch unscheinbare magenta-grau-dinger ersetzte, das war auch so ein anschlag.

die kultur formt uns – und dann lässt sie uns im stich!

es sind alles amputationen. tiefe einschnitte in unsere existenz!

man müsste etwas tun.

was denn?

ich weiß es nicht. vielleicht wäre es ein erster schritt, wenn wir das wort „entkulturalitisation“ dafür prägen. du kennst doch unsere wortschöpfungen im „eigenlexikon“. http://www.klausens.com/wortschoepfungen…

ja, ein neues wort: entkulturalitisation! ja, das passt! für die schokolade! und auch für anderes.

schön! dann haben wir einen kleinen schritt getan.

wir haben aber noch ein problem.

welches denn?

es könnte sein, dass man uns in 20 jahren dieses schöne wort einfach nimmt, so wie das silberpapier … einfach nimmt … und dann heißt es „entkulturalizidierung“.

es ist erschreckend, wie wir überall in unserem selbstverständnis beständig bedroht sind.

iss‘ noch ein stück. das hilft!

ja, wegen der feriperizerimone! ja, ja!

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