Tagesarchiv: Juni 5, 2011

Die Todesanzeige für einen gefallenen Soldaten in Afghanistan empfindet KLAUSENS als stillen und doch nahen Protest gegen den Krieg

klau|s|ens, so ist es schon was anderes.

gewiss: da im fernsehen die berichte …. alles scheint weit weg … dann aber die todesanzeieg so nah in der zeitung. auf dem frühstückstisch.

man kann sich nicht davonstehlen.

niemand kann sich davonstehlen, aber alle tun es.

die welt soll zurechtgebombt werden, was aber so nicht geht.

es geht so nicht, und es geht nicht anders. es fallen menschen. es fallen deutsche soldaten, es fallen aber auch afghanen, die eben auch menschen sind: ein deutscher mensch ist nicht besser und schlechter als ein afghanischer mensch. mensch = mensch.

nur, dass wir uns an die toten anfangen zu gewöhnen.

deutschland ist kriegsführland geworden. dank joschka fischer und SPD-konsorten, aber die CDU findet es samt FDP auch sehr gut.

sind die menschenrechte denn sich selber zu überlassen?

auch da ist klar: immer wieder wird es momente geben, wo man nicht weiß, welches tun das richtige ist. ein reiner pazifismus wird nicht möglich sein. reiner pazifismus ist auch naiv. wir denken an die besiegung des hitlerregimes oder an srebrenica … der afghanistankrieg ist aber schon lange nicht „das richtige“. daraus kann nichts gutes werden.

und in libyen?

da machen sie BUMM, BUMM, BUMM aus der luft und probieren ihre kampfflugzeuge und waffen aus, die von NATO und CO. – unten sterben dennoch menschen.

und in syrien?

da tun sie nichts, weil es nicht passt, in die konstellation. alles hat mit taktik und erwägungen zu tun, mit einfluss und herrschaft, und nur manchmal flackern die menschenrechte noch auf. menschenrechte werden gerne zum schein in den mund genommen, und dann auch gerne ausgeblendet. je nachdem, wie es gerade passt.

wie findest du das?

ich finde alles unerträglich … und wenn dann ein mensch sein leben verliert und man kann den fernseher im kopf nicht richtig ausschalten, weil es in der tageszeitung zudem so nah als todesanzeige steht, dann ist es schon ganz, ganz anders.

aber alle haben recht.

wer ist „alle“? wenn ich den verteidigungsminister höre, wie er nun redet, über „feige anschläge“ und über „hinterhältige attacken“, dann werden stimmen wach, die ich im vietnamkrieg schon hörte, von den westlichen usurpatoren. wie sollten sie, die besetzten, sich anders verteidigen? sollten sie mit dem schwert gegen die hochrüstung des westens auflaufen? es werden immer die unterlegenen und besetzten völker mit anderen techniken den krieg führen … guerillakrieg kann so vieles bedeuten … im krieg sind worte wie „aufrecht“ oder „ehrlich“ oder „anständig“ allesamt doch sehr seltsam.

wie soll es nur weitergehen?

wir wissen es nicht. wir wissen aber, dass die, die alles verantworten, es erst recht nicht wissen. dabei wird es an einem abzug nicht vorbeigehen. je früher, desto besser, damit nicht noch mehr menschen durch ein „weiter so“ sterben.

es sollen schon über fünfzig deutsche soldaten gestorben sein.

nochmals: das ist nicht das hauptproblem. deutsche soldaten und afghanische soldaten sind in ihrer qualität als „mensch“ gleich gut oder gleich böse oder gleich wichtig. das zählen nach „deutsch“ ist sinnlos und zugleich verfälschend.

wir trauern also nicht um den markus m. der todesanzeige als deutschen soldaten?

nein, nicht nur um diesen einen menschen (um den auch, ja, ja! aber wir kennen ihn persönlich nicht) … es geht um den toten menschen allgemein. es geht um den irrwitz, dass menschen sich absichtlich selber töten … und keinen ausweg aus solchen konstellationen finden …

… außer dass sie noch mehr töten.

höre! die würfel sollen fallen … und nicht ein mensch im krieg.

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