klau|s|ens collagiert oder kollabiert alles beim erinnern 70 jahre ende weltkrieg II. – www.klausens.com

klau|s|ens, wir leben im erinnerungshypergetue.

das haben gewisse jahrestage so an sich: man hört und liest so viel, dass man nachher dann doch nichts gelesen hat und gehört hat. (gesehen dann auch nicht.)

das wäre die inflation.

die information als inflation … und das bewirkt dann oft das gegenteil.

aber du erinnerst dich doch auch, heute.

ich muss, denn der 8. mai wird mir überall um die ohren geknallt. den bekommt der bahnstreik nicht weg (ist der noch? der bekommt ja kaum noch berichte.), der KITA-streik bekommt den 8. mai nicht weg, die wahl in großbritannien bekommt den 8. auch nicht weg.

und die flüchtlinge, die gerettet werden, oder die, die sterben?

die bekommen den 8. mai auch nicht weg.

warst du denn im krieg?

nein, ich bin zu jung.

aber du kennst den krieg?

nein, ich sehe nur die kaputten städte, die heute kaputten städte.

wie meinst du?

wandere durch köln, wandere durch braunschweig, wandere durch würzburg, wandere durch essen, wandere durch alle städte, die mehr oder minder getroffen wurden.

was ist dann?

dann ist da alles fies, also vieles fies.

man musste ja schnell (auf)bauen.

eben: schnell bauen, teilweise wurden schneisen in die städte geschlagen, weil ja dann auch die autos kamen. und unendlich viele schnelle und funktionale gebäude. dazu niedrige decken, dass man ersticken könnte, in den bauten zum wohnen aus den 50er jahren.

das hat sich bis heute gehalten.

auch das: es entstand die idee des geldoptimierten bauens … und private bauherrn in den städten überschlagen sich ja heute noch, schnell und billig und hässlich und fies zu bauen.

so weinst du also um die städte … weniger um die toten?

mir tun die toten leid, klar, aber ich habe es nicht erlebt, ich kenne alles nur indirekt. also tun mir die toten abstrakt leid, mehr vom kopf. deshalb kann ich nur „mitfühlen“, richtig trauern kann ich nur um die städte, die ich heute noch sehe und selber erlebe: in ganz europa, eigentlich in aller welt. kaputte städte, wiederaufgebaute und dann auch oft „kaputte“ städte.

wir sehen heute bilder aus syrien … und wissen jetzt schon, wie es selbst in 70 jahren sein wird/werde/würde, falls man es nun alles aufbaute und es in syrien keinerlei krieg mehr käme.

das wäre ein beispiel: ja. die städte sind teilweise so sehr hässlich, die man sich dann neu zusammengeklöppelt hat, nach den kriegen, aus der not geboren, aber eben auch aus dem dumpfen empfinden für den menschen, für das bauen, für das wohlfühlen … das man nichts retten kann. (in meiner lebenszeit werden diese städte in der tendenz verdammt hässlich bleiben.)

man lebt seine jahre ab, weiß aber dass alles rettungslos geworden ist, rein von der architektur gedacht.

und das ist das tragische: alle anderen völker, die jetzt (aktuell) durch trümmer laufen, die sagen sich: was denkt der an die architektur? – wir haben nichts zu schlafen, nix zu trinken, nix zu wohnen, nix zu essen, nix zum leben.

so sehen die einen das und die anderen dies.

und irgendwo anders in der welt springen reiche menschen auch jetzt noch ungehemmt und von allem losgelöst in ihre privaten pools … und werden gleich auch noch fruchtige cocktails einnehmen.

und irgendwo auf dem mittelmeer treiben schiffe mit menschen und in nepal wimmern kinder in den krankenhäusern, auch auf den straßen. und: erwachsene weinen auch.

das alles ist krieg und kein krieg und nicht mehr krieg und doch noch krieg … und dann im reichen deutschland klagt ein blogger über die versaute architekter fast aller städte, weil sie fast alle schon im krieg (den sie, oh deutsche, selber anzettelten) ausgelöscht wurden, kaputt und bumms und wieder kaputt.

und dein bild? das kunstbild?

unser bild, zweitklausens, es ist ein löwenzahn als pusteblume, aber als nasse pusteblume. frisch eingenässt vom regen. eine nasse pusteblume ist etwas ganz besonderes. und diese kommt nun in der collage aus dem asphalt, aber asphalt der gerade eben gelegt wurde, über den im moment noch die dampfwalze fährt. asphalt ganz frischer art. das neue.

und diese beiden bilder: nasse pusteblume und nasser, frischer asphalt: die hat man kombiniert.

die haben wir kombiniert.

ja, ja, wir beide: unser kleiner beitrag zu 70 jahren „stunde null“.

es gibt viele facetten.

das meine ich auch. zu krieg könnte man 1 million blogeinträge schreiben, zur kapitulation am 8. mai 1945 (auf das datum konzentriert man sich ja bei uns) gäbe es natürlich auch 1 millionen blogeinträge.

aber es dampft die nasse pusteblume auf dem frischen asphalt = asfalt.

ich schäme mich.

ich weiß. etwas mehr betroffenheitsgetümel hatte ich doch erwartet. (aber herr gauck hat ja schon so viel dazu gesagt. herr gauck.)

soll ich jetzt kollabieren? oder doch lieber mein kunstwerk collagieren?

das kunstwerk ist doch schon da im blog. danke für die symbolik, danke: früher war ja immer unter dem pflaster was … nun also unterm nassen asphalt. wir werden alles mit asphalt überziehen, was noch irgendwie atmen kann.

und die pusteblume siegt dann? glaubst du das?

nee, natürlich nicht. die wird im asphalt konserviert.

klausens-collage-zum-ende-des-krieges-II-70-jahre-asphalt-und-kunstfoto-nasse-pusteblume-8-5-2015-96-dpi

HOMEPAGE VON KLAU|S|ENS: http://www.klausens.com

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