Erneut besucht KLAUSENS den Heinrich-Boere-Prozess in Aachen

klau|s|ens, der boere-prozess geht weiter?

zum glück, zum glück: man befürchtet ja alles.

was denn?

krankheit … oder neue verfahrenstricks der verteidigung.

und?

ich bete: möge dieser prozess bis zu einem urteil und bis zum ende durchgeführt werden können!

wieso denn?

weil es darum geht, die dinge aufzuklären oder zumindest etwas aufzuklären … und die taten sollen gesühnt werden. jedes verbrechen soll gesühnt werden. mord sowieso.

lässt sich da denn etwas sühnen, wenn so viele NS-täter durch die fänge des gesetzes geschlüpft sind?

wenn es im leben keine gerechtigkeit gibt, heißt das nicht, dass man den anspruch auf gerechtigkeit aufgibt. außerdem: alle verbrecher, die jemals verbrechen noch begehen, zumal gegen die menschlichkeit … die müssen und sollen wissen: „man wird mich suchen, bis zum bitteren ende – und dann wird man mir den prozess machen!“

aber bei boere kam es doch gar nicht zu dem prozess. es gab anläufe, aber die deutsche justiz hat das zustandekommen des prozesses behindert.

das stimmt – um so wichtiger, dass er dann doch noch zustande kommt oder kam.

und alle die anderen täter?

es gibt immer „andere“, die der strafverfolgung entkommen. das leben kennt keine gerechtigkeit, bisweilen kennt das leben nur den aberwitz. es gibt sogar heutzutage noch morde, deren urheber nicht ausfindig gemacht werden. aber dennoch muss und wird in jedem einzelnen fall genau dieses versucht werden: aufklärung und bestrafung der täter.

und dann dürfen gerade in diesen tagen in aachen zwei schwerverbrecher entfliehen?!

das ist jetzt ein extra thema, zu dem man sich erst dann äußern kann, wenn die umstände klarer geworden sind. außerdem befinden wir uns im boere-prozess bei der thematik NS-kriegsverbrechen oder auch NS-verbrechen.

gibt er es denn zu? der heinrich boere?

bislang nicht!

na also!

gestern gab es eine persönliche erklärung.

und?

die las dann sein rechtsanwalt gordon christiansen vor – die war also aufgeschrieben worden. und darin ging es um einige biografische stationen.

und?

vieles war undeutlich, nicht sauber recherchiert … vieles wurde ausgeklammert.

die zeit von 1944?

ja, die ganze zeit, als die morde geschahen. zu alledem hörte man nichts. man hörte sowieso sehr wenig. er hat dann geschwister, er hat eine mutter, er meldet sich freiwillig zur waffen-SS, als niederländer in den niederlanden. (er kommt später zur ss-standarte „westland“, untegruppierung der waffen-ss-division „wiking“, an die ostfront, lemberg z.b., aber zuerst nach münchen-freimann und später nach heuberg zur ausbildung.) … aber das meiste wusste man ja schon.

was hattest du erhofft?

man erhofft immer, dass einer vollständig auspackt, alles erzählt … und auch alles bereut. das hofft man immer. und zwar, dass es von herzen kommt, nichts als taktische masche.

und?

von „auspacken“ kann gar keine rede sein, wenn die morde vollkommen ausgeklammert sind und die dargelegte biografie so viele unwägbarkeiten und lücken hat. allerdings sind wir immer noch quasi „am anfang“ des prozesses.  der angeklagte hatte aber gestern die möglichkeit, sich zur sache zu äußern.  jedoch: er sagte zu den tat-vorwürfen quasi nichts.

ist das nicht normal?

du meinst, weil herr boere schon 88 jahre ist. aber wenn er mit den anwälten zusammen etwas aufsetzt, oder wenn die es für ihn vielleicht sogar geschrieben und formuliert haben, dann muss zumindest so ein leben viel deutlicher werden. (auch wenn man sonst zu schweigen gedenkt.)

wurde es das nicht? deutlich? das leben?

mir leider nein: z.b. die ganze seltsame flucht aus dem kriegsgefangenlager. alles sehr dünn. dann die frage, wie lange er wo und wie in den niederlanden untergetaucht war und wann er genau und wie nach deutschland kam. in deutschland taucht er offiziell dann 1954 auf. und wieso er ohne problem als bergmann dann arbeiten konnte. und er hat dann einen 1955 antrag auf kriegsgefangenentschädigung gestellt. man höre: ein waffen-ss-ler wollte entschädigungsbezahlung erheischen. aber das ist am ende nur „menschlich“. ein jeder sucht lücken in einem system, und er versucht dann, sein leben daraufhin zu verbessern. aber genau das möchten wir alles viel genauer wissen. denn auch darin liegt der sinn eines solchen prozesses: aufarbeitung. neubeleuchtung der geschichte, gerade auch der post-NS-geschichte … und dann der umgang mit den tätern in der nachkriegszeit.

aber der skandal ist doch, dass er dann jahrelang unbehelligt als bergmann / bergarbeiter in deutschland leben und arbeiten durfte.

ja, es ist ein skandal. einer von vielen. aber das hilft uns heute nicht mehr weiter. heute müssen wir erst einmal aufklären, wie es zu diesem skandal überhaupt kommen konnte.

und dazu hat die einlassung oder erklärung des heinrich boere gestern nichts beigetragen?

ich würde sagen: eher nein. wir wissen kaum mehr, als wir nicht schon vorher wussten.

das tut mir leid.

das kann dir gerne leid tun, aber das ist ein problem, wenn die leibhaftigen zeugen fast alle verstorben sind, und wenn ein wichtiger zeuge (ein – schon verurteilter – mittäter von einst) nicht mehr vor gericht erscheinen will, weil er fürchtet, dass sich sein eigenes leben durch diese neue öffentlichkeit des falles dann wieder verschlechtert. (z.b. weil die menschen ihn ausgrenzen oder beschimpfen).  also: es gibt so viele fußangeln und fallen und hemmnisse, dass man sich durch alte akten und berichte und urteile quälen muss, um dann zu entscheiden, wer hat wo mehr recht … was ist glaubwürdiger, was weniger glaubwürdig. so ein verfahren ist immer schwierig.

was ist denn so komplex daran?

da gab es beispielsweise die sache, ob er nach der rückkehr von der ostfront auch mal als zählerableser gearbeitet hat, in den niederlanden. circa 1943.

und?

man weiß es nicht. in alten befragungen /dokumenten taucht es auf, jetzt aber – in der erklärung, die der anwalt vortrug – ist davon keine rede (mehr). ich könnte noch viele beispiele aufzählen. da müsste mal ein echter ermittler oder rechercheur ran, oder ein guter detektiv. oder ein begabter historiker. oder alle zusammen. denn: diese biographie ist immer noch löchrig … wie ein schweizer käse.

schweizer?

ja, denn niederländischer gouda-käse passt bei „löchern“ nicht so gut.

schreibst du denn noch LIVE-gedichte?

ja, ich schreibe weiterhin auf, was mir einfällt, was mir zukommt, was auf mich eindringt, alles das, zweitklausens – aber: es sind ja immer wir beide, die die dinge aufschreiben: http://www.klausens.com/klausens-beim-boere-ns-kriegsverbrecherprozess-in-aachen.htm

ob die nachwelt das dann mal zu würdigen weiß?

ist das so wichtig? solange wir unsere pflicht tun?

sag mal, haben das nicht schon ganz andere gesagt: „wir taten nur unsere pflicht!“???

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