Tagesarchiv: Juni 16, 2010

Auf Christo in Brühl im Max Ernst Museum trifft Klausens

klau|s|ens, christo war da?

ja, christo war da. er ist schon 75, wirkt aber doch sehr vital.

er kam nach brühl?

dort ist eine ausstellung über ihn, zeitgleich eine in schwäbisch-hall. alles von der sammlung würth. es lebe der reichtum des kapitals, der sich dann in kunstankäufen ergeht.

findest du das gut? dass sie den beschäftigten wenig geben, um selber mehr einzunehmen, um dann davon große kunsthallen und kunstausstellungen in die welt zu setzen, damit wir davon geblendet werden?

ich wollte mich nicht zu den strukturen des kunstmarktes äußern, zweitklausens. ich wollte nur mitteilen: wir haben eine doppelausstellung in brühl und schwäbisch-hall – mehr wollte ich (derzeit) nicht sagen.

gut, und eine ist nun in brühl. sie heißt wie?

sie heißt: „Wrapped – die Kunst von Christo und Jeanne-Claude aus der Sammlung Würth“

und gestern war christo also leiblich in brühl?

genau das.  auch achim sommer, der chef des museums, dann der bekannte kunstkritiker und -kenner werner spies, der wieder einmal einen kunstkatalog geschrieben hatte … und wolfgang volz, der „hausfotograf“ von christo, auch der.

was gab es von christo?

er gab eine „lecture“, die kaum etwas neues hergab. das macht er alles mit links. er musste so oft seine projekte vorstellen, in gemeinden und vor politischen größen: das ist sein täglich brot. die schüttelt der aus dem armgelenk. — interessanter ist, wie er erzählt und wie er ist.

und wie ist er?

überaus dynamisch. ein recht klein gewachsener mann, aber doch mit sehr viel energie. und das, obwohl seine langjährige lebenspartnerin und co-künstlerin jeanne-claude verstorben ist. ich las, gestern habe er seinen ersten öffentlichen auftritt nach ihrem tod absolviert.

aber er war dennoch kraftvoll.

beide haben offenbar vereinbart, dass jeweils der andere überlebende die projekte fortsetzt, die sie nicht zu zweit beenden konnten.

was war gestern in brühl?

er sprach schnell, häufte zahlen und fakten aneinander, sprang von projekt A nach projekt B, teilweise überschnell: BUMM PAFF ZING. er präsentierte fotos als beamerprojektion, war sehr lebendig … und bei der fragestunde zum schluss bisweilen etwas zu forsch, fast schon herrisch, wenn er durchaus „lady, lady, lady!“ barsch rief, weil er selber entschied, wer nach seiner lecture eine frage stellen durfte. vielleicht kennzeichnet sich in dieser direkten art, die er selber nicht böse meint, die aber durchaus auch falsch verstanden werden kann, der triebstrang seines erfolges: kraft, druck, power, energiebündel.

aber?

du willst immer das „aber“. – als typ war er irgendwie gut. nicht prätentiös, nicht abgehoben: sympathisch, direkt, lebendig, auch lustig, sehr energetisch. vielleicht auch besessen von seiner arbeit. da muss man dann überlegen, ob man das aushalten kann, als mitarbeiter.

und du?

ich machte 2 SERIELLOs http://www.klausens.com/seriello-christo.htm und http://www.klausens.com/seriello-christo-und-wolfgang-volz.htm sowie einen „satz“ von LIVE-gedichten: http://www.klausens.com/klausens-und-christo.htm, darunter sehr viele englische. ist für mich auch neu.

wird dir das nicht zu viel?

nein, es wäre für mich zu viel geworden, wenn christo mich hätte einpacken wollen.

das schöne an christos kunst ist ja, dass jeder sie klein-klein zuhause nachmachen kann. er lebt von einer hauptidee, die dann tausendfach variiert wird.

die schirme sind nicht „wrapped“, und das umzingeln von inseln auch nicht.

es sind fortentwicklungen der kernidee, ableitungen. aber es bleibt die kernidee.

o.k., das stimmt. ich werde jetzt mal mein mettbrötchen einpacken und dabei laut „christo!“ rufen. wie findest du das?

ich finde deine fotos von gestern viel besser. es sind kunstwerke eigener art. sie haben etwas verschwommenes und etwas pastöses. auch milchiges. wundervoll!

mein SERIELLO entstand an der beamer-projektionsfläche. die billigen plätze, die öffentlich als „stehplätze“ bezeichnet wurden, waren dann de facto nur videoplätze. man saß nicht mehr im saal drin (was ich als irreführung halte, wenn man die karte als „stehplatz“ anbietet), sondern davor. man war also nur publikum zweiten ranges (vor dem saal) und starrte auf die videoleinwand, die das bild aus dem saal, in dem man nicht sein durfte, überraschend verschwommen nur rüberbrachte. (dieser minderwertige grad der technik hat mich doch überrascht.)

aber du machtest das beste daraus.

eben: ich sah die kraft der projektion aus künstlerischer sicht und fotografierte christo dann von dieser leinwand ab. es entstand ein SERIELLO … und alles weitere weißt du, zweitklausens.

ja, sicher, ich war ja dabei, als diese herrliche fotoserie entstand. und auch, als die ersten preise an dich überhändigt wurden.

was redest du da denn wieder?! alles humbug!

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