Tagesarchiv: April 11, 2009

Nach Marialinden bei Overath pilgert KLAUSENS

klau|s|ens, bei allen deinen kritischen und fragenden berichten und texten und gedichten zur religion (http://www.klausens.com/religionsgedicht…)
… warst du dann gestern tatsächlich selber pilger?

ich war in marialinden.

nicht als pilger?

ich fuhr mit dem auto dorthin, betrat die kirche, wo ein gottesdienst war (katholische pfarrgemeinde st. mariä heimsuchung, pilgerstraße 25, 51491 overath, telefon 02206/4334), dem ich mich entzog, um dann alsbald endlich einen pilgerstempel zu bekommen, den ersten meines lebens. im vorraum.

du bekamst einen pilgerstempel?

wer die kirche betritt, kann sich den pilgerstempel holen.

aber du bist nicht gepilgert!

ist pilgern nur zu fuß? nach kevelaer fahren sie doch auch alle mit den autos.

und was hast du noch getan?

ich sah die agger, die autobahn, den campingplatz, einen wald, einen bach, ein tal, ein schönes tal, ein freies feld, ein nicht mehr freies feld, viele häuser, neue häuser, hässliche häuser, ich sah die zersiedelung der welt … und ich sah marialinden.

wie ist es dort?

zersiedelt – nichts altes mehr spürbar. auch die kirche ist sandgestrahlt und gestriegelt, als wäre sie nagelneu.

keinerlei geschichte spürbar?

keinerlei wäre übertrieben, aber alles glatt und geputzt und überall die üblichen dinge aus den baumärkten, die die menschen „schön“ finden.

möchtest du dinge hier aufzählen?

nein, das würde nur langweilen. jeder kennt die grausigen zäune, die hässlichen briefkästen, die wundersamen lampen, die betonbuntsteinreifen, die als blumenkübel dienen. – die liste wäre endlos.

du bist also gepilgert?

nein, aber im nachhinein bin ich offenbar doch zu diesem landstreifen bei overath „gepilgert“, um buße zu tun.

wofür?

… dass die menschen alles schön systematisch unschön bekommen, zugleich aber meinen, sie hätten es sich „schön gemacht“.

bist du nicht ungerecht?

nein, denn alle menschen haben eine subjektive sicht auf die schönheit der welt.

und du?

ich war mit den menschen von marialinden diesbezüglich nicht eins. und mein pilgerstempel erinnert an die arme geschundene landschaft, die schreit und ruft.

und wie soll es werden?

ich weiß es doch nicht! sie haben sehr nette leute in einem sehr netten gasthof dort, im „lindenhof“ – und die menschen geben allesamt nett auskunft über den weg. also: es ist noch nicht aller tage abend – mit maria, ohne maria, mit jesus, ohne jesus … in und um marialinden.

du warst sogar auf der pilgerstraße!

du doch auch, zweitklausens. es ist eben ein historischer ort. ein pilgerweg von overrath nach marialinden, über 7 stationen. (im 18. jahrhundert errichtete man gerne pilgerwege im rheinland, gerne nach oben, auf die hügel, quer durch den wald, über die felder. und jesus fiel 7 mal unter dem kreuz auf die knie. immer diese 7. und all die anderen zahlen. sie kommen ja immer wieder. nicht nur in der religion. und der pilgerweg hat 7 „fussfälle“, aber man sieht sie nicht immer sofort. die bau-fies-moderne hat sich eben drumherumgelagert. eigenheime erobern die welt! leider!)

und wie war die pilgerstraße?

sie war kaum noch als solche zu erkennen, weil die moderne die tradition überflügelt hat.

beschwerst du dich?

ich war etwas enttäuscht vom grad der zivilisation, also der „zermenschelung“. und jesus wäre es wohl auch.

und nun?

nun loben wir die welt, solange es sie noch gibt. (was können wir sonst tun? vorbei ist vorbei. die historie kommt so nicht wieder. und die altehrwürdige landschaft wohl auch nicht.)

IN MARIALINDEN

Ich suchte die Bäume
Gar sieben wovon
Nicht viel mehr
Geblieben als Putz
Und alles sauber so fein
Kann es nur in
Deutschland doch sein

Copyright Klau|s|ens in allen Schraibwaisen und Schreibweisen, u.a. als Klau+s+ens oder Klau(s)ens oder Klau*s*ens, am 10.4.2009, Karfreitag, in Marialinden bei Overath im Bergischen Land.

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