Tagesarchiv: Mai 23, 2010

Die Zersiedelung am Rhein in Königswinter z.B. wie im Lemmerzpark beklagt KLAUSENS

klau|s|ens, die abrissbagger sind da oder waren schon da.

und dann wird neu gebaut.

aber dichter. (also dichter im sinne von enge, nicht dichter im sinne von poet.)

und zudem zersiedelter.

das passiert jetzt in königswinter.

es passiert am rhein (rheinallee) auf dem gelände des lemmerzparkes.

aber man liest nichts davon.

es geht um geld. dazu haben sie die ältere villa, die dort stand, zertrümmert.

und dann?

dann werden viele wohnungen statt der einen villa entstehen. und das bringt geld.

so tickt die welt.

die welt baut sich zu, um des geldes willen.

das gefällt dir nicht.

nein. zumal: „lemmerz“ ist für königswinter ein historisch bedeutsamer name. das war der große, bekannte unternehmername von königswinter. mit solchen historischen nachlassenschaften muss man sehr vorsichtig umgehen.

du meinst „hayes lemmerz„?

so ist der name des amerikanisch ein- oder aufgekauften unternehmens heute. („we keep the world rolling.“)

auf der website von HAYES LEMMERZ steht zur geschichte:
### HISTORY
1919 Start of wheel production in KON
1924 First serial production for Opel
1946 Foundation of „Südrad“ by Paul Lemmerz/ Louis Schuler
1960 Foundation of the Spanish subsidiary „Lemmerz Espanola S.A.“
1968 Foundation of the Brazilian subsidiary „Borlem S.A.“
1978 Start of alloy wheel production in Belgium and Netherlands
1991 Joint Venture in Thailand
1992 Joint Venture in Turkey
1997 Fusion with the North American Hayes Group
„Hayes Lemmerz International“
„Hayes Lemmerz Werke GmbH“ located in Königswinter (including Holding, Sales&Marketing, Project Development + Test Center, Tool Design) ###

was du alles liest!

eigentlich waren es mal 3 brüder namens johann, franz und simon lemmerz. und die begannen mit der produktion von autofelgen. (das lemmerz freibad in königswinter ist ja auch eine stiftung von lemmerz. hier von paul lemmerz. 1953. das war der sohn von johann lemmerz, nach welchem die grundschule benannt ist. du siehst: eine kleine unternehmerdynastie im kleinen königswinter.)

Zu Johann Lemmerz ein NDB-Artikel = „Neue Deutsche Biographie“ – (im internet: „deutsche biographie“ [Onlinefassung]) – abgerufen heute, 23.5.2010:

Lemmerz, Johann
Kaufmann, * 10.1.1878 Königswinter, † 2.8.1952 Königswinter.

Genealogie

V Peter (1841–92), seit 1870 Fabr. feuerfester Steine in K., S d. Backofenbauers Joh. Adam in K. u. d. Christine Giering; M Gertrud (1854–1925), Fahrradhändlerin in K., T d. Daniel Wäscher u. d. Sibylle Stockhausen; B Simon (1885–1967), Medianiker u. Automatenbauer; – # Königswinter 1904 Katharine (1878–1976), T d. Kaufm. Jacob Herkenrath in K. u. d. Anna-Maria Herfeld; 1 S, 1 T , u. a. Paul (s. 2).

Leben

Angeregt durch die Kleinwagenbauer Max Cudell in Aachen und Albert Falke in Mönchen-Gladbach, die beide 1899 begonnen hatten, baute L. 1904 zusammen mit seinen beiden Brüdern in Königswinter ein zweisitziges Automobil mit De Dion-Motor. Dieses Automobil war 1905 in der ersten Zuverlässigkeitsfahrt durch die Eifel erfolgreich. Die Brüder bauten danach noch etwa 20 Wagen, die L. verkaufte. Als aber 1906 eine vorübergehende Flaute im Absatz leichter Wagen einsetzte, sahen sich L. und seine Brüder gegenüber den größeren Automobilherstellern überfordert. Sie wandten sich dem Bootsbau zu und gründeten 1907 die „Bootswerft Oberkassel Lemmerz & Co“. Hier bauten sie Personenfähren, Ausflugsboote und private Motoryachten, die letzten 1914. Während des 1. Weltkriegs lieferte L. bereits Produkte der allgemeinen Metallindustrie und benannte die Firma in „Rhein. Metall und Motorboot-Industrie Lemmerz & Cie KG“ um. In ihr waren seine Brüder die Techniker, L. der kaufmännische Prokurist. Als 1919 in Deutschland großer Mangel an Autoreifen herrschte, stellte L. die ersten Felgen für amerikan. Reifengrößen her. Bald mußte er zehn Hilfskräfte einstellen. 1920 konstruierten L.s Brüder eine Walzmaschine und eine Presse, um Radfelgen und -schüsseln selbst fertigen zu können.

Das Geburtsjahr des Lemmerz-Rades war 1921, als L. auf der ersten deutschen Automobilausstellung nach dem 1. Weltkrieg in Berlin ein ganzes Programm genormter Felgen in abnehmbarer oder geteilter Ausführung, dazu schon Scheibenräder für Kleinautomobile vorstellte (statt der bisherigen Drahtspeichenräder). Er setzte damit auf formgepreßte Blechfelgen und Blechräder, denn diese versprachen, ein billiger, pflegeleichter Massenartikel für viele Arten von Motorwagen zu werden. L. rechnete sieh in diesem Geschäft Lieferchancen aus, da 46 Pkw- und 21 Lkw-Firmen auf dem Markt waren, die keine eigenen Räderfabriken hatten. Am Güterbahnhof von Königswinter errichtete er 1921 seine erste Werkshalle. Während sich seine Brüder 1923 selbständig machten, erhielt L. den ersten Großauftrag; er sollte die Einscheibenräder für den Opel „Laubfrosch“ liefern. Seitdem blieb er Hauptlieferant von Opel und nannte seine Firma „Autofeigen-Walzwerk und Räderfabrik Lemmerz & Cie.“ Als die Continental-Gummiwerke 1923 den Riesenluftreifen einführten, begann L. 1925 mit der Fertigung von Stahlblech-Felgen für Lkw und Omnibusse. Den Rückschlag für die deutsche Automobilindustrie 1926 überstand er mit 15 Arbeitskräften. Inzwischen überwog die formgepreßte Stahlblechscheibe als Automobilrad mit Anteilen von 52 % bei Pkw und 42 % bei Lkw.

L. war maßgeblich daran beteiligt, daß 1928 der deutsche Lkw auf Luftreifen umgestellt war. Als sich 1929 die Drahtseilreifen an Stelle von Wulstreifen durchsetzten, antwortete L. 1931 auf die Sicherheitsfelge der Firma Kronprinz mit dem sehr einfachen, zweiteiligen Scheibenrad seines Sohnes Paul (DRP 573 263). 1929 begannen die Auslandsaufträge, die den Durchbruch für L.s Firma auf dem internationalen Rädermarkt und den Aufstieg vom Handwerks zum Industriebetrieb bedeuteten. Er wandelte sie in eine GmbH um und errichtete ein größeres Gebäude, in dem er Räder für amerikan. Wagen produzierte. 1931 lieferte er eine größere Menge Lkw-Räder in die Sowjetunion. Aufgrund der internationalen Aufträge konnte er trotz der Weltwirtschaftskrise Ende 1933 180 Personen beschäftigen. Als dann ein allgemeiner Aufschwung im Automobilbau begann, hatte L. vorgesorgt und sein Werk weiter vergrößert. 1934 unternahm er zusammen mit seinem Sohn die erste Reise nach den USA zum Studium der dortigen Räderfabriken. 1935 war L. bereits bedeutendster deutscher Räderhersteller nach Kronprinz in Solingen und Hering in Ronneburg (Thüringen). Er nahm die Fertigung von Rädern mit Tiefbettfelgen für Traktoren auf und rundete damit sein Räderprogramm ab.

Im 2. Weltkrieg erweiterte er sein Programm auf Rollen und Räder für Kettenlaufwerke. 1944 mußte er die Fabrikation nach Ingelbach im Westerwald und Wunsiedel im Fichtelgebirge verlagern, während das Stammwerk
durch Fliegerbomben und Artilleriefeuer beschädigt wurde und mit nur noch 100 Mann arbeiten konnte. Nach Kriegsende übergab er die Firma seinem Sohne Paul;
der Stadt Königswinter, deren Stadtrat er seit 1930 angehörte, schenkte L. ein Grundstück zur Errichtung einer neuen Volksschule. – Ehrenbürger v. Königswinter (1950).

Literatur

Echo d. Siebengebirges 86, 1952, Nr. 32 (P); G. Jülich, Die Gebr. L., ebd. 1969 v. 13.9. S. 3-5; H. Woltereck, Von 4-12 Zoll, in: Motor-Revue 1956, H. 20, S. 75-80 u.
96; Mitt, v. Dr.-Ing. Hans Falkenreck.

Portraits

Gem. v. W. Stucke, 1950 (im Bes. d. Firma).

Autor Hans Christoph Graf von Seherr-Thoß

Empfohlene Zitierweise
Hans Christoph Graf von Seherr-Thoß, „ Lemmerz, Johann“, in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 188-189 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/artikelNDB_pnd136612040.html
23. Mai 2010 um 11:02:31 Uhr CEST
© Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften

aber seit wann liebst du die unternehmer und deren schamlose bereicherung an gelände und grundstücken und parks? das versucht der asbeck von solarworld doch derzeit auch: überall land unter den nagel reißen … und es dann privatgierig der gemeinschaft entziehen. (zum glück ist er gerade in remagen gescheitert.)

ich weiß, was du meinst. andererseits sind heute viele dieser historischen parks von industriellen und kapitalisten gigantische naturschutzgebiete im kleinen. man muss die geschichte immer dialektisch sehen. außerdem ist ja die frage, wie man mit diesen parks umgeht. ich erinnere an die „villa carstanjen“ auf der anderen rheinseite, wo derzeit die UN drinsitzt.

und was meint das?

wut im falle königswinter. warum reißt man nun in königswinter die lemmerz-villa ab und bebaut alles dicht? wollten die nachgeborenen ihr erbe versilbern? ohne rücksicht auf die gemeinschaft? was sagt überhaupt das baurecht zu so einer umwidmung? – und natürlich hängt die sparkasse da drin: diesmal die kreissparkasse köln. die KSK. („wohnen im lemmerzpark“)

die wollen eben geld machen.

alle wollen geld machen. aber welche regeln gelten? was ist noch schützenswert? wieviel welt bleibt uns? wann ist noch nicht alles zubetoniert?

du klagst, als sei königswinter die herrlichkeit der reinen natur. und du redest wie dieser bekannte indianeraufkleber, wonach man geld nicht fressen kann.

herrlich unberührt? das ist königswinter lange nicht mehr. aber königswinter ist (noch) nicht köln. will sagen: der grad der besiedlung ist noch ein ganz anderer. und es gibt viele stellen noch, wo man die idee des wortes „natur“ noch nacherahnen kann. aber königswinter wird dennoch hemmungslos zersiedelt. auch in den berggebieten mit ewig neuen sinnlosen eigenheimen, die keiner will … außer denen, die dort einziehen, nachdem noch mehr natur entwidmet wurde.

niemand protestiert!

ich las im konkreten fall lemmerzpark nichts dazu. es ist schrecklich, dass jetzt aus der einen und einzigen lemmerzvilla im lemmerzpark 64 wohneinheiten entstehen sollen.

und das sind ja auch 64 miet- oder kaufparteien mit eventuell 64 autos. oder bei zweitwagen gar 128 autos.

das ist dann noch ein zusätzlicher gedanke: das rheinufer wird weiter verbaut und zersiedelt und zerstört – und zusätzlich wird noch mehr verkehr abgewickelt, in diesem einst mal beschaulichen königswinter.

da steckt doch bestimmt die CDU-mehrheit hinter!

ich mache das alles nicht so einfältig an den parteien fest. aber es gibt gewiss eine beziehung von kreissparkasse und bauwelt und CDU. das ist gewiss. die wollen ja auch ein neues rathaus durchpeitschen. eine ganz seltsame clique, die CDU-clique von königswinter.

erinnere dich an die bebauung der sumpfwiesen!

auch das – und dann war noch dieser TANDEM-verlag, der auch am rhein bauen sollte, neben dem straßenbahnbogen. der aber hat sich jetzt (zum glück? für die rest-natur?) nach potsdam verzogen.

überall lauern interessen. und das kapital!

ja: aber ich finde es zudem skandalös, dass ich auch keinerlei proteste höre oder sehe oder vernehme. vielleicht bekomme ich nicht genug mit, von der welt.

wo bleibt der heimatverein von königswinter?

ja, genau der: HEIMATVEREIN SIEBENGEBIRGE e.V. KÖNIGSWINTER mit heinrich blumenthal als vorsitzendem.

den sehe ich so oft in der zeitung, mit fotos, und ehrungen, und präsentationen.

warum sagt der heimatverein nichts zu alledem?

und das, wo man mal im siebengebirge einen „nationalpark siebengebirge“ haben wollte, der dann auch an „interessen“ gescheitert ist.

dennoch wird rund um die einst geplante nationalparksgrenze hemmungslos alles dichtgebaut und dichtgebaut und dichtgebaut.

zum glück gibt es autoren, dichter und künstler …

… die ihren klagenden zeigefinger in jede bauwunde und jeden zersiedelungsanschlag von königswinter legen …

… damit später, wenn ganz königswinter eine betonplatte geworden ist, die historiker von diesen kühnen warnern noch berichten können.

vielleicht benennen sie auch mal eine grundschule nach uns. die „klau|s|ens-zweitklausens-natur-gedenk-grundschule“.

mensch, denk doch mal nach: die würde aber dann auch extra für uns ganz neu gebaut!

umso besser: „natur“ ist und bleibt sowieso in zukunft ein ewigliches gerücht.

ORIGINALVERSION mit Fettdruck und allen Bildern
und allen Links bei KLAUSENS BLOGG (mit 2 G !!!)
KLAU|S|ENS – LOG – W E L T L I N G
http://klausens.blogg.de

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