KLAUSENS sah Wolf Biermann in Bonn – oder der ihn?

klau|s|ens, du sahst wolf biermann? LIVE? in bonn?

oder sah er mich?

wie kommst du darauf?

schau doch, wie er schaut, als er durchschaut, dass jemand schaut, der auch alles durchschaut. (ich meine das foto unten.)

mehr nicht?

doch, doch, er war großartig – so viel man über ihn streiten und jammerlieren kann.

„jammerlieren“?

ein neues wort – wenn jemand etwas verliert, dann jammert er.

jammert biermann?

jetzt weniger, viel weniger – aber der verlust der DDR war für ihn immer verlust seiner existenz, zumindest teilverlust. ich kenne ihn als weinerlich-mutigen jammerer – neben all seinem aufbegehren, eigentlich möchte er gestreichelt werden. wird er aber dann gestreichelt, träumt er von folter. YING YANG – das ist bei ihm eine dauerkurve.

wieso?

nach der DDR? – also: der feind der reibung … und damit der kreativität fehlte.

und du?

ich mache mir biermann nun für wenige minuten zum feind, spielerisch – und dann kann ich vielleicht besser schreiben.

ist es so?

natürlich nicht – ich stehe über allen dingen über aller welt, bin frei von allen gefühlen der eitelhaftigkeit und der dünkelvergessenheit.

„dünkelvergessenheit“?

ein neues wort – aber man kann es doch verstehen.

konntest du biermann verstehen?

sehr gut, LIVE ist er grandios. ich sah ihn vor jahren in der TU Berlin, wüsste aber nicht mehr den zusammenhang. da war alles aufgewühlt in berlin, und sowieso. und ich war jung, und das AUDIMAX war voll, und ich saß eingeklemmt – da war alles anders. auch schön, aber anders.

und gestern?

gestern spielte biermann im haus der geschichte vor der kulisse des alters, man sah kaum gesichter unter 50 – und das publikum durchlebte mit ihm seine eigene zeit. biermann spielte ihnen das tagebuch ihrer eigenen vergangenheit, und deshalb war höchste konzentration. also die konzentration der nachbetrachtung und rückerinnerung. kein aufbruch mehr!

nachher?

nachher gab es applaus, einfach nur applaus. viel applaus. lange, aber nur applaus. nichts dazu.

keine buhrufe?

nicht einen. nur ich fühlte mich dazu gezwungen: ich selber rief etwas, jaulte, machte töne – aber es war zustimmung, aufrührende zustimmung, in anerkennung seines lebenswerkes – biermann hingegen hatte es als BUH interpretiert. seltsam, wenn so viel geklatscht wird, aber den menschen kommt nichts über die lippen. kein BRAVO, kein TOLL, kein NICHTS.

es war also ein sarg?

wenn man so will, war das publikum sein eigener sarg. schon aller vehemenz entglitten, nur noch in der betrachtung der eigenen zeit eingeschlossen. entruhigt.

„entruhigt“? – du wirst schreiben?

ich habe LIVE geschrieben – und ich werde das alles wieder ablegen, klar doch! http://www.klausens.com/klausens-und-wol…

und biermann?

ich bin glücklich, ihn erneut LIVE gesehen zu haben. möge das alte walross weiter jammern und klagen und lieben und jammern und heulen und sich an den bonzen reiben, bis das der sarg uns alle …

also nicht entsagung, sondern entsargung – wäre das deine hoffnung?

ja, entsargung für bonn – das wäre mal dringend nötig. dafür kann biermann aber rein gar nichts.

ORIGINALVERSION mit Fettdruck und allen Bildern
und allen Links bei KLAUSENS BLOGG (mit 2 G !!!)
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