Tagesarchiv: Dezember 12, 2009

Den „Lesungen“ beim Prozess gegen den NS-Kriegsverbrecher Heinrich Boere lauscht KLAUSENS

klau|s|ens, der prozess läuft ja immer noch.

aber sicher, denn jetzt wollen wir etwas von den hintergründen der taten wissen. der taten, die morde waren.

und was machen die dann aktuell im gericht?

sie verlesen (derzeit) alte protokolle. und verhöre. und sterbeurkunden. und auskünfte.

dann hattest du gestern eine „lesestunde“.

ja, und man hört ganz genau zu. denn wenn da andere SS-täter vernommen werden bzw. wurden, z.b. unmittelbar nach kriegsende, und sie erzählen dann von den verbrechen … das ist schon irgendwie „aufregend“.

wie ein krimi?

nein, es berührt einen, wie die taten stattfanden, und wie sie losfuhren, und wie sie schossen, wie das alles aus diesen vernehmungsprotokollen hervorgeht.

wieso denn?

weil es wie ein puzzle des grauens ist. und nun wird alles plastisch.

wer liest denn?

die richter haben sich abgewechselt. leider sind es keine ausgebildeten sprecher. leider lesen sie oft zu schnell oder zu unverständlich oder zu leise. schade.

warum denn?

ich vermute, weil sie die texte schon alle gelesen haben.

aber?

die zuhörer im saal … die brauchen die klare und ruhige und verständliche lesung aller dieser texte. denn die (also wir) haben ja nichts davon schriftlich.

dann ist das gericht also ort einer „lesung“.

aber ja – und ich kann nur jedem empfehlen, sich solche lesungen anzuhören. man sollte solche lesungen auch außerhalb der gerichte machen.

was sollte man lesen?

man sollte „akten des schreckens“ verlesen. alle solche protokolle, wo täter … und wo – überlebende – opfer berichten, was da geschehen ist.

sind die berichte denn alle wahr?

das ist ja die nächste frage. wenn nach dem krieg die leute verhört wurden, dann hat den text wahrscheinlich der zuständige verhörer aufgeschrieben. denn diese texte sind ja immer auch eine verdichtete zusammenfassung von vielleicht stundenlangen interviews und gesprächen und befragungen.

meinst du?

der text ist immer weniger … aber dichter als das verhör.

und nun?

nun hört man, was der täter A sich dachte oder von sich gab, und was der täter B sich dachte oder von sich gab.

und dann?

dann fragt man sich, ob alles auch stimmt. was gelogen ist. was schutzlügen sind, und alles das.

und? was hast du bemerkt?

man kann sich aus diesen berichten schon einiges zusammensetzen. die haben da sehr vieles zugeben. überraschend viel! warum eigentlich? hat man ihnen dann verminderte strafen angeboten? 1945 und 1946? z.b. hat henk kromhout da morde zugegeben. und der hat ja auch mit boere zusammen menschen umgebracht. und dieser kromhout ist ja auch verurteilt worden, für die taten.

wielange war der denn in haft?

der bruder sagte mal etwas von „16 jahren“ – der muss dann auch später nach spanien gegangen sein … und sich niemals mehr in den niederlanden polizeilich gemeldet haben.

und verhörprotokkole von dem wurden verlesen?

ja, unter anderen. und du hörst davon, was geschah. und alles ist sehr nüchtern beschrieben. da sind keine gefühle in den texten. es sind nüchterne abläufe des geschehenen. angefangen von der anwerbung zur feldmeijer-truppe bis hin zu zusammenkünften … bis hin zu den taten.

und alles ist erzählt.

nein, eigentlich sind solche texte nur noch fetzen der realität, aber wenn man es von mehreren leuten hört, dann setzt sich das bild im kopf zusammen. es sind filme, wie sie da zu fünft in einem auto fahren, wie sie nummernschilder tauschen, wie sie leute im haus oder an einem kanal oder woanders erschiessen. ganze filme laufen da ab.

und du möchtest, dass solche „lesungen“ nicht nur im gericht stattfindem?

ja, ich würde es begrüßen, wenn man aus den akten sich gezielt dinge zusammensuchen könnte und würde sie dann verlesen.

wo denn?

z.b in sommeren und asten in den niederlanden. da haben die SS-täter am 14.8.1944 die bürgermeister abgeholt, weil sie die auf einer liste hatten. und die wurden erschossen. ich finde, die leute dort sollten genau wissen, was geschah. oder zumindest: so genau es geht.

und?

überall in deutschland und in den niederlanden sollten solche lesungen stattfinden. lesungen aus akten des schreckens. aber auch lesungen von berichten von opfern, die diesen schrecken überlebt haben.

und dann?

dann haben wir aufwühlende abende, die alles andere, was man als „lesungen“ so kennt, in den schatten stellen. vielleicht wir dann der gedanke des „nie wieder!“ wieder erweckt und bekräftigt.

das findest du?

ja, das finde ich … und dazu stehe ich. macht lesungen!

und zu unseren LIVE-gedichten vom prozess? KLAUSENS BEIM HEINRICH-BOERE-NS-KRIEGSVERBRECHERPROZESS IN AACHEN http://www.klausens.com/klausens-beim-boere-ns-kriegsverbrecherprozess-in-aachen.htm

dazu stehe ich auch, denn auch sie erfassen facetten dessen, was geschieht. was heute mit „dem damals“ geschieht. im landgericht zu aachen. im prozess gegen heinrich boere, der 3 unschuldige „deutschfeindliche“ menschen 1944 ermordete … und das auch gestanden hat.

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