Tattoos und das Gespraye im öffentlichen Raum sieht KLAUSENS parallel

klau|s|ens, warum hast du noch kein tattoo?

sie erschließen sich mir nicht.

kein anker, kein drachen, kein schwert, kein mystery-fantasy-zeugs?

ich sehe es mehr als schmutz.

tattoos?

ja, denn sie wirken auf der haut oft nur wie flecken. es sind (meist dunkle) farbkleckser, die sich erst bei gutem licht und aus großer nähe als kunstwerke darzustellen vermögen.

aber aus der ferne?

ist es oft nur farbe, aber kein motiv. etwas dunkles. etwas unförmiges. auch das bunte wirkt dunkelbunt.

dann wollen sich die menschen nun alle einfärben?

vielleicht wollen sie auch eine ständige scheinschmutzspur an sich tragen. es geht auf jeden fall darum, etwas, was schön ist (den menschen), massenhaft und psychotisch eher unschön zu machen. (tattoos kann man ja nicht abwaschen.) und das schon in jüngsten jahren, wo die haut noch so fein und glatt und herrlich ist.

findest du? zerstörung? gewollt?

in den meisten fällen: leider ja.

woran erinnert es dich also?

die tattoos erinnern mich an dieses heftige sprühen und sprayen in städten und dörfern. keine hauswand ist sicher, kein zug, kein pfeiler, kein mäuerlein. auch da wird beschmutzt. autobahnen sind sprayschmutzzonen heftigster art.

es sind jene tags.

gewiss „tags“ findet man bei den tattoos noch selten. aber immer öfter sieht man schriften und inschriften. zeichen und symbole sowieso. tattoos und spayertags nähern sich also tendenziell an. (in früheren blog(g)-beiträgen hatte ich die tags der sprayer mal mit dem urin von hunden verglichen: es wird ein revier markiert. ums markieren geht es beim sprayen. vielleicht auch beim tätowieren.)

dann gibt es also eine nähe von der inflation des sprühens zur inflation der tattoos?

man muss es so deuten. beides verläuft scheinbar parallel.

aber warum nur?

die welt wird immer mehr „entnatürlicht“, immer mehr häuser, immer mehr bauten, immer mehr straßen, zersiedelung, gewerbegebiete, fläche, alles das. die natur verschwindet unter der zerschandelung durch den menschen.

und was macht der mensch in dieser unwelt?

diese unwelt hat der mensch selber geschaffen, aber nun passt er sich dieser verkorksten unwelt an.

wie denn?

das sagten wir doch: das sprühen/sprayen und das tätowieren sind beides wege, den schmutz der welt nun auch noch als bild auf eben diese welt zu übertragen. man möchte das hässliche wieder schön machen, indem man es gewissermaßen noch hässlicher macht.

aber es ist wirkungslos.

wieso wirkungslos? ich störe mich an den meisten tattoos und an den meisten zugesprühten wänden.  das ist doch eine wirkung! – ich suche eine ästhetik, die mich anspricht. doch das ist nur in den wenigsten fällen der fall.

vielleicht sollte man tattoos an die wände sprühen.

vielleicht würde mir das gefallen. vielleicht. sorgen muss man sich aber dennoch.

diese heftige tattoo-entwicklung ist eine zerstörung größten ausmaßes. und zudem unumkehrbar.

der mensch schafft sich selber als mensch ab. oder: er definiert sich neu.

was mögen die aborigines eigentlich denken, wenn sich heute jemand den trainer von borussia dortmund auf seinen rücken machen lässt?

samt meisterschale!


ORIGINALVERSION mit Fettdruck und allen Bildern
und allen Links bei KLAUSENS BLOGG (mit 2 G !!!)
KLAU|S|ENS – LOG – W E L T L I N G
http://klausens.blogg.de

HOMEPAGE VON KLAU|S|ENS: http://www.klausens.com


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s