Die Einlassung des Krefelder Angeklagten im Kölner Kunstfälscherprozess hört KLAUSENS

klau|s|ens, nun also der vierte angeklagte bei seinen einlassungen oder auslassungen.

gewiss: sie wollten ja offen und ehrlich auspacken. (wegen dem deal! und: wegen des deals – die grammatik erlaubt ja beide fälle bei „wegen“).

der deal in diesem kunstfälscherprozess.

so die idee, weil es dann kürzer wird, nicht mehr 40 + x verhandlungstage, und weil man keine oder kaum zeugen braucht, und weil dannn die justiz schneller durch ist, mit allem. und köln auch. der kunstmarkt erst recht.

und was macht er, der kunstmarkt?

du redest so wie alle „der kunstmarkt“. als wäre das eine person, und eine gebrechliche und bedauernswerte dazu.

aber der kunstmarkt soll sich doch ändern. er soll gut werden, und anständig, und sauber, und voller guter und weiser experten, die nie auf das geld schauen.

der kunstmarkt und der bankensektor stehen sich wohl doch nicht so sehr nach: nach außen hin ist alles schick oder dezent-fein, irgendwie sauber, irgendwie reich … und doch wohnen in diesen bereichen die schlimmsten betrüger und geldmacher. sie sehen nur nicht wie bankräuber oder einbrecher oder betrüger oder hochstapler aus.

du meinst diese fälscher?

nein, nein, nicht nur … auch die, die abkauften. oder versteigerten. oder versteigern ließen. oder expertisen ausstellten. oder haben wollten.

ach, das hatten wir doch schon! dieser prozess wird die welt nicht ändern. dennoch: wir wollen alle geständnisse hören.

heute kam jedenfalls als letzter der vier der mann aus krefeld, eigentlich mal aus thüringen, aber in den letzten jahrzehnten krefeld. (zwischendurch mal ägypten, auch eine firma auf ibiza. aber eigentlich doch krefeld. wohl auch von der inneren heimat.)

ja, dieser otto s.-k.

dieser mann sollte heute als letzter „auspacken“.

tat er es?

so wie die anderen drei auch: da ist die erklärung, die ist auf papier … und in der zeit sind kaum mehr als 20 oder 25 oder 27 minuten vorgesehen. was soll in dieser spanne schon berichtet werden? (lies doch mal ein buch, und dann überlege, wie viele seiten du in der zeit von unter 30 minuten schaffst.)

so wenig wird „gestanden“, vor gericht? von der zeit?

man kann die leute ja auch nicht überfordern: die richter, die schöffen, die staatsanwälte, die verteidiger der anderen – deshalb sind diese einlassungen nie lang, sondern nur irgendwie angemessen. (man darf ja auch noch fragen stellen. später im prozess.)

und der letzte im bunde, unser krefelder, der schon 68 ist, was sagte der denn?

der sagte selber nichts.

wieso denn? ist er stumm?

er ließ vorlesen. von seinem anwalt pohlen.

der anwalt las vor?

das könnten taktische spielchen und wahrheiten sein. die idee ist: der mandant ist beschädigt. er ist krank. er ist psychisch angegriffen. deshalb kann er selber nicht lesen. so tat es sein anwalt. das lesen. (und sprach dann auch als otto s.-k.-„ich“ von dieser beschädigung des angeklagten.)

aber das wird am inhalt nichts geändert haben.

die inhalte werden bei allen vier angeklagten jeweils mit den anwälten durchgesprochen worden sein.

na also, dann ist doch die frage, welchen inhalt dieser anwalt für seinen mandanten aus krefeld vorlas.

es war nicht essentiell neues. (abgesehen von der aussage, dass er sich als haftgeschädigt bzw. „knastgeschädigt“ empfindet. u-haft ist ja auch eine besondere haftform.) aber sonst war alles sehr glatt. – nach den aussagen von wolfgang b. und helene b. konnte man noch auf echte zerwürfnisse hoffen, wenn man als prozessvoyeuer dächte … aber heute wurde alles glattgebügelt.

wie?

zum beispiel, dass er, otto s.-k, und helene b. sich nicht mochten, das beruhte auf gegenseitigkeit. ja, ja, man habe sich auch insgesamt nur 10 x etwa gesehen, in all den jahren. aber nicht mehr. antipathie. ja, ja, das ist doch normal. das kennt jeder.

wozu führt das? beim zuhören?

man sieht es als normal an: zwei menschen, deren chemie nicht stimmt, die aber über wolfgang b., den fälscher, auch irgendwie verknüpft waren und dann auch das nötigste zusammen machen mussten, sich aber doch meist aus dem wege gingen.

und der andere vorwurf, er habe erlös-geld statt an wolfgang b. in die eigene tasche gesteckt?

auch das wurde bestritten. otto s.-k. habe stets nur seine 20 %-anteil genommen und bekommen, vielleicht noch auslagen und spesen, aber er habe den wolfgang b. da nicht beschummelt.

dann ist alles rein und gut.

wenn man es „bandentechnisch“ sieht, ist alles glattgebügelt. wolfgang b. sagte später noch, es waren auch mal nur 15 % provision, die dieser otto s.-k. bekam. das habe es in einzelnen fällen auch mal gegeben. (es geht ja um 55 falschbilder, von denen 14 in diesem prozess behandelt werden. aus prozessökonomischen gründen hat man sich beschränkt.)

dann sind sich alle einig?

auf der oberfläche ist alles eitel sonnenschein. wolfgang b. wurde auch heute als der macher der entscheidungen bezeichnet.

wie?

er legte fest, welches bild wann und wie auf den markt kam. er legte den preis fest, auch mit einer gewissen spanne. und wenn der dann unterschritten wurde oder werden sollte, musste o. s.-k. immer rücksprache halten. (meistens telefonisch.)

ach so.

ja, ja, aber wolfgang b. hat sich nie aktiv mit verkaufen, mit galerien und mit auktionshäusern befasst.

aber er war der festleger.

so ist die marschroute, die auch aus den anderen geständnissen = einlassungen vorher im prozess schon deutlich geworden war.

dann ist der rahmen grob gesteckt.

das kann man sagen. die staatsanwaltschaft fragte denn auch an, ob man nicht zusammenkommen könne, im kreis der direkten prozessbeteiligten, um das mal zu bewerten, was man bis hierher gehört hat.

weshalb?

die frage ist doch, ob die einlassungen genügend offen und ausführlich sind, damit der „deal“ auch ein deal bleibt. man kann diese sache auch wieder rückgängig machen, wenn die angeklagten nicht als geständig genug scheinen oder neue vorwurfs-dinge bekannt werden.

und?

die staatsanwaltschaft hat da offenbar redebedarf.

und du?

ich schrieb „bei der linguistischen ausprägung der rechtsprechung kann es sich bisweilen um eine lockere plauderei handeln“. (Copyright Klau|s|ens in allen Schraibwaisen und Schreibweisen am 11.10.2011, Dienstag, Landgericht Köln, Saal 7) Siehe auch: http://www.klausens.com/klausens-und-der-grosse-koelner-kunstfaelscherprozess.htm

ein zitat?

ja, ab jetzt ein zitat von klau|s|ens und zweitklausens.

worauf bezieht es sich?

dass man später nach der einlassung auch locker sprach, hernach. die angeklagten konnten und wurden vom vorsitzenden richter befragt. so ging es um ein 25-meter-schiff, was wolfgang b. mal besessen hat und was auf mallorca lag. auf/in andratx (gesprochen „andratsch“).

aha.

da geht es dann auf einmal sehr locker und leicht zu, im gericht.

und was denkst du dann?

ob es die „columbo-taktik“ des richters ist? man gibt sich immer wieder jovial und allgemeinmenschlich, beobachtet aber zugleich genau die angeklagten und deren reaktionen. man baut so vielleicht die falle des verstehens auf.

aber du weißt es nicht? mit der taktik oder dem plaudern als solchem?

nein, du denn?

nein, ich weiß nur, dass morgen vollmond sein soll.

das ist mal ’ne ehrliche ansage.

HOMEPAGE VON KLAU|S|ENS: http://www.klausens.com

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