Tagesarchiv: Juni 1, 2016

klau|s|ens zum tod von rupert neudeck – www.klausens.com

klau|s|ens, er wird uns fehlen.

das schreiben und sagen sie immer, wenn bekannte menschen sterben.

nein, ich meine es konkret: wie oft haben wir rupert neudeck gehört: der war im sudan, der war in afghanistan, der war in asien.

immer hat er sich auch in die medien hinein gemeldet, gern über den deutschlandfunk, für den er früher gearbeitet hatte.

man selber sitzt morgens früh in deutschland (oder liegt noch im bett) und rupert neudeck berichtet derweil agil und intensiv aus und von den brandherden dieser welt. vielleicht sitzt/saß er gerade mit einem satellitentelefon vor einem zelt.

er war eine andere art von peter scholl-latour.

weltuniversell, ja, allreisend, ja, überall mal, ja, aber neudeck hatte ja immer den impetus, den armen, entrechteten und ertrinkenden diese welt zu helfen. (andere wollen sich immer nur bereichern.)

und war er ganz anders als der journalist scholl-latour, der ja zuerst beobachtet hat, weil das sein beruf war.

neudeck wollte immer auch handeln. eingreifen. verändern.

seine stimme hatte bisweilen etwas scharfes und schneidendes.

die sache der vergessenen dieser welt war zugleich sein eigenes leben.

es war etwas besessenes daran, aber auch etwas unermüdliches. (er hatte auch etwas vom petra-kelly-gen.)

man wusste: neudeck wird sich melden, so oder so.

man kannte seine stimme. man kannte sein gesicht.

neudeck wurde uns zum lebensbegleiter, gewissermaßen. wir glaubten nicht an gott, wir wollten keine pfarrer – aber neudeck war uns im täglichen leben irgendwie wichtig.

ja, durch ihn haben wir jahr um jahr, tag um tag, gehört, was wie wo falsch läuft. in wenigen sätzen hat er alle fronten und beteiligten einer lage analysiert und immer überlegt, wo man zu drehen und zu agieren habe, falls man in bestimmten konstellationen überhaupt etwas verändern oder verbessern konnte. angeklagt hat er auch. wachgerüttelt.

bisweilen war er auch mal pessimistisch, weil er die realität vor ort so einschätzen musste.

dann aber raffte er sich wieder auf und sagte dieses und jenes, was dennoch unbedingt zu tun sei.

da müssten konvois durchgelassen werden, dort seien weitere zelte aufzurichten, hier müsse das bomben gestoppt werden. umgehend und dringend und sofort!

ganz unermüdlich, ewig andauernd.

man konnte sich nicht vorstellen, dass er älter würde.

immer drahtig, immer reisend …. und immer wieder im telefonbericht oder -interview im deutschlandfunk zu hören. ein begleiter unseres lebens.

mal abgesehen von seiner lebensleistung insgesamt, wobei dieses eine schiff und sein besonderer mut ihn so berühmt machten.

cap anamur.

ob er an einem kap ins meer verstreut werden wird?

oder ob er ganz bescheiden, wie er privat lebte, in troisdorf zu grabe kommen wird?

ein anderer mutiger, günter wallraff, nahm sogar das wort „heiliger“ in den mund.

und es gäbe manchmal auch menschen, die man wirklich nicht ersetzen könne. neudeck sei einer, den man nicht ersetzen könne.

mir wird neudeck fehlen, die stimme im radio … an der welt und ihrem gewissen nagend, nie ruhe gebend. (auch in meinem innern schuld auslösend, schuldgefühle, auch weltzweifel.)

manchmal anstrengend, aber sehr notwendig auch: so einer.

wir erinnern noch an seinen bart, auch etwas wie das markenzeichen. (ein evangelischer bart? aus dieser tradition gespeist?)

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