Tagesarchiv: November 7, 2009

Von der Pecha Kucha Night in Köln im Atelier Colonia berichtet KLAUSENS

klau|s|ens, was ist PECHA KUCHA?

ein neuer kult.

schon wieder?

die welt braucht einen kult nach dem anderen, weil ihr sonst langweilig wird.

und dieser kult?

er hat mit dem bild zu tun, und mit dem text, und mit der schnelligkeit. oder der kürze.

was ist zu tun?

du hast 20 folien (= bilder) und 20 sekunden pro bild (zum reden).

aha: ich habe also 20 x 20 sekunden.

genau so, aber die bilder wechseln immer nach 20 sekunden, gnadenlos.

und dann?

dann muss ich zu den bildern reden. der klassische powerpoint-vortrag, den wir von 10 millionen kongressen und 20 millionen vorträgen und 30 millionen symposien doch kennen.

die machen einen klassischen vortrag?

nein, eben nicht: durch diese regel: 20 folien = bilder und 20 sekunden pro bild wird alles total anders. (man fängt auch symbolisch um 20.20 uhr immer an, um diese zahlen nochmals aufzugreifen.)

wie wird es denn dann?

also: die menschen, die dann vortragen, die kommen dann in zeitdruck und haspeln oft den bildern hinterher.

und dann?

dann entstehen durchaus komische effekte.

oder?

die menschen reden so schnell und so nervös, dass man ihnen eine jahrespackung beruhigungsmittel schenken wollte.

inwiefern?

weil der vortrag zu stress wird, zu einem riesigen stress. sie eilen der kürze der zeit hinterher, atemlos. sie rennen den folien nach, in der sprache, weil die folien ja alle 20 sekunden wechseln. ein beamer bringt die dinge an die wand. und alle 20 sekunden kommt das nächste bild, welche die vortragenden allerdings aussuchen, zuvor.

sprechen die denn über ernste themen?

eigentlich ja, eigentlich nein.

wie meinst du?

man hat den eindruck, dass die meisten das ding nur zur selbstdarstellung, also zur werbung in eigener sache, also zur promotion benutzen. es geht nicht um bildung, oder wissen, oder neue erfahrungen, sondern um WERBUNG, WERBUNG, WERBUNG.

das war dein eindruck?

leider ja – die veranstalter müssen sich etwas einfallen lassen, um dem entgegenzuwirken.

man redet also nicht über themen wie „die virulenz der katharsischen säuberung“? oder „goethes lebensjahre in frankfurt“? oder „die fortpflanzung der eintagesfliege“? oder „psychologische erkenntnisse zu verwahrlosten kindern“? oder „stadtplanung im ländlichen raum“?

so hatte ich auch gedacht, als ich davon hörte, von PECHA KUCHA. (pecha kucha ist japanisch und meint WIRRES GEPLAUDER oder so … und wurde angeblich in tokio im februar 2003 von architekten erstmals im rahmen einer designveranstaltung als regel verwendet. auch in der wirtschaft wird von dem 20-20-approach gebrauch gemacht. )

was? nix bildung? nix erweiterung des geistes durch neuen input?

ich dachte zuvor auch: da sind dann karriereorientierte, aufstrebende, interessierte und agile menschen, die sich nun gegenseitig mit kurzvorträgen von 6 minuten und 40 sekunden (20 x 20) informieren, über ihre jeweiligen arbeitsfelder oder tätigkeiten, um die horizonte zu erweitern.

und?

es war eher anders. es war mehr happening, mehr promotion in eigener sache … und zugleich selten professionell. also: die vorträge wirkten nicht so, als seien sie für den ärztekongress in venedig oder die betriebswirtschaftlertagung in paris erarbeitet und einstudiert worden.

was heißt das?

die meisten vorträge 20 bilder a 20 sekunden sollten gar nicht akkurat belehren und unser wissen erweitern. außerdem waren sie nicht richtig geprobt, sondern wirkten zumeist improvisatorisch-locker, mit allen vor- und nachteilen.

aha!

also: sie sollten wohl einfach für spaß, belustigung, ablenkung und sonstwas sorgen.

war das interessant?

interessant allemal – aber ich stellte mir nachher die frage, wielange das anhält. das interesse.

inwiefern?

weil man eben weiß: jeder, der jetzt auftritt, hat eigentlich nur eines vor: er will für sich oder seine oder ihre unternehmung werbung machen.

wie ist das dann konkret?

ich bringe jetzt die liste der teilnehmenden … und dann wirst du es besser ermessen können. (ach so: annette pfeffer heißt wohl die gründerin der pecha-kucha-sache in köln. susanne jungglas und steffen bärenfänger sind auch mit im team cologne. scheinen alle aus der DESIGN-szenerie zu kommen.)

Pecha Kucha Cologne Vol. 5 – 5.November, im Atelier Colonia, Körnerstrasse 37 -39, Köln Ehrenfeld

Start: 20.20 Uhr
Einlass: 19:30
Unkostenbeitrag: 5 Euro
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Für die Veranstaltung am Abend im Atelier Colonia hatten
folgende Sprecher zugesagt: (Von KLAUSENS geordnete Reihenfolge)

1. Auftretender: Volker Bombien, Lektor beim O Reilly — Verlag über Arduino (Mikrocontroller-Programmierung) (vortrag, der am ehesten meine ursprünglichen erwartungen an das PECHA-KUCHA-projekt erfüllte: dazulernen, über dinge, die man sonst nicht kennt. hier ging es um kreative und einfache OPEN SOURCE anwendungen zum computern.)

2. Auftretende: Sheila Michelle Rieke (Fotografin) – Wanted Sheila (von oftmaligem selbstlachen unterbochene darstellung eigener projekte und fotos, teils sehr witzig, teils etwas zu „abgedreht“.)

3. Auftretender: Holger Beßlich — Die Inter-Rheinische Verständigung (freundlich und frisch vorgetragenes plädoyer für düsseldorf … bei den kölnern, alles im geiste gegenseitiger toleranz und ähnlichkeit, was dann in dem hinweis endete, man könne ihn als stadtführer in und für düsseldorf buchen.)

4. Auftretende: Jody Korbach – “Was weiss denn ich?! …gute Frage!” – Ein philosophisches TV Format für Kinder (charmant und klug vorgetragener wunsch einer frischabiturientin, ein projekt „philosophie für kinder“ ins fernsehen zu bringen. sie suchte unterstützer und sponsoren, um es wahr zu machen.)

5. Auftretende: Liane Thönnes — Protest – eine Anleitung (großartiges und phantasievolles projekt einer diplom-designerin. sie stellte ein hervorragend gestaltetes und ideenreiches buch vor, eine „PROTESTFIBEL“, wobei ich nicht recht wusste, ob es ein UNIKAT … für ewig … ist oder noch in druck gehen soll.)

6. Auftretender: Herr Mayer – Lust auf Mayer – Ein Kölner Musiker und sein Weg zu seinem ersten Konzert (siehe dazu: BLOG-EINTRAG und SERIELLO von KLAUSENS. „herr mayer“ bereitet sich durch viele kostenlose kurzauftritte tag für tag in kneipen, lokalen, museen et al, auf sein ERSTES konzert am 15.11.2009 vor. ein musiker zieht’s von null an durch, von ganz unten: den langen weg bis hin zum star.)

PAUSE

7. Auftretende (erste nach der Pause): Petra Eickhoff – Und immer wieder die Zeit (darstellung einer zukunftswerkstatt aus aachen, die sich im alternativ-gutbürgerlichen milieu bewegte, und das geordnete miteinander einer „zukunftsträumerei“ … z.b. von alleen, die nicht mehr zugeparkt sind … für solche doch sehr betont braven und besser situierten nachbarschaften fast schon als „insel der glückseligkeit“ rüberbrachte. einzige wirkliche innovation war der hinweis / vorschlag auf/für eine zu bauende SCHREIHALLE, der wohl aus einer zukunftswerkstatt entstammte.)

8. Auftretender: Matthias van den Berg – Schauspieler – Francois Villon. (er spielte als schauspieler einen text von villon, sehr intensiv, sehr schön, sehr kraftvoll, aber: die folien waren keine bildlichen impulse für das rede-spiel, sondern nur textliche beigabe einer schauspielvorführung.)

9. Auftretende: Sabine Schnitzler vom Gleich Magazin (man machte werbung für das magazin, die kölner mode-szene und die events, die aus dem kreis des magazins heraus in köln veranstaltet werden. zusätzlich zu den folien wurden symbole und elemente an holzstäben in die luft gehalten, die sich dann als schatten und somit zusätzliche verzierung der folien auswirkten.)

1o. Auftretender: Dr. Steffen Kepper – Pilot – Crashkurs – Pinchhitting in Aviation (fast schon slapstick-artiger vortrag zu vorkommnissen beim und ums fliegen, durchaus auch aus pilotensicht, bei dem man nicht wusste, was jeweils gewollt komisch und was ungewollt komisch war. schwarzer humor allemal. das publikum applaudierte bei ihm besonders stark. starker lacheffekt.)

11. Auftretende: Kai Mauracher et al. – 9 Jahre offene Bühne Kulturschock Köln – Experimentierfeld, Sprungbrett und Raum zur Selbstverwirklichung (vortrag von insgesamt 3 personen, die in form einer kurz-show samt fotos eines echten auftritts auf eine kölner transen-bühne namens „kulturschock köln“ hinwiesen, die regelmäßig im filmhaus, köln, maybachstr. 111 stattfindet.)

aha, und jetzt?

jetzt hast du schon etwas über PECHA KUCHA gelernt. es war ja immerhin schon die 5. nacht, also NIGHT, in köln. und in berlin gibt es das auch, da sind die schon weiter, also länger dran.

d.h. sie treffen sich, und dann kommen zehn oder zwölf oder vierzehn vortragende, und dann gehen sie wieder.

ja, es gibt keine preise, nur applaus, und nach den vorträgen ist die veranstaltung auch wieder zuende.

wirklich keine preise?

nein, nein, keine talentshow oder so, keine abstimmung, nur der reine applaus.

was heißt das „nur?“

das mögest du selber entscheiden. außerdem warst du ja dabei, weil klau|s|ens und zweitklausens doch stets gemeinsam auflaufen.

ist das so?

ja, ja, aber wer wollte unser weltumspannendes werk jemals in 20 x 20 sekunden hineinpressen, mit 20 folien zur unterstützung? wer?

klausens-collage-pecha-kucha-night-koeln-5-11-2009-atelier-colonia-koernerstr

ORIGINALVERSION mit Fettdruck und allen Bildern
und allen Links bei KLAUSENS BLOGG (mit 2 G !!!)
KLAU|S|ENS – LOG – W E L T L I N G
http://klausens.blogg.de

HOMEPAGE VON KLAU|S|ENS: http://www.klausens.com

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