Tagesarchiv: Mai 16, 2011

Den Hybris-Stefan-Raab-deutschen ESC (European Song Contest) in der Esprit-Arena sieht KLAUSENS

klau|s|ens, du warst in düsseldorf?

gewiss, du doch auch, zweitklausens.

in der halle?

ja, in der ESPRIT-arena, die früher mal LTU-arena hieß. (je nachdem, wer gerade zahlt.)

dort also bei den 35.000 oder 36.000 zuschauern vor ort.

ja, genau da.

wie war diese veranstaltung?

sie war auf eine runde und harmonische art schön. eigentlich war fast alles zum besten.

was störte?

es störte die deutsche hybris (das deutsche wesen!) in person von stefan raab.

wie kam es dazu?

stefan raab hat diesen contest praktisch an sich gerissen, um sich selber zu produzieren und nochmals zu produzieren … im sinne von „selbstdarstellen“.

das gefiel dir nicht?

das gefiel uns beiden nicht, zweitklausens.

stefan raab bestritt schon das erste lied.

nein, er war ja auch zudem/zuvor/zugleich moderator an allen 3 tagen (es gab ja noch 2 halbfinals!), und das, obwohl er a) keine gute stimme hat und b) kein guter moderator ist und c) kein angemessenes englisch spricht. aber er wollte noch mehr.

und man ließ ihn.

der NDR hat alles zugelassen, alles. und ich denke, man hat deutschland so geschadet.

inwiefern?

es war zuviel an selbstinszenierung. stefan raab bestritt dann den ersten song, mit der these, lena könne diesen nicht singen, weil sie ja nochmals antrete. (normalerweise wird am anfang immer der siegertitel des letzten jahres nochmals gespielt.)

wozu führte das?

…, dass er selber sich echauffierte. er spielte nicht nur den siegertitel, sondern kotzte sich voll aus, bis hin zu der tatsache, dass er wie ein derwisch durch die halle lief, sogar selber noch schlagzeug spielte, wie ein psuedosuperentertainer, der gerade aus den USA entlaufen ist. völlig überdreht, völlig ichbezogen. von „bescheidener gastgeber“ keine spur.

aber lena kam dann doch am anfang dann doch auch noch.

gewiss, ein netter gag, sie sang ganz zum schluss noch den refrain mit, erschien also wie ein deus ex machina auf der bühne. aber eigentlich ging es um die ewige und andauernde selbstinszenierung jenes stefan raab. (deshalb durfte lena ja nur kurz. der scheinbare gag diente eigentlich nur der EGO-kiste des stefan raab.)

und die beiden anderen moderatorinnen, die frau engelke und die frau rakers?

beide gingen da natürlich dabei unter. frau rakers ist in principo eher blass und lieb, während anke engelke natürlich viele talente hat. aber raab riss vor diesen 120 millionen zuschauern an den fernsehern alles an sich.

das störte dich?

ich fand es völlig überzogen und übertrieben. das hat nichts mit „nettem gastgeber“ zu tun, sondern das ist eine ausgeburt deutscher hybris, hier in person von stefan raab, der sich produzieren und nochmals produzieren will. widerlich. dabei drückte er die eigentlich zentralen 25 gesangsbeiträge des abends in den hintergrund, weil er als erster auftretender der „große knaller“ sein wollte.

hat er nachher nich nochmals einen act gehabt?

gewiss, zusätzlich zu moderation mit den beiden frauen: später spielte er noch die europäische eurovisions-hymne (jene melodie aus dem präludium des te deum von marc-antoine charpentie) im stile von jimi hendrix jaulend auf der gitarre. lächerlich, abgegessen, tausendfach kopiert. dennoch: raab fand sich toll! herr raab wollte und wollte sich einfach produzieren. er will sich zu dem star/der ikone des ESC für alle zeiten machen: als sänger aufgetreten, als komponist, als macher, als moderator und als superact. so würde er sich gerne sehen.

dann hat dir die veranstaltung gefallen, aber nur dieser herr raab nicht?

so kann man es sagen, ja, ja: es wurde auch brav für alle geklatscht. und jeder gönnt aserbaidschan den sieg. gewiss. völkerfreundschaft in und durch europa. schöne idee, schöne sache. unpolitische politik!  toleranz, akzeptanz, den anderen was gönnen können! super!

wie war die atmosphäre ansonsten?

etwas kommerz, etwas völkerfreundschaft, und nicht so wild und ausgelassen, wie man sich das am fernseher denkt.

dann ist vieles auch fürs fernsehen inszeniert?

das ist ja oft so: die fans sind eher ruhig, machen fotos, aber dann kommt einer mit dem megaphon und ruft: „wir brauchen jetzt ganz viele von euch!“ dann sammelt man sich und das megaphon peitscht die leute hoch, weil gleich ein fernsehsender LIVE berichtet, dann „brandet jubel auf“, und die leute zuhause denken: superstimmung da vor ort!

aber vor ort war es nicht so.

doch, aber nur in dem einen moment, wo der jubel fürs fernsehen per megaphon inszeniert wurde. und die leute lassen sich ja gerne fremdbestimmen.

dann ist vieles wahr, aber doch nicht wahr.

so kann man es sagen. aber der kult lebt ja davon, dass es leute gibt, die den kult immer wieder neu herbeibeschwören. das ist der trick.

und stefan raab. ist der kult oder kultur?

ich würde sagen: raab ist banause, ein deutscher unangenehmer banause, der die welt (gegen den deren willen) „beglücken“ will und antideutschenklischees so noch mehr befestigt. raab schadet uns allen.

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