Tagesarchiv: September 22, 2011

Die Angeklagten im Kölner Kunstfälscherprozess hört KLAUSENS „zur Person“

klau|s|ens, gestern also tag zwei.

zweitklausens, du warst doch dabei.

ich möchte es von dir hören.

sie sprachen, jeder der 4 angeklagten sprach: 2 frauen, 2 männer.

es geht doch!

sie redeten nur zur person, nicht zu sache, also nicht zur anklage.

was ist „eine person“, „zur person“?

das sind stationen deines lebens, grobe umrisse. sie hatten sich das notiert, und lasen dann vom blatt, frei oder halbfrei oder genau, je nachdem. es waren wohl anderthalb DIN-a-4-seiten in zwei fällen. da gab RA birkenstock die ausgedruckten blätter an gericht und staatsanwalt weiter.

was erfährt man?

geboren, aufgewachsen, ausbildung, eltern, heirat, drogen, krankheit, kinder, umzüge – diese dinge. es ist alles nur sehr grob.

aber man lernt etwas.

man lernt immer etwas. man hört ja endlich mal den klang der stimmen. die stimmen sagen ja schon so viel. jede stimme ist wie ein buch. dann die aussprache, dann die art. alles „spricht“.

insofern doch interessant.

ja, gewiss. leider gibt es im gerichtssaal 007 derzeit keine aktiven und funktionierenden mikrofone. für die prozessbesucher und auch für die presse ist es nicht leicht, alles zu hören.

was ist das für ein gericht?! warum lässt es das zu?!

sie wollten wohl den größten saal: 007 – und dann wurde/wird der umgebaut, sodass die alten mikrofone/boxen nicht mehr und die neuen noch nicht funktioneiren. so verstand ich das.

du verstandest also etwas?

ja, man darf nicht atmen und muss genau hören. es gibt auch zuschauer, die aus ihren händen eine „tüte“ machen, einen trichter, weil sie so hoffen, mehr zu verstehen.

das ist ja ein thema für sich.

sicher: man könnte nun menschen zeichnen, die mit den händen hören, wie die kunst des richtens auch die dinge verfälscht. schon das hören über das thema verfälschungen ist wieder eine verfälschung, zumal wenn man nichts hört.

was sagten die angeklagten denn?

nun, die beiden frauen, die schwestern, brachen jeweils in tränen aus. die eine mehr, die andere weniger. aber die haft hat sie doch angegriffen, wobei die eine ja nicht mehr in u-haft ist, dennoch aber traumatologisch offenbar darunter leidet.

das ist gewiss schwer: wenn man im BZR ohne eintrag ist und sich dann im knast wiederfindet.

BZR?

bundeszentralregister – da stehen alle vorstrafen drin. sitzt in bonn. eine dokumentation alller deutschen samt aller ihrer einträge.

also die zwei frauen betonten, dass sie aus einfachen verhältnissen kommen. beide versuchten sich wohl hochzuarbeiten. die eine fand dann den mann ihres lebens, den maler und kunstfälscher, die andere einen bundeswehrsoldat und -offizier. beide haben kinder.

bergisch-gladbach?

da kommen sie wohl her, die schwestern. dann haben wir geilenkirchen/aachen im angebot und thüringen, aber eigentlich doch eher krefeld. der eigentliche fälscher, der könner, mit den etwas längeren haaren spielt den lockeren und lustigen, den lebensfrohen, der alles nicht so ernst nimmt, der sich treiben lässt, der die dinge genießt, der spielerisch ist. das war schon auffällig. ein kreativer mensch, aber vielleicht auch zu überdreht. zu genießerisch, dadurch die realität verlierend.

sein frau hat ihn ja auch so sehr gelobt. ein guter mann. ein warmherziger mann. ein ideenreicher mann. ein liebevoller mann.

beide haben sich wohl seit dem kennenlernen in den 90ern (bei einer werbefilmproduktion) ineinander verliebt und beide hatten wohl das gefühl, dass es etwas großes ist. und beide versicherten auch vor gericht, wie toll sie den jeweils anderen finden. bis heute wohl, wenn es nicht gespielt ist. eine große liebe.

und dann der mann aus thüringen, aber eigentlich krefeld.

dieser spielte mehr den scheiternden: kleine wohnung heute, vieles begonnen, vieles probiert. nichts hat richtig funktioniert, auf dauer.

was denn?

dinge wie chemielaborant, gastronom (dabei wohl sogar auch mal türsteher gewesen), dann nach ägypten, dort auch gastronom, geschäftsführer, wohl immer angestellt. dann zugleich werkzeuge importiert, nach ägypten, dazu seine chemielaborkenntnisse genutzt, dann auch in deutschland dinge galvanisiert, dazu kontakt zu krefelder kunstszene, bis hin zum bekannten herbert zangs aus der künstlergruppe ZERO. er machte auch filme auf ibiza und gründete eine gruppierung (arbeitsgemeinschaft) nahmens NAHRA (= mensch), die sich dann in künstlerkreisen „aufstellen“ sollte. sogar eine art kleinkünstleragentur hat er irgendwann mal betrieben, und wohl auch ein hotel „garni“ mit 14 zimmern. das war alles sehr viel.

so also sprachen sie.

einmal griff der anwalt von o. s.-k. ein, um klarzustellen, sein mandant habe nie auf ibiza gewohnt.

man weiß ja eh nicht, was die mandanten sagen und was die mandanten sagen, weil die anwälte meinen, das sagen wir mal am besten.

es sind immer spiele und rollenspiele.

der richter?

gab sich betont nett und locker. machte auch kleine witzige bemerkungen. ein prozess mit kölner einschlag. als helene b. so sehr weinte, unterbrach man auch für sie die verhandlung. menschlichkeit und humanität pur. kein gericht, wegen dem man alpträume hätte. (aber vielleicht wird auch durch diesen stil eine „vereinbarung“ eingeleitet. nach einer „verständigung“. also ein prozess des sich einigens ist möglich: geständnis + strafe, aber alles in maßen.)

es gibt also weinende und lachende und gescheiterte.

von allem etwas. die frauen scheinen mehr zu leiden als die männer. das passt dann in klassische muster. und am meisten angeschlagen ist helene b., die auch noch eine schwere krankheit überwinden muss, ja immer noch in u-haft sitzt, aber auch noch zwei schon ältere kinder (bzw. stiefkind) hat, die draußen ohne sie klarkommen müssen. außerdem scheint die alte mutter krank. sie selber ist zudem auch noch in ärzlicher behandlung, in der u-haft. vieles belastet.

und dann war das vorbei? dieser gerichtstag? mittags? kurz vor 12?

gewiss, aber vor dem „vorbei“ kam der anwalt aus mönchengladbach, RA pohlen, also der von otto s.-k., der vorschlug, ob sich nicht alle prozessbeteiligten, halt: alle berufsbeteiligten in diesem prozess … jetzt zusammensetzen könnten.

sie sprachen also?

sie haben gestern noch (intern) gesprochen oder „gedealt“. es ging um eine „verständigung“. das ist ja ergebnisoffen. man setzt sich halt zusammen.

inwiefern?

das wissen wir nicht. aber man könnte ja sagen: wenn wir dieses oder jenes gestehen, was bietet ihr dann? („zur sache“haben die angeklagten ja bislang nichts gesagt.)

du meinst: was bietet ihr an strafen?

ja, an strafen. man gesteht, und man bekommt überschaubare strafen. und dann wäre der prozess vielleicht sehr schnell zuende.

das wäre ein skandal!

gewiss, denn wir wollen ja nicht nur über die angeklagten etwas erfahren, sondern wir wollen besonders auch erfahren, wie der kunstmarkt funktioniert.

wir wollen erfahren, wie fälschungen funktionieren.

wir wollen erfahren, wie fälscher den kunstmarkt überlisten und dieser sich überlisten ließ.

das geht nur, wenn der prozess stattfindet.

das geht nur, wenn wir die zeugen hören. (und wir wollen ein paar LIVE-gedichte schreiben: http://www.klausens.com/klausens-und-der-grosse-koelner-kunstfaelscherprozess.htm )

deshalb soll der prozess weitergehen, was immer richter, anwälte und staatsanwälte besprechen.

der prozess soll und muss weitergehen.

bis ins kleinste detail.

du sagtest eben: „deal“.

ja?

das erinnert mich daran, wie der angeklagte maler sagte, dass er drogen ausprobiert hatte, einige jahre. nix hartes, aber wohl doch vieles.

ein lebemann eben.

und der richter fragte alle angeklagten ganz genau nach drogen und krankheiten. das scheint wohl wichtig zu sein.

drogen und krankheiten … sollten sie zum fälschen geführt haben?

ich weiß es auch nicht recht, welches motiv dem allen zugrundeliegt. drogen und krankheiten sind offenbar bei dieser thematik sehr wichtig.

ist dir etwas aufgefallen?

ja, beide frauen haben eine krebserkrankung erlitten und wohl überstanden. das ist schon bemerkenswert: die beiden einfachen frauen aus einfachem elternhaus, die sich dann so hochgestrampelt haben im leben, bis die haft / der prozess dann wieder alles zunichte machte.

das leben ist ein auf und ab. wer möchte urteilen? – in den USA haben sie vor wenigen stunden wahrscheinlich einen unschuldigen getötet. wer möchte über all das urteilen, was der mensch in seinem wahn anrichtet?!

gefälschte bilder wirken da wie eine bagatelle.

eben: wenn man überlegt, was mit dem steuerabkommen (steuer-deal) mit der schweiz passieren soll. – was passiert mit diesen verbrechen und verbrechern, die jahrzehnte steuern nicht zahlten?

sie sollen nun saugut davonkommen, sogar finanziell mit geringerer belastung als die „redlichen“ steuerzahler … und gänzlich ohne strafe.

man fasst sich minütlich an den kopf. gerecht ist nix.

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