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Den Sendeschluss von 9LIVE als CALL-IN-Sender am 31.5.2011 verfolgt KLAUSENS

klau|s|ens, du hast also das ende von 9LIVE als call-in-sender live verfolgt?

es war mir ein genuss. bis 24:00 uhr.

wirklich?

man muss sich diese menschen anschauen. sie hatten ja dann eine „party“ im sender, und diese haben sie LIVE übertragen. am ende hatte man also partyberichterstattung. an jenem 31.5.2011. und das war sehr aufschlussreich.

fandest du?

die haben immer gesagt, wie toll alles war, wie toll es im sender war, diese jahre, welche tolle familie der sender war, und haben auch die mitarbeiter-/innen befragt, die sonst hinter den kameras agieren.

das ist doch schön!

denkt man, aber wenn man es sieht: es war eigentlich ein großer abgefuckter haufen, der da in den weiten, leeren welten der so groß wirkenden senderräume unterging. alle standen verloren da, viele mit bierflaschen in der hand. teils angetrunken, manche schon betrunken. von party und feiern war kaum etwas zu merken, von verlorenheit und alkoholüberkonsum und zynismus umso mehr.

es hat dir nicht gefallen?

ich fand es befremdlich. es hatte etwas kaltes, etwas abweisendes, etwas verkommenes. es war wie ein schützenfest, nur ganz anders: eine eigene kultur von fernsehsendern, die sich mit fragwürdigen geschäften über wasser halten und dann die letzendlichen (formalen) niederlagen „feiern“.

fragwürdig?

würdest du CALL-IN anders bezeichnen wollen?! man müsste eigentlich noch viele schlimme adjektive drauflegen, aber man will sich nicht noch mit dem rechtssystem anlegen, wo 9LIVE diese armut an moral und sonstigem endlich, endlich eingestellt hat. (aber das nur, weil die verschärften rechtsvorschriften dann die profite gesenkt hatten, wie es scheint.)

du meinst das CALL-IN-prinzip.

genau das. und diese moderatoren und moderatorinnen wirken an jenem 31.5.2011 wie winselnde tiere, die unbedingt im fernsehen sein wollen. unbedingt … und die charakterlich so bedürftig sind, die sich an den alkohol klammern, die worte dahinsabbern, und bei denen „feiern“ nur rumstehen und rumhängen meint. mit karaoke versuchen sie hilflos, „stimmung“ herzubekommen. und immer gilt das hecheln und flehen: ICH WILL IN DIE KAMERA!

du fandest diesen abschied also ungewöhnlich?

ich fand ihn bezeichnend. was kann aus einer verrotteten kultur anders entspringen als verrottete feiern? diese dann noch LIVE zu zeigen und sich gegenseitig zu sagen, wie toll und klasse und super man war .. also da passten gesehenes bild und ton kaum zueiander.

fandest du?

man hatte fast den eindruck, es ist eine gnade, dass diese verkommene gemeinschaft nun nicht mehr jeden tag sprüche klopfen muss. nicht LIVE im fernsehen, aber auch nicht untereinander in den kulissen. diese witze dann zueinander, diese gemeinen witze über dümmliche hörer und hörerinnen. nun sind sie davon befreit! der herrgott hatte ein einsehen! ein stück von schlimmster kultur ist verschwunden, allerdings nur … um woanders dann fortgesetzt zu werden.

dann hat man diese menschen nun befreit?

nein, leider nicht, denn sie behalten ja diese innere einstellung von EGO, EGO, EGO und ABZOCKEN, ABZOCKEN, ABZOCKEN weiter. die wenigen menschen mit klon-rest-herz grüßen dann noch die mutter, aber scham haben sie dennoch keine. diese doppelmoral! unglaublich. man sollte sie von allen familienfesten ausschließen, bis dass sie buße fürs CALL-IN-machen und -mitmachen getan haben. (dazu wird es kaum kommen.)

es soll mörder geben, die weinen, wenn der goldfisch stirbt.

das ist dieses gespaltene, was uns alle als menschen auszeichnet. wir sind alle widerlich. da können wir beide, klau|s|ens und zweitklausens als halbklausens, uns leider (auch) nicht ganz von ausnehmen. wir versuchen etwas besser zu sein, aber „mensch als tier“ sind wir dennoch.

wovon können wir uns denn ausnehmen?

von diesem widerwärtigen schauspiel, welches 9LIVE zum abschied noch bot. ein stück LIVE-fernsehgeschichte, aber im schlechten. an jenem 31.5.2011.

RTL II und SUPER RTL stehen bestimmt schon schlange, um das miese bild dann auf ihren sendern fortzusetzen.

BIG BROTHER hat moderatoren/-innen für 9LIVE ausgespuckt … diese schiene des verkommenseins ist sehr eng. überhaupt: das deutsche fernsehen ist voll von verluderung. die kultur des geldes, der beleidigung, der oberflächlichkeit, der menschenverachtung wird jahr um jahr stärker und stärker. es ist ein jammer.

und du hast dir das am 31.5.2011 alles reingezogen?

es hat mir fast schon genuss bereitet – verkommen sei der mensch, auch der voyeur, der sich berauscht, wenn menschen besonders widerwärtig daherkommen. ich habe mich an den abgründen der menschen um und von 9LIVE-CALL-IN berauscht. nicht an denen der anrufenden, sondern an denen der machenden! – ach, welche welt ist das nur?! wir beide gehören irgendwie dazu, wider willen. also mit widerwillen.

du hast SERIELLOS gemacht?

gewiss, wir beide, zweitklausens: z.b. JÜRGEN MISLKI in seiner letzten sendung für 9LIVE als CALL-IN am 31.5.2011 so zwischen 20:05 und 20:08 uhr etwa, wenig später war er weg, um dann bei der „party“ noch zu erscheinen. und ganz am ende. diese (nun ex-)moderatoren/-innen-clique von 9LIVE ist eine ganz seltsame truppe. http://www.klausens.com/seriello-juergen-milski.htm

das schlechte aber bleibt. so ist das leben!

ja, auch wir bleiben! und unser offener brief: http://www.klausens.com/klausens_offener_brief_an_juergen_milski.htm

man sagt, jürgen milski alias „der jürgen“ sei durch diesen brief von uns ein ganz anderer mensch geworden.

ja, ich weiß: deshalb er hat er bis zum letzten tag LIVE auf 9LIVE gesendet. er möge eines fernen tages in einem sarg aus geldscheinen liegen.

… und wenn der dann bespuckt wird, der sarg?

… dann hat er immer noch „15 EURO SICHER“, sofern der herrgott ihn bis zum himmel durchstellt. man muss nämlich auch im tode die leitungen 17, 23, 267, 30198 „im richtigen moment“ treffen. ist doch klar!

HOMEPAGE VON KLAU|S|ENS: http://www.klausens.com

Das Sendeende von Call-In und Jürgen Milski et al. am 31.5.2011 auf 9LIVE sieht KLAUSENS

klau|s|ens, gestern war es so weit: sendeende für alle CALL-IN-spiele und LIVE-spiele auf 9LIVE. (sie ließen gestern noch tiere mit E raten. ich kam spontan auf „trüglein“.)

musste das E bei den tieren nicht am ende sein? hast du es nicht kapiert? – also: ja, das aus für CALL-IN bei 9LIVE alias 9 LIVE. das sind die kleinen siege.

wieso denn?

haben wir nicht wie andere immer wieder beklagt, was da abgeht, was da abläuft, wie die menschen verführt und belogen werden? http://www.klausens.com/klausens_offener_brief_an_juergen_milski.htm

gewiss, aber die welt ist voll des bösen.

es gibt morde und es gibt die kleinen miesen geschäfte.

alles ist verwerflich.

der mensch ist verwerflich, also auch wir. das aber darf nicht dazu verführen, alles zu verharmlosen. ein kleiner betrug dort, ein anderer hier. holla, ist das leben schön. – so soll es nicht sein.

du fandest CALL-IN inhuman?

ja, ja, und ich finde es sollte komplett verboten werden. das CALL-IN.

aber 9LIVE hat es doch eingestellt, am 31.5.2011, also gestern.

auf anderen sendern geht es noch weiter, z.b. SPORT 1 … diese sender müssen dafür auch angegriffen und bedrängt und bezichtigt werden.

aber jetzt feiern wir das ende von 9LIVE in der alten call-in-form.

ja, das tun wir. der von uns 2008 öffentlich zum rücktritt aufgeforderte jürgen milski hat natürlich bis zum 31.5.2011 weitergemacht. bis zum bitteren ende.

er war gestern noch auf sendung?

gewiss. das sind menschen, die sich zu nichts zu schade sind. alles dient dem EGO, dem eigenen erfolg, dem gewinn, dem geld, der bereicherung. jürgen milski ist einer davon. diese menschen muss man sich merken.

wer waren denn die moderatoren?

am 27.5.2011 waren auf der homepage von 9LIVE diese menschen vermerkt:

Robin Bade
Frank Brendel
Meike Busch
Anna Heesch
Beate Igel
Tina Kaiser
Alida Kurras
Dirk Löbling
Norman Magolei
Jürgen Milski
Max Schradin
Thomas Schürmann
Sascha Sirtl
Marc Wagner

und?

man muss sich diese namen einprägen. ich denke, dass diese menschen keinen anderen platz zum moderieren mehr finden sollten, denn sie hätten stets freiwillig zurücktreten können, aber sie taten es nicht. (dennoch wird es in teilen anders kommen, fürchte ich. man wird sie wiedersehen, zumal sie alle so geil auf öffentliches auftreten sind. GEIZ IST GEIL! abzocke ist geil! betrüger sind geil! geldwegnehmer sind geil! unredliche menschen sind geil!)

milski hat insgesamt wohl 6 jahre diese sendeform auf 9LIVE betrieben.

man sprach bezogen aufs ganze (nicht auf milski) von nahezu 10 jahren, die es all das als sender schon gibt, aber wahrscheinlich wird dann TM3 als vorgängersender noch mit einberechnet. aber es waren deutlich zu viele jahre. diese geld-lock-raus-mit-dubiosen-methoden-jahre.

warum macht 9LIVE denn nun mit dem abscheulichen call-in schluss?

der grund scheinen die eingebrochenen gewinne gewesen zu sein. nachdem die vorschriften endlich, endlich etwas verschärft worden waren (Satzung der Landesmedienanstalten über Gewinnspielsendungen und Gewinnspiele -Gewinnspielsatzung- vom 12.11.2008, in Kraft getreten am 23.02.2009), lief es schlechter und schlechter. am ende musste dann der profit schreien: „ich bin nicht mehr genug da!“ – dann haben sie es gestern in der jetzigen form abgeschaltet.

toll!

das ende?

ja, dieses ende ist ein kleiner, kleiner erfolg für alle menschen, die für/um eine etwas bessere welt ringen – aber dass diese moderatoren/-innen diese sendungen überhaupt machen durften und dann dennoch als „anständige menschen“ durch die öffentlichkeit gingen. das war schon eine schlimme sache. milski durfte ja mehr- und zigfach z.b. bei herrn raab auflaufen.

ja, herr raab, das ist auch so einer, der … die welt ist voller „anständiger“ menschen, die genau das gegenteil sind. wir erinnern aktuell nur an den fall blatter und die FIFA.

deshalb nehmen andere dieses recht auch für sich in anspruch.

fast alle menschen nehmen das recht in anspruch, zu betrügen, zu lügen, abzuzocken, zu mobben, zu fälschen, usw. usf. … und sie berufen sich dann darauf, dass „es ja alle machen“.

du hasst diese menschen?

ich hasse „fast alle menschen“.

jürgen mislki?

tut mir eher leid. mein offener brief an ihn bleibt ein mahnmal aus der welt der gutmeinenden. http://www.klausens.com/klausens_offener_brief_an_juergen_milski.htm

ich hasse die gutmeinenden.

ich doch auch.

na also: dann lass uns überlegen, wen und wie wir betrügen. ich will dazugehören. ich will zu dieser welt dazugehören.

wir könnten beim kiosk anfangen: wir zahlen eine zeitung, haben aber absichtlich zwei gegriffen.

au ja: was bist du nur für ein toller mensch!

al capone soll auch seinen hund gestreichelt haben. sieh nicht alles so einseitig.

darf ich auch mal wieder an adolf und schäferhund „blondi“ erinnern. wurde nicht auch da gestreichelt?

zärtlich ist diese welt – und 9 LIVE war eher eine therapeutische einrichtung als eine instanz des abzockens. es ist alles eine frage der sichtweise.

jürgen milski wird ja als prophet angesehen.

ja: der wahren und und vollkommen abtörnenden welt. es ist die religion des „solange es mir mir mir mir mir mir mir mir besser geht, …“

das wäre ein schöner stampfschlager für ihn! MIR, MIR, MIR, MIR, MIR, MIR, MIR!

soll ich jetzt für ihn texte schreiben?

mach es doch! moral ist von gestern! und wer will schon von gestern sein?!

HOMEPAGE VON KLAU|S|ENS: http://www.klausens.com

Fast alles zu Jörg Kachelmann findet KLAUSENS gesagt

klau|s|ens, es ist fast alles gesagt.

ich weiß. was sollen wir noch sagen?

lass es doch!

kachelmann wurde freigesprochen. aber der freispruch sagte, dass es nicht genug gab, um ihn zu verurteilen.

sicher, sicher. so ist das recht.

sollen wir uns auf eine seite stellen?

nach dem, was wir gelesen und erfahren haben, musste das urteil genauso ausfallen.

recht ist recht.

die beweislage war so. wir stimmen dem gericht zu. das urteil in AUSZÜGEN im wortlaut. KLAUSENS zitiert dpa.

Zitiert wird der Vorsitzende Richter, Michael Seidling.

ZUM FREISPRUCH:

“Der heutige Freispruch beruht nicht darauf, dass die Kammer von der Unschuld von Herrn Kachelmann und damit im Gegenzug von einer Falschbeschuldigung der Nebenklägerin überzeugt ist. Es bestehen aber nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme begründete Zweifel an der Schuld von Herrn Kachelmann. Er war deshalb nach dem Grundsatz “in dubio pro reo“ freizusprechen.“

ZUR KRITIK AM GERICHT UND AN DER STAATSANWALTSCHAFT:

“Der Kammer zu unterstellen, sie sei nicht bestrebt, die Wahrheit herauszufinden und sie stattdessen mit dem Vorwurf zu überziehen, sie verhandele, bis etwas Belastendes herauskomme, ist schlicht abwegig. Im Ergebnis wird damit meinen Kollegen und mir jegliche Professionalität und jegliches Berufsethos abgesprochen. Es bleibt der ungerechtfertigte, dem Ansehen der Justiz schadende Vorwurf im Raum stehen, Richter seien bei Prominenten bereit, zu deren Lasten Objektivität, richterliche Sorgfalt und Gesetze außer Acht zu lassen. Gleiches gilt im übrigen für die Staatsanwälte.

Gerade der vorliegende Fall steht in seiner Komplexität exemplarisch dafür, dass mit vertretbaren Erwägungen unterschiedliche Sichtweisen denkbar sind. Den Vertretern der Staatsanwaltschaft deshalb pflicht- bzw. gesetzeswidriges Verhalten zu unterstellen, ist eines Strafprozesses unwürdig. Die – wenn auch hart geführte – Auseinandersetzung in der Sache setzt immer auch den respektvollen Umgang miteinander voraus. Diesen hat der Verteidiger des Angeklagten häufig vermissen lassen. Dass angesichts der Verdachtslage ein Ermittlungsverfahren einzuleiten, Anklage zu erheben und das Hauptverfahren zu eröffnen war, ist bei objektiver Betrachtung der gesamten Aktenlage – und nur auf die kommt es bei den vorgenannten Entscheidungen an – nicht zu bezweifeln. Auch das Oberlandesgericht Karlsruhe hat dies nicht anders gesehen.“

ROLLE DER MEDIEN:

“Die Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut. Aber auch sie kennt Grenzen. Diese Grenzen existieren offensichtlich im Internet nicht. Vorwiegend hinter der Fassade der Anonymität wurden im Verlauf des Verfahrens in den Meinungsforen, Blogs und Kommentaren im Internet die Persönlichkeitsrechte des Angeklagten, der Nebenklägerin, aber auch des Gerichts und der Verfahrensbeteiligten immer wieder mit Füßen getreten, ohne dass die Möglichkeit bestanden hätte, sich dagegen in irgendeiner Weise effektiv zur Wehr zu setzen. Auch angeblich Sachkundige konnten nicht der Versuchung widerstehen, ohne Aktenkenntnis und ohne an der Hauptverhandlung teilgenommen zu haben, häufig aber auf der Grundlage unvollständiger und fehlerhafter Medienberichte per Ferndiagnose ihre persönliche Meinung zum Besten zu geben, die in der Regel nichts mit sachlicher Kritik zu tun hatte, sondern häufig nur Klischees bediente.

Die Pressefreiheit zählt wie die Meinungsfreiheit zu den elementaren Grundrechten. Die Gerichte haben bei ihrer Tätigkeit die Pressefreiheit zu respektieren und den Medien eine angemessene Berichterstattung über das Verfahren zu ermöglichen. Gerichte müssen und sollen damit leben, dass sie durch die Medien öffentlicher Kontrolle unterliegen. Umgekehrt aber ist es Aufgabe der Presse, vollständig und sachlich zu berichten, dem Leser damit die Möglichkeit zu geben, sich unvoreingenommen eine Meinung zu bilden und dabei die Würde des Gerichts und der Verfahrensbeteiligten zu achten. Statt der gebotenen Zurückhaltung gegenüber einem laufenden Verfahren prägten vorschnelle Prognosen, das einseitige Präsentieren von Fakten und mit dem Anschein von Sachlichkeit verbreitete Wertungen die Berichterstattung. Diese mögen zwar als Garant für Schlagzeilen und Verkaufszahlen dienen; der Wahrheitsfindung in der Hauptverhandlung sind sie jedoch in hohem Maße abträglich.

Sie erzeugen Stimmungen, wo Sachlichkeit gefragt ist; letztlich vertiefen sie den mit der Durchführung eines Strafverfahrens verbundenen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte des Angeklagten und der Nebenklägerin in nicht gerechtfertigter Weise. Vor allem aber erschweren sie die Akzeptanz eines Richterspruchs in der Öffentlichkeit und schaden damit dem Ansehen der Justiz.

Mit Befremden hat die Kammer die Aufrufe an die Bevölkerung registriert, im Wege der Abstimmung über Schuld und Unschuld des Angeklagten zu entscheiden. Damit verkommt das Gerichtsverfahren nicht nur zu einem reinen Event; vielmehr werden Entscheidungen von Gerichten, denen nicht selten eine hochkomplizierte Entscheidungsfindung vorausgeht, in der öffentlichen Wahrnehmung mit dem Merkmal der Beliebigkeit behaftet. Dass auch dadurch dem Ansehen der Justiz in der Öffentlichkeit massiver Schaden zugefügt wird, liegt auf der Hand.

Mit öffentlicher Kontrolle der Gerichte durch die Medien hat diese Form der Medienarbeit nichts zu tun. Der Kammer ist bewusst, dass die Arbeit der Medien im vorliegenden Verfahren unter erschwerten Bedingungen stattfand. Durch den wiederholten Ausschluss der Öffentlichkeit war es den Medienvertretern nicht möglich, sich ein vollständiges Bild vom Ablauf und Inhalt der Hauptverhandlung zu machen. Dies hätte jedoch umso mehr Anlass zur Zurückhaltung bei der Berichterstattung sein müssen. Die Kammer hätte vor allem in diesem Zusammenhang von Seiten der Medien mehr Verständnis für die Belange des Strafprozesses erwartet. (…)

Ob einer Hauptverhandlung für die breite Öffentlichkeit ein ausreichender Unterhaltungswert zukommt, ist für die Beurteilung der Schuldfrage und damit für die Gestaltung der Hauptverhandlung ohne Belang. Das Gericht ist bei der Durchführung der Hauptverhandlung nicht der Befriedigung des Sensations- und Unterhaltungsinteresses verpflichtet.

Die medienwirksam vorgetragene Kritik des Verteidigers am Ausschluss der Öffentlichkeit ließ vordergründig den Eindruck entstehen, die Kammer habe bis zu seinem Auftreten ohne sachliche Rechtfertigung die Öffentlichkeit in exzessiver Weise ausgeschlossen. Dass sich drei Zeuginnen durch Interviews ihrer Persönlichkeitsrechte – jedenfalls teilweise – begeben hatten, verstärkte diesen Eindruck. Ohne Zweifel haben diese drei Zeuginnen und die entsprechenden Medien durch ihr Verhalten dem Ablauf der Hauptverhandlung geschadet. Abgesehen davon, dass die weit überwiegende Anzahl der unter Ausschluss der Öffentlichkeit vernommenen Zeuginnen keine Interviews gegeben und damit Anspruch auf Wahrung ihrer Persönlichkeitsrechte hatten, geht die Kammer nicht davon aus, dass der Angeklagte oder sein Verteidiger ernsthaft gewollt hätten, dass das Beziehungs- und Intimleben des Angeklagten der Allgemeinheit in allen Einzelheiten durch eine Vernehmung der Zeuginnen in öffentlicher Verhandlung zugänglich gemacht worden wäre.

Im Ergebnis steht deshalb außer Frage, dass der wiederholte Ausschluss der Öffentlichkeit sachlich gerechtfertigt war. Er diente allein dazu, die Persönlichkeitsrechte der Beteiligten, auch die des Angeklagten zu wahren und die Wahrheitsfindung in geordneten Bahnen ablaufen zu lassen.

Auf der anderen Seite hat die Kammer aber auch gesehen, dass einige Medienvertreter – wenn auch eher eine überschaubare Anzahl – durchaus sachgerecht und ausgewogen über das Verfahren berichtet haben. Bei allem Verständnis für die Belange der Medienarbeit erhofft sich das Gericht, dass die Medien künftig wieder mehr Verständnis für das vorrangige Interesse der Justiz an der ordnungsgemäßen Durchführung eines Strafverfahrens entwickeln. (…)“

SCHWIERIGE BEWEISAUFNAHME:

Der Vorsitzende Richter wies darauf hin, dass nicht nur die Nebenklägerin, sondern auch der Angeklagte nach Überzeugung der Kammer in einigen Punkten die Unwahrheit gesagt haben. Er hob jedoch hervor: “Dass sie in einzelnen Punkten die Unwahrheit gesagt haben, macht sie unter Berücksichtigung der weiteren Beweisergebnisse angreifbar; dass sie deshalb insgesamt die Unwahrheit gesagt haben, lässt sich mit dieser Feststellung nicht belegen.“

In diesem Zusammenhang verwies er auf die Ausführungen in einem juristischen Lehrbuch, in dem sich bezogen auf das Sprichwort “Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht und wenn er auch die Wahrheit spricht“ folgender Hinweis findet: “Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, stets anzunehmen, dass jemand der in einem Nebenpunkt lügt, auch im Kernpunkt die Unwahrheit sage.“

Weiter erklärt der Vorsitzende:

“Angesichts des Umstandes widersprechender Angaben des Angeklagten und der Nebenklägerin sowie angesichts der Feststellungen, dass beide in Teilbereichen nachweisbar die Unwahrheit gesagt haben, stellt sich die Frage, ob durch außerhalb der Aussagen liegende Beweise begründete Anhaltspunkte für die Richtigkeit der einen oder anderen Schilderung der Ereignisse nach dem Ende des Trennungsgesprächs gefunden werden können. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass keiner der außerhalb der Aussagen liegenden Beweise für sich gesehen geeignet ist, die Schuld oder gar die Unschuld des Angeklagten zu belegen. Es ist vielmehr festzuhalten, dass die objektive Beweiskette in die eine wie in die andere Richtung immer wieder abreißt. Die unzureichende objektive Beweislage lässt sich auch durch die von dem Vertreter der Nebenklage in seinem Plädoyer aufgeworfenen Sinnfragen nicht auffüllen. Diese zu Recht in den Raum gestellten Sinnfragen belegen zwar begründete Zweifel an einer Falschbeschuldigung durch die Nebenklägerin; die Zweifel an der Schuld des Angeklagten können sie jedoch nicht ausräumen.“

SCHLUSSWORT:

“Wir sind überzeugt, dass wir die juristisch richtige Entscheidung getroffen haben. Befriedigung verspüren wir dadurch jedoch nicht. Wir entlassen den Angeklagten und die Nebenklägerin mit einem möglicherweise nie mehr aus der Welt zu schaffenden Verdacht, ihn als potenziellen Vergewaltiger, sie als potenzielle rachsüchtige Lügnerin. Wir entlassen den Angeklagten und die Nebenklägerin aber auch mit dem Gefühl, ihren jeweiligen Interessen durch unser Urteil nicht ausreichend gerecht geworden zu sein. Bedenken Sie, wenn Sie künftig über den Fall reden oder berichten, dass Herr Kachelmann möglicherweise die Tat nicht begangen hat und deshalb zu Unrecht als Rechtsbrecher vor Gericht stand. Bedenken Sie aber auch umgekehrt, dass Frau (Name gestrichen) möglicherweise Opfer einer schweren Straftat war. Versuchen Sie, sich künftig weniger von Emotionen leiten zu lassen. Unterstellen Sie die jeweils günstigste Variante für Herrn Kachelmann und Frau (Name gestrichen) und führen Sie sich dann vor Augen, was beide möglicherweise durchlitten haben. Nur dann haben Sie den Grundsatz “in dubio pro reo“ verstanden. Nur dann kennt der Grundsatz “in dubio pro reo“ nicht nur Verlierer, sondern neben dem Rechtsstaat auch Gewinner.“

aber vieles fand doch unter ausschluss der öffentlichkeit statt. ich meine, während des prozesses. z. b. diverse vernehmungen.

gewiss. aber es gab dennoch im gerichtssaal genug, die nachher das preisgaben, was unter ausschluss der öffentlichkeit eigentlich war. insofern stellt sich die frage, was ein ausschluss wann bringt.

zu viele haben zu viel geredet.

mich störten einige von der journaille. schlimm waren diese selbstdarstellungen von frau schwarzer (emma = BILD) und frau friedrichsen ( SPIEGEL). dann war noch diese frau von der ZEIT, sabine rückert, die mit dem so aaskalten und oft alle bösartigst beschimpfenden rücksichtslos-neo-verteidiger schwenn so einen engen schulterschluss pflegte … und viele andere. die haben sich so dreist produziert, dass es einen doch sich grün ärgern ließ. und sie haben alle da „mitgemacht“, sie haben hier mit JUSTIZ gespielt. und das teils sehr weitgehend.

noch schlimmer waren die bezahlten interviews mit zeugen, vorab.

ich denke, wenn man eines fordern müsste, dann

— a) dass sich frau schwarzer nicht mehr so geriert. durch ihr schreiben in der BILD und werbespots für die BILD hat sie sich x-fach unglaubwürdig gemacht. so ein mensch hat keinen status mehr, weil er seine seele andauernd an eine schein-„mehrheit“ verkauft. die BILD als vermeintliche mehrheit, die gleichzeitig immer wieder menschen mit sensationen und sexualismus und verbrechensheraufbeschwörung überzieht. frau schwarzer, die sich von der BILD hat de facto kaufen lassen, sollte schweigen und sich für immer zurückziehen. am besten in ein stadttheater, wo man ihr eine würdige rolle der ewign selbstdarstellung zuweist.

— b) es muss zeugen und der presse verboten werden, interviews zu geben bzw. zu machen, bevor die zeugenaussagen und der prozess insgesamt im gerichtssaal abgewickelt wurden. da muss es sowohl für die zeugen als auch für die verantwortlichen medien horrende strafen geben, damit das unterbleibt.

das wäre deine aufforderung zur reform des justizwesens, zweitklausens.

wir müssen verhindern, dass die prozesse schon vorher stattfinden, auf einem anderen schlachtfeld, welches dann in den prozesssaal eingreift, ja, diesen vorwegnimmt.

aber öffentlichkeit willst du dennoch!

gewiss, die lage ist heikel: öffentlichkeit und doch verbote. man muss eine geeignete lösung suchen. auch dass seitens staatsanwaltschaft und verteidigung ständig dinge „absichtslos = absichtsvoll“ an die medien gegeben werden. auch hier ist mehr zu verschließen als zu öffnen. man muss sich damit befassen. es lebe der richterbund! es lebe der richterinnenbund! tut doch was!

na, also: dann hast du ja doch noch etwas gesagt.

ich bin mir aber sicher, dass auch das irgendwo geschrieben oder gesagt werden wird. manche erkenntnisse liegen so in der luft, dass sie fast alle denken.

und kachelmann?

ist voerst frei. revision könnten kommen. aber das ganze thema an sich ist dadurch nicht durch.

das thema „vergewaltigung“.

das thema: schutz der opfer, die ja zumeist die frauen sind. da muss auch noch mehr getan werden, damit die männer sich ihre sache nie sicher werden. opferschutz ist angesagt. mehr opferschutz. viel mehr.

und wenn man ein callgirl irgendwo einschleust, um dann eine vergewaltigung anzuhängen …? der alte trick?

… ist es umso wichtiger, dass schon in der beweisaufnahme durch die polizei alles zum äußersten besser wird. man hört ja immer so viel von der spezialeinheit in new york und wie toll die sind. aber das ist auch alles gesagt.

und die kacheln?

ja, die kacheln vom kachelmann. das schillernde. das zeigen wir durch unser kunstwerk „dieser jörg kachelmann“ vom 31.5.2011, tag des freispruchs in erster instanz. ein folgenrichtiger freispruch, den wir beide unterstützen, nach dem, was wir von und über die beweislage wissen.

wir hätten richter werden sollen.

gerhard richter, der künstler. ich weiß, allein schon wegen dessen verdienst.

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