Tagesarchiv: Februar 3, 2010

Über „Ein Star für Oslo“ spricht KLAUSENS

klau|s|ens, gestern war wieder casting. „ein star für oslo“.

wir leben in der welt des castings. und des coachings. zumindest im fernsehen stellt es sich so dar.

und wie war diese sendung?

du meinst „ein star für oslo“? – ich würde sagen: fair.

du stellst es heraus? das „fair“? ist es nicht selbstverständlich?

ja, man muss das herausstellen: es ging ohne schimpfen und „fuck“ und „scheiße“ und „alles müll, was du machst“.

sie kamen ganz ohne aus?

ja, stefan raab und marius müller-westernhagen und yvonne catterfeld waren sehr nett, sehr anständig … und es funktionierte!

das ist doch positiv!

das will man meinen. stefan raab war zart wie ein lamm.

das wundert dich?

oh ja, er lebt von der verarsche von leuten, indem er menschen vorführt. er benutzt menschen in abscheulichster form, um dann mit denen und auf deren rücken witze zu machen.

raab hat also kein gewissen?

das ist es ja: mal ist er ein schwein per se … und dann das lamm an sich. er ist vollkommen wechselhaft. wir finden dieses phänomen auch bei leuten wie schmidt und pocher: sie machen, das was sie machen. sie können die menschen in widerlichster manier benutzen. und sie können ganz brav sein und den traumschwiegersohn in allen lebenslagen spielen. (pocher wird sogar mit der frau zusammen vater, die er vorher abgrundtief vollkommen respektlos vor aller welt im fernsehen mehrfach runtermachte. dieser hydra-typus mensch kommt aus den medien hervor.)

das wirfst du raab vor?

ja, das werfe ich ihm vor. man merke auf: hitler konnte auch kinder streicheln. natürlich gerne für die kameras. jeder diktator hat diese struktur: er kann bisweilen sogar weich und zärtlich sein, doch man weiß nie, wann er zuschlägt und sich den begierden seiner dunklen seele hingibt. diktatoren sind grausam, und manchmal süß.

dann wäre raab ein diktator?

nein, aber diese strukturen erkenne ich an ihm wieder. dieses „sowohl … als auch“. je nachdem, wie er lust hat. menschen werden instrumentalisiert, aber es kann auch mal anders sein.

aber er war doch gestern lieb!

genau das beweist ja, wie unberechenbar dieser menschentypus ist.

wow!

das muss doch mal gesagt werden. schon morgen kann er wieder eine hausfrau in einen videoclip hineinschneiden, den er dann in hunderte(n) von sendungen einspielt, um diese person zu demütigen. (das machte er auch gestern schon wieder, bei „TV TOTAL“ mit der fürsorglichen mama, die die vielen kinder hat … oder betreut.)

aber gestern war es doch – in der sendung „ein star für oslo“ zumindest – anders.

deshalb stelle ich das ja auch raus. genau deshalb. vielleicht ist die sendung so konzipiert: wir machen das ernsthaft, wir beschäftigen uns mit musik … und wir wollen keine quote durch demütigungen und beleidigungen und verfluchungen.

wie z.b. dieter bohlen.

diese leute bestimmen maßgeblich das umgangsklima in unserer gesellschaft. was abends beim casting passiert, wird morgens in schule und betrieb nachgemacht.

dann bist du über gestern also doch eher glücklich.

ja, trotz der gefährlichen struktur von stefan raab als person und moderator. catterfeld und müller-westernhagen haben ihn eingebremst, aber offensichtlich gehört es zum konzept der sendung: keine ausfälle, nur anstand. musikkritik, keine personenruntermache.

dann sind wir also glücklich über diese soziale meistervorbildsleistung … und die feine musik!

gewiss, und gestern waren ja tolle sachen zu hören, auch von einer großartigen band namens „heavytones“. wirklich klasse.

fiel dir was auf?

ja, manche lieder/songs/künstler/sachen hörten sich am fernsehen nicht so superdoll an, während sie im studio gelobt wurden. es herrscht also im studio eine andere akustik als zuhause. das studio lässt „falsches singen“ als richtig erscheinen, am fernseher ist es anders.

willst du namen nennen?

nein das ist nicht nötig. (ich fand es auch unpassend, dass die 3 juroren namen von sängern/sängerinnen nennen sollten, die vielleicht ausscheiden oder „es schwer haben“. das war ein rückgriff zum ungeist … und völlig unnötig.)

und sabine heinrich?

großartig. eine entdeckung fürs fernsehen, nachdem sie im radio immer schon gut war.

dann können wir feiern und tirilieren?

nein, denn es gibt das übliche: diese werbeunterbrechungen, wenn man auf ergebnisse wartet. dann dieses langweilige auto, was man angeblich gewinnen kann, während wir tausende von SMS schreiben, die den wert des autos mehrfach überbieten.

und was noch?

wenn man eine SMS geschrieben hat, wird man sofort neu in eine falle gelockt. die welt ist voller bosheit und voller fallen.

in eine falle?

ja, man soll dann nochmals teilnehmen an einem gewinnspiel … und dann verkauft man sich.

wieso?

lies doch den text. es bedeutet meiner interpretation nach: hiermit gebe ich mein handy für alle zeit für alle werbeanrufe frei.

so liest du das?

leider ja.

„Unser Star für Oslo sagt Danke! Jetzt gratis Gewinnchance auf 1 Million Euro? Antworten Sie mit GEWINN! (max 20 Cent/SMS). Unser Partner Lucellum ruft Sie an.“

böse sei die welt, oder zumindest hinterhältig, oder zumindest unberechenbar. (ich hätte übrigens nie gedacht, dass du eine SMS für so eine abstimmung schickst.)

ich auch nicht, aber ich wollte mal den raab’schen willkür-effekt am eigenen leibe (und geldbeutel) erleben. wenn ich bock habe, schicke ich sogar eine sinnlos-SMS.  ich bin auch „mister willkür“.

ach: ich hoffte, du hättest die SMS nur geschickt, um heute stoff für deinen eintrag hier zu haben.

so kann man sich täuschen. der mensch ist eine einzige enttäuschung … mit seltenen highlights.

und dein „light“?

ein schnelles klausensisches LIVE-gedicht, gestern, parallel zur sendung: EIN LIED FÜR OSLO. http://dichtblog.blogg.de/eintrag.php?id=207

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