Monatsarchiv: Juni 2010

klau|s|ens ist des fußballs überdrüssig

klau|s|ens, du bist also des fußballs überdrüssig?

ja, sicher, wenn man dann sein siebtes oder achtes spiel geguckt hat (ich gucke ja gar nicht alle), dann denkt man: was soll der ganze popanz überhaupt?

woher kommt das?

es ist immer das gleiche. scheinbar das gleiche.

was meint das?

die meisten spiele sind langweilig oder schlecht. man schaut hinein und wird nicht berührt, auch nicht inspiriert.

und dann?

dann will man nicht mehr gucken und schaltet ab oder geht weg. sinnlos vertan wäre die zeit!

aber so ist das fußballerleben.

das ist ja das erstaunliche: da gibt es menschen, die schauen andauernd fußballspiele, aber nur 5% sind vielleicht spannend. der rest ist langeweile und das hoffen, dass ein spiel gut oder brisant wird.

gestern hat sich der herr netzer auch so beklagt.

das war das spiel japan-paraguay. das war ganz, ganz schrecklich.

wie das leben: nur 5% ist spannend.

bei mir ist aber ein überdruss an fußball nun da.

was willst du dagegen machen?

nichts! – es ist doch schön bestimmter unnützer dinge überdrüssig zu sein. ich brauche den fußball nicht.

wieso?

dann hat man zeit für die „nützen“ dinge.

zum beispiel?

man kann dann ganz in ruhe vor sich hinzeichnen.

was hast du gezeichnet?

ein kunstwerk mit dem titel „no fussball“.

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KLAUSENS schlug Deutschland schlug England

klau|s|ens, deutschland hat gewonnen. 4:1.

es ist doch alles nur ein spiel.

da gab es ein tor für england, was nicht gewertet wurde, also ein umgekehrtes zitat von wembley, 1966.

ich weiß: damals war ein tor nicht drin, wurde aber für england als drin gewertet.

diesmal war ein tor drin, wurde aber für england nicht drin gewertet.

es ist doch alles nur ein spiel.

deshalb auch deine komische überschrift.

aber ja.

ich verstehe.

ich fand es grausam, was in england wieder alles geschrieben wurde: da kommt wieder der „fritz“, der stahlhelm, hitler, der krieg, die wehrmacht, die SS, die SA … und was alles an deutschen untaten gibt … völlig unfassbar im zusammenhang mit einem fußballspiel erneut zur geltung. völlig überzogen.

dann ist wirklich alles nur ein spiel?

aber ja.

und dein komisches flaggenkunstwerk. ist das rote nicht eventuell blut, was da fließt?

du hast recht, ja, ja, deutschland-england führt bei mir sofort zu der konnotation von „blutgrätsche“.

das ist ja grausam.

ich weiß, ich weiß, aber es findet so statt. ich weiß mir da nicht zu helfen. das ist tiefenpsychologisch.

ich verstehe. und dennoch meinst du, alles sei nur spiel?!

ja, ja, ich meine es, doch tief im innern wohnen kräfte, die man nicht bezähmen kann. da ruft das wort „blutgrätsche“.

dann hätten die englischen zeitungen ja am ende recht.

das haben sie, ja, ja. das haben sie.

ein gedicht?

o.k., ein gedicht. LIVE geschrieben, als das tor gefallen war, was den engländern aber nicht als tor anerkannt wurde.

das tor zum 2:2.?

wenn es denn anerkannt worden wäre. es blieb ja beim 2:1 für deutschland. also das gedicht:

SCHICKSALSSPIELERKENNTNIS

Ich sah das zweite
Wembley-Tor in
Bloemfontein nun
Anders aber doch
Drin nicht drin
War’s auf alle Fälle
Ein Ball der besten
Dramaturgenschickeria

LIVE geschrieben am 27.6.2010, im Biergarten der Halbinsel Grafenwerth in Bad Honnef am Rhein, 27.6.2010, Sonntag, gegen 16:40 Uhr, unmittelbar nach diesem Nicht-Doch-Tor, circa 39. Spielminute.

Spielbericht / Zusammenfassung

Deutschland

Aufstellung:
Neuer
Lahm
Mertesacker
A. Friedrich
Boateng
Khedira
Schweinsteiger
T. Müller
Podolski
Özil
Klose

Einwechslungen:
72. Gomez für Klose
72. Trochowski für T. Müller
83. Kießling für Özil

Reservebank:
Butt (Tor)
Wiese (Tor)
Badstuber
Aogo
Tasci
Jansen
Kroos
Marin

Trainer:
Löw

England

Aufstellung:
D. James
G. Johnson
Terry
Upson
A. Cole
Lampard
Barry
Milner
Gerrard
Defoe
Rooney

Einwechslungen:
64. J. Cole für Milner
71. Heskey für Defoe
87. Wright-Phillips für G. Johnson

Reservebank:
Green (Tor)
Hart (Tor)
M. Dawson
Carragher
Warnock
King
Carrick
Lennon
Crouch

Trainer:
Capello

Tore & Karten
Torschützen
1:0
Klose (20., Rechtsschuss, Neuer)
2:0
Podolski (32., Linksschuss, T. Müller)
2:1
Upson (37., Kopfball, Gerrard)
3:1
T. Müller (67., Rechtsschuss, Schweinsteiger)
4:1
T. Müller (70., Rechtsschuss, Özil)

Gelbe Karten
Deutschland:
A. Friedrich
(1. Gelbe Karte)
England:
G. Johnson
(2. Gelbe Karte)

Anstoß:
27.06.2010, 16:00 Uhr
Stadion:
Free State
Zuschauer:
40510 (ausverkauft)

Offizielle
Schiedsrichter: Jorge LARRIONDA (URU)
Schiedsrichterassistent 1: Pablo FANDINO (URU)
Schiedsrichterassistent 2: Mauricio ESPINOSA (URU)
Vierter Offizieller: Martin VAZQUEZ (URU)
FOF: Miguel NIEVAS (URU)

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Eine Deutschlandfahne mit HARIBO-Aufdruck sieht verwundert KLAUSENS

klau|s|ens, was hast du wieder seltsames entdeckt?

ich sah eine deutschlandfahne.

die sieht man in diesen tagen allüberall.

aber diese deutschlandfahne hatte einen werbeaufdruck oder -eindruck. sie war auf einer autotür, offenbar aufgeklebt.

welchen werbeaufdruck hatte die denn?

den von der bonner süßwarenfirma HARIBO.

und was denkst du nun?

ist das erlaubt? ist nicht unsere flagge als symbol besonders geschützt?

du stelltst immer wieder fragen, die sich nicht so leicht beantworten lassen.

aber vielleicht ist es bei HARIBO auch ganz anders.

wie denn?

die haben sich vielleicht beim deutschen staat eine lizenz gekauft und dürfen nun für 5 jahre das HARIBO auf die deutsche flagge aufdrucken.

meinst du?

es würde mich nicht überraschen, weil ja ADIDAS und MERCEDES sich beim deutschen fußballbund eingekauft haben und nun ihre symbole auf das deutsche nationaltrikot aufdrucken dürfen.

wenn den menschen aber nichts mehr „heilig“ ist, noch nicht einmal die nationalflagge … und auch diese dann dem kommerz überopfert wird … was soll dann diese bundesrepublik deutschland überhaupt? ich meine: welchen sinn hat dieses staatsgefüge?

du meinst also ganz radikal: man sollte den staat privatisieren?

ich finde, man sollte deutschland als staat in eine aktiengesellschaft umwandeln, damit dieser ausverkauf an das kapital endlich auf rechtssicheren füßen steht.

wenn aber deutschland eine AG ist, dann kann niemand mehr gesetze machen, wonach deutschland auf rechtssicheren füßen steht.

dann müsste diese AG DEUTSCHLAND eben das recht zur rechtsfestlegung und zur rechtssprechung haben. wenn der staat erst abgelöst wurde, von einer AG, dann muss diese AG konsequent auch alle befugnisse des staates übernehmen. (und dann ohne gewaltenteilung.)

das sind alles sehr wilde gedanken. denkst du so: man sollte also alle nationalstaaten abschaffen und in AGs umwandeln, weil die multiglobale welt sowieso unter der schirmherrschaft der weltkonzerne steht?

ja, man muss die dinge endlich mal ehrlich auch aussprechen.

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Zum Ende des längsten Tennisspiels aller Zeiten schreibt KLAUSENS

klau|s|ens, das spiel ist nun aus.

gestern war es nicht mehr so interessant.

warum nicht?

weil durch das wiederaufnehmen am dritten tag eine andere situation entstanden war.

welche?

das spiel war bereits das längste tennis-spiel oder -match der welt. sie setzten es nur fort.

aber dadurch wurde der rekord doch länger.

sicher, aber es war nicht mehr so, wie am tag zuvor.

was war am tag zuvor?

das war der zweite tag des spieles, und da sind sie in das längste spiel hineingestolpert. auf einmal waren sie es: weltrekordhalter. und sie spielten weiter und weiter, und der rekord wurde größer und bedeutender, aber auch die beine wurden schwerer. die müdigkeit war da. sie schwankten, john isnet schwankte sehr. das war drama pur.

und am dritten tag?

am dritten tag kamen sie relativ ausgeruht zurück – und irgendwie war die brisanz nicht mehr so da. sie spielten dann noch etwas, bis john isnet dann gewann. er machte ein break, er durchbrach den aufschlag seines gegenspielers. (in diesem fünften satz war es bislang wohl immer hin- und hergegangen: der aufschläger gewann sein spiel.)

wie ging es aus?

alles? das kannst du auf dem foto sehen: jeder hatte 2 sätze und den fünften satz gewann dann john isnet mit 68:70. die spieldauer soll 11 stunden und 5 minuten gewesen sein. aber ich weiß nicht, ob sie auch die pinkelpausen und gespräche mit dem schiedsrichter hinzuzählen. ich vermute mal: ja.

dann ist auch die bestimmung der zeit eine relative sache?

sicher! du könntest ja sagen: wir messen nur die reine zeit, wenn der ball in bewegung ist. aber bei diesem match hätten john isnet und nicolas mahut auch dann das längste der match der welt zelebriert.

beide haben jeweils die marke von 100 assen überschritten.

je länger du spielst, desto mehr optionen hast du, diese oder jene zahl zu übertreffen.

was folgern wir daraus?

wir folgern, dass zwei menschen auch durch einen ganz andere leistung als durch supertennis in die analen der welt eingehen können. das super muss sich eben nur auf irgendeine dimension beziehen. und hier bezieht es sich auf die zeit.

schön. dann sollten wir jetzt den längsten blog(g)-eintrag der welt schreiben.

ich bin nicht wahnsinnig! nachher habe ich den längsten beitrag geschrieben, will diesen abspeichern und so veröffentlichen – und das blog-system sagt: „sorry, too many charakters. try it again.“ und dann ist alles futsch.

mensch, was du schon alles für seltsame erfahrungen gemacht hast.

ich berichte eben vom wahren leben.

und wimbledon? gestern. vorgestern, vorvorgestern? war das nicht das wahre leben? john isnet und nicolas mahut?

doch, doch: aber leider nicht meines.

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Das längste Tennismatch der Welt sah KLAUSENS (und es dauert noch an)

klau|s|ens, ich lese vom längsten tennismatch der welt?

das ist gerade in wimbledon passiert – aber es noch nicht einmal fertig. es ist das längste match, was man für grand-slam-turniere erfasst hat. aber wahrscheinlich ist es überhaupt das längste match der welt, wenn man bestimmte grundvoraussetzungen für ein match anerkennt.

wie lange denn?

gestern waren sie bei über zehn stunden spieldauer. über 10 stunden!!!

was? so lange?

das spiel ging weiter und weiter, weil es im letzten satz keinen tiebreak gibt.

was bedeutet das?

sie haben jeder schon zwei sätze, also 2:2, aber es fehlt jeweils der dritte siegsatz. sie haben im fünften satz also 59:59 spiele. denn man muss zwei spiele vor haben, um einen satz zu gewinnen. aber so weit ist es noch nicht gekommen.

das habe ich noch nie gehört. zweistellig!

es ist aber so. das spiel war gestern schon zum zweiten mal aufgenommen worden (nach dem vortag also), musste dann aber erneut wegen der dunkelheit abgebrochen werden, gegen 22:10 uhr unserer zeit.

unglaublich!

alle welt guckt das schlechteste fußballspiel seit langem, deutschland-ghana, gespickt mit fehlpässen, ein spiel ohne jeden reiz (außer der spannung), aber zugleich oder parallel läuft in wimbledon eine der sensationen, die so selten passieren, aber sie passieren doch.

wer spielt(e) denn?

es sind nicolas mahut und john isnet.

kennt man die?

ich kannte sie bislang nicht, aber das ist doch jetzt egal. isner ist für wimledon immerhin an platz 23 gesetzt. er kann also nicht einer der mittelklasse nur sein.

wieso bist du denn nun so euphorisch?

… weil sie weltberühmt werden … und schon sind. ihnen kann nichts mehr passieren. der ruhm ist unvergänglich, was immer ihnen daraus noch erwächst, an vorteilen, oder auch nachteilen. der ruhm bleibt, bis in hunderten von jahren diese marke eventuell mal abgelöst wird.

einfach nur wegen der länge?

ja, einfach deshalb. du bist ein nichts … und dann bist du für immer in den analen, du wirst bei jeder tennisreportage zitiert, dein name ist unsterblich.

und warum?

einfach nur, weil du zufällig dann auf dem platz warst, als das längste tennisspiel der welt stattfand. sie haben diverse rekorde gebrochen: die zahl der „spiele“ (so nennt man ja im tennis eine einheit) innerhalb eines tennisspieles (also innerhalb des matches). die zahl der asse. (kommt von „ein as“.) allerlei solche rekorde haben sie damit automatisch auch gebrochen.

stern.de schreibt: „Allein der fünfte Satz dauerte bislang sieben Stunden und sechs Minuten, was allein ausreichen würde, den bisherigen Rekord von sechs Stunden und 33 Minuten für ein komplettes Spiel bei den French Open aus dem Jahr 2004 einzustellen. Isner hatte bereits vier Matchbälle, doch Mahut konnte sie allesamt abwehren. Die Höhe des Zwischenstands überforderte sogar die Anzeigetafel, sie fiel aus, als es 48:48 stand.“

und spiegel online schreibt: „Die bis dahin längste Partie der Grand-Slam-Geschichte zwischen Fabrice Santoro und Arnaud Clement war 2004 bei den French Open ’schon‘ nach 6:33 Stunden beendet.“

die superlative dieses spiels sind wahrscheinlich noch nicht beendet.

das leben schreibt immer wieder diese seltsamen geschichten – und man weiß nicht, warum es sie gibt. und diese geschichte ist so extrem, weil der alte rekord gleich um über 3 stunden übertrumpft wurde – und das spiel ist ja noch gar nicht zu ende.

da können sich die spieler nicht mehr auf den beinen halten?

genau das! sie taumeln, sie schwanken. bei john ismet konnte man das hervorragend sehen. ein mensch, der an die grenzen kommt, der gleich vor erschöpfung umkippen könnte: aber er tat es nicht.

und dann nicolas mahut, der hinterherspielt.

wie meinst du das?

es steht dann 54:53 für isnet, und mahut muss nachlegen. es steht dann 55:54 für isnet und mahut muss nachlegen. es steht dann 56:55 für isnet, und mahut muss nachlegen.

ach so: ich verstehe. der eine hat sein aufschlagsspiel, zieht es durch, gewinnt … und dann kommt der andere und setzt nach. mahut hat also psychisch einen viel höheren druck.

es ist eine unglaubliche geschichte, die man in tausend romane gießen könnte.

und du hast es LIVE gesehen.

zumindest einen teil davon … denn deutschland – ghana war eine saftige enttäuschung. — dieses ereignis aber, das war eines der kleinen highlights des lebens, die es abwechselnd, brisant und kurios machen.

was hast du geschrieben?

ich habe LIVE geschrieben, und zwar beim stand von 2:2 sätzen und 53:54 spielen im fünften satz und bei 0:30 aus der sicht von mahut.

IN DIESEM FÜNFTEN SATZ

Sie spielen die
Unendlichkeit
Gegen die Zeit des
Balles der in den
Stunden eines noch
Nie so errungenen
Sieges verrinnt
Die Luft zum Gras
Unseres Unglaubens

Copyright Klau|s|ens in allen Schraibwaisen und Schreibweisen, u.a. als Klausens oder Klau(s)ens oder Klau°s°ens, LIVE geschrieben am 23.6.2010, Mittwoch, beim längsten Tennismatch der Welt, zumindest in der Grand-Slam-Geschichte, zwischen Nicolas Mahut (Frankreich) und John Isnet (USA), gegen 21:27 Uhr unserer Sommerzeit (MEZ).

wann geht es weiter?

auf der homepage von wimbledon.org lese ich:
Not Before:15:30
Gentlemen’s Singles – 1st Round
Nicolas Mahut(FRA) leads John Isner(USA)[23]

To Finish 4-6 6-3 7-6(7) 6-7(3) 59-59

John Isner
Country: United States of America
Birth Date: 26 April 1985
Birth Place: Greensboro,North Carolina USA
Residence: Tampa, Florida, USA
Height: 6 ft. 9 in. ( 2.06 meters )
Weight: 245 lbs. ( 111.4 kilos )
Plays: Right
Turned Pro: 2007

Nicolas Mahut
Country: France
Birth Date: 21 January 1982
Birth Place: Angers, France
Residence: Boulogne-Bilancourt, France
Height: 6 ft. 3 in. ( 1.91 meters )
Weight: 176 lbs. ( 80 kilos )
Plays: Right
Turned Pro: 2000

john isner ist derzeit auf der weltrangliste platz 19, also doch hoch, und nicolas mahut ist platz 149.

diese geschichten sind der trank des lebens.

ja, sicher, weil … immer nur alltag … das würde uns zu sehr unterfordern. allerdings: jeder rekord, der gebrochen wurde, und dann in so einem ausmaß, lässt für die zukunft lücken.

welche?

an dieser einen stelle kann das unglaubbar-unglaubliche des lebens nicht mehr zuschlagen.

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Von der mahnenden Erklärung der 22 Europaabgeordneten zur Bank-Lobby-Macht-Gefahr hört KLAUSENS

klau|s|ens, in deinem letzten beitrag hier hattest du dich noch über die commerzbank aufgeregt, aber du darfst dich über alle banken aufregen.

das habe ich immer schon getan.

aber jetzt hast du einen noch dickeren grund.

welchen denn?

da haben sich diese 22 europaabgeordneten an die öffentlichkeit gewandt und so wie nie zuvor vor den banken, ihrer macht, ihrem machtwillen, ihrem lobbyismus und ihrem direkten und unverhüllten einfluss auf die politik gewarnt.

das ist einzigartig?

ja, das ist bislang einzigartig. sie wollen, dass noch mehr abgeordnete unterschreiben. hier lies:

„Wir, die für die Regulierung der Finanzmärkte und des Bankgewerbes zuständigen europäischen Abgeordneten, stehen täglich unter dem Druck des Finanz- und Banksektors, um den für die Branche geltenden Rechtsrahmen stärker zu beeinflussen.
Es ist durchaus korrekt, dass die Unternehmen dieser Branche ihre Standpunkte bekannt machen und regelmäßig mit dem Gesetzgeber Gespräche führen. Aber das Ungleichgewicht zwischen diesem Lobby und der mangel an Gegen-Expertise erscheint uns eine Gefahr für die Demokratie. Die Lobbyarbeit einer Interessensgruppe muss in der Tat durch Stellungnahmen anderer ausgeglichen werden. Zum Thema Umwelt und öffentliches Gesundheitswesen haben die Nichtregierungsorganisationen (NRO) der von der Industrie vertretenen Auffassung eine echtee Gegenexpertise entwickelt. Das Gleiche gilt im sozialen Bereich für Arbeitgeber- und Gewerkschaften. Diese Gegenüberstellung ermöglicht Abgeordneten, widerstreitende Argumente anzuhören. Für den Finanzsektor trifft das nicht zu. Weder die Gewerkschaften noch die NRO haben eine Expertise entwickelt, die derjenigender Industrie Stand halten.

Es gibt in der heutigen Zivilgesellschaft keine ausreichende Gegenmacht.
Dieser Mangel hindert uns nicht an der Formulierung unserer eigenen, von der Branche unabhängigen Standpunkte und hält uns auch nicht von unserer Arbeit ab.

Dennoch bedeutet das Ungleichgewicht aus unserer Sicht eine Gefahr für die Demokratie, denn es findet in einem Kontext statt, in dem die politische und Finanzelite sich sehr nahe stehen. Die enge Verbindung zwischen Goldman Sachs und der Bundesverwaltung in den USA ist kein Geheimnis. In Europa ist diese Verflechtung genauso hoch. Es wäre jedoch ein Trugschluss daraus zu folgern, dass die Ziele der politischen Elite nie von den Interessen der Führungsspitze des Finanzsektors abweichen. Diese Nähe trägt indessen zu einer stärkeren und einseitigen Berücksichtigung der Belange des Finanzsektors bei und schränkt mit Sicherheit die Fähigkeit der politischen Verantwortlichen ein, unabhängige Entscheidungen zu treffen. Ohne angemessene politische Antwort auf die Finanzkrise erhalten hingegen alle möglichen Formen des Populismus Nährstoff, die mehr auf Emotionen als auf Vernunft basieren.

Wir, die für die Regulierung des Finanz- und Bankensektors verantwortlichen Abgeordneten, rufen daher die Zivilgesellschaft (NRO, Gewerkschaften, Akademiker, Think-tanks…) auf, eine oder mehrere Nichtregierungsorganisationen zu bilden, um eine Gegenexpertise zu den auf den Finanzmärkten durch die wichtigsten Marktteilnehmer ausgelösten Vorgänge zu entwickeln (Banken, Versicherungsgesellschaften, Hedge Funds,…) und diese Erkenntnisse effizient über die Medien zu verbreiten.
Als Vertreterinnen und Vertreter unterschiedlicher politischer Familien können wir durchaus unterschiedlicher Meinung sein, welche Maßnahmen zu ergreifen sind.
Wir sind uns jedoch über die Notwendigkeit einig, die Öffentlichkeit auf die Gefahren für die Demokratie aufmerksam zu machen.

Wir laden alle Mitglieder des Europäischen Parlaments und der nationalen und regionalen Parlamente ein, sich dem Aufruf anzuschliessen .“

wo hast du das her? (sie schreiben „diesem lobby“ in der deutschen übersetzung. ist es „der lobby“ oder „die lobby“ oder „das lobby“?)

es ist meines wissens „die lobby“. übrigens: die seite heißt: http://www.finance-watch.org

wer hat unterzeichnet?

gegen 9:11 uhr MEZ lese ich heute auf der besagten homepage unter „unterstützer“ diese namen. es sind also schon mehr geworden.:

Sophie Auconie (France, Group of the European People’s Party, Substitute in the Committee on Economic and Monetary Affairs), Burkhard Balz (Germany, Group of the European People’s Party, Member in the Committee on Economic and Monetary Affairs), Pervenche Berès (France, Group of Socialists and Democrats, Rapporteur in the Committee on Financial, Economic and Social Crisis, Substitute in the Committee on Economic and Monetary Affairs, Chair of the Committee on Employment and Social Affairs), Udo Bullman (Germany, Group of Socialists and Democrats, Coordinator for S&D in the Committee on Economic and Monetary Affairs), Leonardo Domenici (Italy, Group of Socialists and Democrats, Member in the Committee on Economic and Monetary Affairs), Pascal Canfin (France, Group of the Greens, Vice-Chair in the Committee on Financial, Economic and social Crisis), Sergio Gaetano Cofferati (Italy, Group of Socialists and Democrats, Coordinator in the Committee on Financial, Economic and social Crisis), Elisa Ferreira (Portugal, Group of Socialists and Democrats, Member in the Committee on Economic and Monetary Affairs), Jean-Paul Gauzès (France, Group of the European People’s Party, Coordinator for EPP in the Committee on Economic and Monetary Affairs , Rapporteur for the directive Alternative investment fund manager), Sven Giegold (Germany, Group of the Greens, Coordinator for the Greens in the Committee on Economic and Monetary Affairs, Rapporteur for the directive European Securities and Markets Authority), Robert Goebbels (Luxembourg, Group of Socialists and Democrats, Substitute in the Committee on Economic and Monetary Affairs), Charles Goerens (Luxembourg, Group of Alliance of Liberals and Democrats, Substitute in the Committee on Financial, Economic and social Crisis), Thomas Händel (Germany, Group of the European United Left – Nordic Green Left, Substitute in the Committee on Economic and Monetary Affairs), Eva Joly (France, Group of the Greens, Chair of the Committee on Development), Jürgen Klute (Germany, Group of the European United Left – Nordic Green Left, Coordinator for GUE/NGL in the Committee on Economic and Monetary Affairs), Philippe Lamberts (Belgium, Group of the Greens, Substitute in the Committee on Economic and Monetary Affairs), Arlene McCarthy (United-Kingdom, Group of Socialists and Democrats, Member in the Committee on Economic and Monetary Affairs , Rapporteur for the directive Capital requirements for the trading book and for re-securitisations, and the supervisory review of remuneration policies), Sirpa Pietikäinen (Finland, Group of the European People’s Party, Member in the Committee on Economic and Monetary Affairs), Anni Podimata (Greece, Group of Socialists and Democrats), Miguel Portas (Portugal, Group of the European United Left – Nordic Green Left, V ice-Chair in the Committee on Financial, Economic and social Crisis), Peter Simon (Germany , Group of Socialists and Democrats, Substitute in the Committee on Economic and Monetary Affairs), Dirk Sterckx (Belgium, Group of Alliance of Liberals and Democrats, Substitute in the Committee on Economic and Monetary Affairs)…
Françoise Castex (France, socialiste, députée européenne, membre de la commission des affaires juridiques, Jean Desassard (France, Verts, Sénateur de Paris, Verts), Yves Cochet (France, Verts, député de Paris, Verts), François de Rugy (France, député, Verts), Noël Mamère (France, Verts, député de Gironde), Philippe Meirieu (France, Europe Ecologie, Conseiller régional PACA), Sandrine Bélier (France, groupe des Verts, député européenne), Hélène Flautre (France, groupe des Verts, député européenne), Jean-Paul Besset (France, groupe des Verts, député européen), Yannick Jadot (France, groupe des Verts, député européen), Karima Delli (France, groupe des Verts, députée européenne), Daniel Cohn-Bendit (France, groupe des Verts, député européen), Catherine Grèze (France, groupe des Verts, députée européenne), Michèle Rivasi (France, groupe des Verts, députée européenne), Nicole Kill-Nielsen (France, groupe des Verts, députée européenne), Malika Benarab-Attou (France, groupe des Verts, députée européenne), Junqueras Oriol (Spain, Member of the European Parliament, Greens/ALE), Bart Staes (Belgique , Member of the European Parliament, vice-chair of Committee Budgetary Control, Greens/EFA)…

wahnsinn. es passiert jeden tag, es passiert unter unser aller augen … und doch nennt man unser system immer noch „demokratie“.

ich weiß: „lobbydiktaturokratie“ wäre deutlicher und ehrlicher. – aber solange sich noch jemand gegen all das wehrt … heißen wir euch hoffen.

wie viel hat man dir für den letzten satz gerade eigentlich bezahlt? der dient doch in seiner versöhnlerischen art nur einem zweck! haben dich die banken nun auch übernommen?

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