Zur Münchener Enge beim Demjanjuk-Prozess schreibt KLAUSENS

klau|s|ens, der auftakt des demjanjuk-prozesses in münchen muss für presse und besucher „der horror“ gewesen sein. (man entschuldige das wort in diesem zusammenhang!)

wegen der thematik?

das sowieso – aber allein schon die organisation.

was war denn?

die waren engst eingepfercht und kamen gar nicht rein. manche sollen 4 stunden draußen gestanden haben, eng, ohne platz, angstvoll.

das war in münchen?

sicher, und es waren auch noch nachkommen der opfer dabei, angehörige, die als nebenkläger auftreten.

das ist ja vollkommen unwürdig!

eben: man hat bayern oft seltsam in sinn: obrigkeitsstaatlich, eng, autoritär, schwarz, rechts, polizeibesessen.

und so scheint es jetzt wahr zu werden.

genau: denn das landgericht steht zwar in münchen, aber die justizverwaltung gehört ja zum land.

dann hat bayern aller welt gezeigt, wie die deutschen sind.

ja, die deutschen sind unfähig, weil sie unflexibel sind. sie können nicht mit einer besonderen situation umgehen.

welche denn?

dass es 300 voranmeldungen gab, allein von der presse – ich weiß gar nicht, ob die alle akkreditiert wurden.

und?

der gerichtssaal ist viel kleiner.

ist das so?

sicher – und dann gibt es ja noch 25 nebenkläger, da sind nicht nur die anwälte da, sondern auch die nebenkläger selbst.

und die mussten alle dann eingeklemmt anstehen?

aber ja – ich habe davon gehört und gesehen: ich finde das unglaublich.

so zeigt sich deutschland in aller welt?

aber ja: man hat fast den eindruck, hier war ein theaterregisseur wie schlingensief aktiv: er wollte einfach noch einen resthauch von angst und panik vermitteln, um noch einen resthauch des schreckens an die wartenden da, vor dem prozess, weiterzugeben.

was du immer denkst!

ich denke immer schräg und quer und geradeaus. dennoch: bayern hat sich total disqualifiziert.

vielleicht haben sie es auch extra gemacht, damit nicht alle von den wohlorganisierten deutschen reden … und von der todesmaschinerie, die nur so in deutschland durchgeführt werden konnte: sauber, geplant, ordentlich, minutiös. – widerlich!

ach, wenn es doch nur etwas davon stimmte. im kern ist es ein versagender obrigkeitsstaatlicher, dümmlicher apparat, der immer dann versagt, wenn dieser apparat neu gefordert wird. man erinnert sich voller wut an alle diktaturen der welt. sie funbktionieren, aber immer falsch, und immer gegen die menschen.

eine schande war das gestern jedenfalls.

eine große schande – und man kann es keinem journalisten verwehren, dazu die entsprechenden worte über das „deutsche wesen“ zu finden.

wobei es sich doch gestern so ineffizient zeigte. vielleicht müsste man sich auch darüber freuen, angesichts unserer grausam-perfekten geschichtsperformance.

wenn aber selbst alte menschen, KZ-überlebende, durch das eingepferchtsein in münchen am landgericht verhöhnt werden? kann das noch irgendwie gut sein?

nein, nein: schande über bayern und seinen justizapparat.

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