Tagesarchiv: April 14, 2015

klau|s|ens zum tod von günter grass und der idee des genutzten EGO – www.klausens.com

klau|s|ens, er hat sich breit aufgestellt, in der welt, und das dann eingesetzt und genutzt.

grass hatte gewicht und wollte gewicht haben. er spielte den großschriftsteller, er nahm diese rolle bewusst an, forderte diese, wollte diese … und nutzte dann seine position vielfach direkt und klar als politische.

er hat sich oft für die schwächsten und ausgegrenzten eingesetzt.

dafür sind wir ihm dankbar: mahnend, hinweisend, anklagend, aufzeigend, einschreitend. sich positionierend.

zugleich war es aber immer auch sein EGO, dass er so pflegte.

das persönliche und das politische passte da genial zusammen: man will im mittelpunkt stehen, im zentrum der welt, neben willy brandt und gerhard schröder,  … und hilft dabei zugleich denjenigen menschen, die eine stimme brauchen.

es gibt ja auch berühmte schauspieler, die dann nach afrika in flüchtlingslager fahren.

auch da weiß man das eine und das andere nicht zu trennen. das „gute“ und das EGO.

irgendwann erwartet(e) man geradezu, dass sich diese person günter grass jetzt mal wieder öffentlich zu dem thema äußert, das doch in der luft liegt.

und grass hat es getan. aber bisweilen auch seltsam gekünstelt. mit viel wumms. mit dem gehabe des großweisen. beispiel: das gedicht zu oder an israel hätte auch gut ein kleiner wortbeitrag in form eines kommentars in der zeitung sein können. als gedicht ist es nämlich nichts großes.

aber so hat grass sich inszeniert: das ewige EGO, was bisweilen auch nervte.

und zugleich wusste man, er spricht für die asylanten, er spricht für die kurden, er spricht für die hausbesetzer, er spricht für die hartz-IV-empfänger. er spricht für die ärmsten. dann war es auch wieder gut.

die pose wiederum, die er dann auch dabei einnehmen konnte, die war dann auch weniger gut.

so schillert und goethet grass in uns herum. das „große“ und das vermeintlich „große“ des „großschriftstellers“. beide seiten sind zu bei ihm zu finden … und die literatur (und kunst) von grass tritt auch sehr oft hinter die politische person zurück.

grass als die person, die sagt: ich will eine stimme sein, in diesem öffentlich-politischen raum deutschland. ich will das, was auch thomas mann und heinrich böll hatten. diese stimme, diese stimme. diesen einfluss, diesen einfluss. diesen rang, diesen rang.

schade nur, dass er seine jugendepisoden im III. reich unterschlug, weil er (nur) so glaubte, den nobelpreis bekommen zu können. wäre das alles schon früher von ihm publiziert worden, hätte kein stockholm jemals an ihn den preis vergeben können. (und das ist dann dann verdammt wenig größe.)

und diese verschweigens-schwäche wird ihm jetzt als mantel des menschlichen ins grab gelegt. an günter grass kommt man nicht vorbei, zumindest in deutschland … auch wenn er jetzt ewig schweigend aus einer anderen welt mahnt.

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