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Noch einen Nachtrag zur Ausstellung „Slow Paintings“ in Morsbroich hat KLAUSENS

klau|s|ens, du hast noch einen nachtrag? zu der ausstellung „slow paintings“? in leverkusen? genauer in morsbroich?

ja, ich muss noch mein gedicht ablegen, dass ich zum thema „slow“ schnell schrieb … ins gästebuch von morsbroich.

du schriebst schnell zu „slow“?

ist das verboten? willst du der kunst etwas verbieten?

nein, nein, aber es ist doch …

also, ich schrieb:

VOM UMGANG MIT DER ZEIT

In der Betrachtung
Der Zeit
Verging diese
Als sie nur
Dazu bereit

© Klau|s|ensĦķΩ7 Klau’s’ens=Klau(s)ens=Klausens=Klau|s|ens
Copyright Klau|s|ens in allen Schraibwaisen und Schreibweisen, u.a. als Klau/s/ens oder Klau+s+ens oder Klau~s~ens, 5.2.2010, Freitag, gegen 13:307 Uhr, 12 Sekunden gedichtet und unmittelbar in das Gästebuch eingetragen. Ort: Museum Mosbroich, Gustav-Heinemann-Str. 80, 51377 Leverkusen, Telefon: +49 (0)214 85556-0, Fax: +49 (0)214 85556-44  siehe auch: http://www.klausens.com/kunstgedichte.htm

und nun?

nun wollte ich noch hinweisen … auf mein neues bild unten.

ist das nicht das bild von gestern?

ja, aber sehr bearbeitet.

und nun?

nun heißt es „slow slow morsbroich leverkusen“.

dann ist ein weiteres „slow“ hinzugekommen.

das ist richtig.

was machen wir damit?

siehst du auf dem bild die feinen grauen striche?

ja!

ich habe jeden tag gewartet, bevor ich einen weiteren machte.

ach, das ist ja klug: das „slow“ kann man nicht sehen, man muss wissen, dass du jeden tag gewartet hast, um dann am nächsten tag wieder einen weiteren strich zu machen.

so hat mich das bild viele tage gekostet.

das ist schön – aber zwischen gestern und heute liegt nur 1 tag.

gewiss, gewiss.

was soll es dann?

mein bild ist eine idee für ein slow painting.

eine idee?

ja, ich habe keine lust, es umzusetzen. das dauert mir zu lang.

du meinst, also wir müssen uns vorstellen, dass die grauen striche tag um tag gemacht wurden?

ja, so meine ich das.

dann ist dein bild aus der serie „thought slow paintings“.

man könnte es so sagen, ja.

das ist wirklich ein schöner beitrag. das „slow“ wird nicht mehr betrieben, sondern nur noch gedacht. so spart man sich viel arbeit. (und zeit!)

eben – wer ist schon so bekloppt und wartet tag um tag, um noch einen strich zu ziehen … nur damit die kunstgeschichte sich entscheidet, irgendwann das bild in einer ausstellung namens „slow paintings“ zu zeigen?!?!?! wahnsinn !!!

da hast du recht – aber wer ist so bekloppt, bilder als ideen zu malen, die deshalb dann nie-niemals in einer ausstellung gezeigt werden?!?!?!

das weißt du nicht – vielleicht wird es noch eine ausstellung geben die „paintings of ‚bekloppt‘ people“ heißt … oder so. da müssten wir unbedingt mit gezeigt werden.

und was wäre mit „the genious“?

so eine ausstellung traut sich leider kein museumsmann/-frau und kein/-e kurator/-in zu. ansonsten wären wir sicherlich dabei. – ach so, noch eine nachbemerkung.

ja?

du weißt, dass es teil meines kunstwerkes „slow slow morsbroich leverkusen“ ist, dass man alle buchstaben zählt, die in den blog(g)-einträgen gestern und heute von klau|s|ens und zweitklausens bezogen auf leverkusen-morsbroich verwandt wurden?!

nein – aber ich hätte mir ja denken können, dass es noch quälereien geben muss, bevor kunst wirklich kunst genannt werden darf. das hättest du dir ruhig sparen können. also los:  1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 14, 15, 16, 17, 18, …

SCHLUSS, SCHLUSS! – gleich ruft noch der herr roman opalka an und beschwert sich über die billige abkupferei. also: ich glaube, das lassen wir lieber. es ist ja auch viel zu anstregend.

ich finde ideen, die man gar nicht ausführen muss, sowieso viel angenehmer.

ORIGINALVERSION mit Fettdruck und allen Bildern
und allen Links bei KLAUSENS BLOGG (mit 2 G !!!)
KLAU|S|ENS – LOG – W E L T L I N G
http://klausens.blogg.de

HOMEPAGE VON KLAU|S|ENS: http://www.klausens.com

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„Slow Paintings“ in Leverkusen-Morsbroich besucht KLAUSENS und hat eine Idee

oh, klau|s|ens, du warst im museum morsbroich zu leverkusen? bei „slow paintings“?

ja, ich war gerne dort.

was ist oder meint „slow“ bei bildern?

das ist die frage, die sich dem besucher vor ort nicht immer erschließt. ich zitiere das museum:

„Was passiert, wenn Maler langsam malen? Kann Zeit zum Werkstoff der Malerei werden? Welche Folgen hat das für den Betrachter? Diesen Fragen geht die Ausstellung Slow Paintings nach.

Die beteiligten Künstler sind: Tomma Abts, Ross Bleckner, Alighiero e Boetti, Michaël Borremans, Gillian Carnegie, Raúl Cordero, John Currin, Alexander Esters, Bernard Frize, Franz Gertsch, Andrew Grassie, On Kawara, Konrad Klapheck, Jochen Kuhn, Sebastian Ludwig, Michel Majerus, Fabian Marcaccio, Rodney McMillian, Jonathan Monk, Reinhard Mucha, Manuel Ocampo, Roman Opalka, Laura Owens, Magnus Plessen, Ad Reinhardt, Bernd Ribbeck, Adrian Schiess, Pablo Siquier, Andreas Slominski, Cheyney Thompson, Corinne Wasmuht, Ekrem Yalcindag

Slow Paintings konzentriert sich auf Bilder der letzten fünf Jahrzehnte, die ungeachtet der Entwicklung zum ‚schnellen Bild‛ einem komplexen und lang andauernden Entstehungsprozess unterliegen. Ausgehend von einem erweiterten Malerei-Begriff, beleuchtet die Ausstellung 60 Werke von international bekannten 32 Künstlerinnen und Künstlern auf den Aspekt ihrer Zeitlichkeit hin, auf die für sie benötigte Dauer in Produktion und Rezeption.“

„Die Ausstellung wird kuratiert von Fritz Emslander, Markus Heinzelmann und Stefanie Kreuzer. Es erscheint ein Katalog im Verlag für moderne Kunst Nürnberg, hrsg. von Markus Heinzelmann (160 S., Hardcover, mit Beiträgen von Heinz Knobeloch und Wolfgang Ullrich sowie ausführlichen Künstlertexten, € 25,- an der Museumskasse, € 29,- im Buchhandel).“

es geht doch um die komponente der zeit.

ja, zeit ist in diesen bildern versteckt, aber bisweilen weiß man nicht, wie.

wieso denn?

weil man keine erläuterungen hat, wenn man nicht den katalog hat. und der katalog kostet ja offenbar 25 euro. man kann nicht immer den katalog kaufen, wenn man eine ausstellung besucht.

dann hast du also die reinen bilder gesehen?

genau das – bisweilen aber war es wie ein rätsel. das rätsel geht so: die kuratoren um markus heinzelmann vom museum morsbroich in leverkusen … die haben also jetzt bilder ausgesucht, und die haben sie unter dem markenzeichen „slow paintings“ versammelt.

ich verstehe.

ich also denke: die kuratoren haben da was im sinn, und ich stehe nun vor jedem bild und rätsele. wo versteckt sich das „slow“ denn nun? wo denn?

aber klau|s|ens, es sind doch wir beide! wir stehen vor den bildern! wir!

gut, zweitklausens: wir beide haben also gerätselt und bisweilen haben wir des rätsels lösung nicht gefunden.

was aber nicht gegen die kunst spricht!

nein, nein! es gibt die berühmten gemälde von jenem roman opalka (eines war in leverkusen zu sehen!), der immer nur zahlen malt, kleine süße zahlen, titanweiß, eine nach der anderen. er fing mal bei der 1 an und schaffte dann auf dem ersten bild viele tausend zahlen. er zählt aufwärts. mittlerweile hat er die million lange überschritten. das erste bild hieß „opalka 1965/1“. er malt mit dem kleinsten künstlerpinsel. da kann man sich vorstellen, wie lange es dauert, bis allein ein bild dann fertiggestellt ist. und er malt jahr um jahr solche bilder. zusätzlich wird der untergrund immer um 1 % heller, bis dann untergrund und zahlen irgendwann mal die exakt gleiche farbe haben: titanweiß. dann ist schluss. zahlen: sie sind sein leben. zahlen, zeit, vergänglichkeit. er hat sich dieser vergänglichkeit geopfert.

und wir schreiben nun über ihn. er ist unvergesslich. es hat sich also gelohnt. auch finanziell, denke ich mal.

aber er selber muss sich und sein werk doch verfluchen: tag um tag, jahr um jahr, zahl um zahl. es ist nur verständlich, wenn man es wie eine meditation begreift, so wie bei mönchen, die früher immer per hand bibeln kopierten. aber mir ging es nicht um opalka.

nein?

also: bei opalka kapiere ich es mit der zeit sehr gut. (denn ich kannte opalkas werk schon vorher). dennoch: hätte ich vorher nichts von seinem werk gewusst und dann in leverkusen davorgestanden, hätte ich auch noch etwas rätseln müssen, um etwas davon zu verstehen. bei vielen werken zählt nicht allein das werk, sondern das wissen um das werk und das wissen um den künstler oder auch nur das wissen vom kunstwerk selbst, welches man eventuell gar nicht erkennen kann.

du meinst z.B. diese pflastersteine von jochen gerz und kunststudenten in saarbücken, wo die namen der jüdischen friedhöfe nur unter den steinen sind. man kann sie nicht sehen. niemand kann sie sehen. man muss wissen, dass sie dort sind. die namen. als erinnerung. als mahnung.

„2146 Steine – Mahnmal gegen Rassismus Saarbrücken. In zwei Bauabschnitten wurden die beschrifteten Steine wieder ins Pflaster eingesetzt. Sie befinden sich seither, unsichtbar für den Betrachter, im Pflaster der Auffahrt als ein Mahnmal gegen Rassismus und geben zugleich Zeugnis von der unfassbaren Barbarei, die im Namen einer Kulturnation begangen wurde.

Am 23. Mai 1993 wurde das Mahnmal gegen Rassismus von Ministerpräsident Oskar Lafontaine, dem Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Ignaz Bubis, und dem Präsidenten des Stadtverbandes Saarbrücken, Karl-Heinz Trautmann, der Öffentlichkeit übergeben. Dabei wurden die Schilder zum Platz des unsichtbaren Mahnmals auf dem Schlossplatz enthüllt.Siehe hier.

genau: diese kunst entfaltet ihre kraft über das, was man von ihr weiß, obwohl man es gar nicht sehen kann.

und bei den slow paintings in leverkusen?

da gibt es auch bilder, die so sind: scheinbar unerklärlich – man rätselt: was hat denn nun so lange gedauert? musste die farbe 1000 mal trocknen? oder was war an diesem bild so zeitintensiv? … aber findet die lösung nicht. manchmal denkt man: es sind bilder, die man auch so einfach uminterpretieren kann. wenn man einmal interpretiert, biegt man sich alles auch hin.

was ist das denn für eine freche und gewagte idee? deine idee angesichts des interpretierens?

du hast irgendwelche bilder, und diese bilder müssen nun noch einen sinn bekommen. du gibst ihnen den sinn, indem du ihnen ein motto voraussetzt.

ach, du meinst ein bild im depot hat diese oder jene oberfläche, du hängst es hin, dann sagst du mein thema heißt : „GRUFT“ … und plötzlich sehen alle leute einen bezug zur gruft, obwohl diese vielleicht nie intendiert war?

genauso! – ich denke nun, man müsste eine ausstellung konzipieren, in der eine gewisse zahl von bildern hängt … nehmen wir ruhig die ausstellung in leverkusen-morsbroich. man könnte diese komplett so nehmen, wie sie ist.

und dann?

JETZT KOMMT’S: dann wechseln wir jede woche den titel der ausstellung! die ausstellung ist also exakt dieselbe, von den bildern her, aber dennoch eine ganz andere, weil die betrachter die bilder jede woche anders sehen, je nachdem, wann sie die bilder sehen. denn ein anderer Titel bedeutet eine andere interpretation. fast automatisch schon.

das ist genial !!! das ist die höchste form der revolution der kunst und revolution der erkenntnisse über die wahrnehmung von kunst !!!

eben, man kann dieselbe ausstellung als

SLOW PAINTINGS
LOVE
DEATH WHIRLING
NATURE ‚N HATE
GODS FATHERS
SOLEMNLY
DARK DUSTING WISHES
DASH
BORDER LINE
HOLLOW AND GRANT
THE GARNITURE OF WONDER
BREATHTAKING
TREE AND SILENCE
usf. usw.

betitulieren. also: wir nennen woche für woche die ausstellung anders – und immer werden menschen durch diese ausstellung laufen und sich selber und den bildern einen (neuen, jeweils wieder anderen) „sinn“ geben, den nur sie sich so machen.

aha!

hätte die ausstellung keinen namen, wie die dauerausstellung eines museums – dann würde jedes bild für sich betrachtet. dann ist es ein „einfacher dialog“ zwischen betrachter und bild. der betrachter schaut sich das bild an, schaut eventuell auf den titel … und denkt sich etwas, oder findet etwas schön, oder mag etwas nicht, oder berauscht sich an einer form, oder mag die witzigkeit, oder bewundert die klugheit des künstlers oder sinniert über den sinn des sinnierens.

und weiter?

bei einer ausstellung, die als ausstellung einem thema gewidmet ist, ändern die bilder sich. sie werden anders rezepiert.

je nachdem, wie die ausstellung heißt.

genau, dieser gedanke kam mir in leverkusen-morsbroich, wo ich bei einigen bildern nicht erkannte, da ich keinen katalog hatte, wie sich das „slow“ der „slow paintings“ erschließt.

mensch, wie recht du du hast!

und so kam ich auf eine neue revolutionäre idee.

es ist eine ausstellung, sie dauert 3 monate, also circa 12 oder 13 wochen, und sie bekommt in jeder woche einen anderen titel.

und so hast du dann eine ausstellung und auch 12 oder 13 ausstellungen gleichzeitig … und das mit dem komplett selben bildmaterial.

mensch, das könnten die doch in morsbroich direkt machen, klau|s|ens.

ich weiß – aber die in leverkusen wollen oder müssen ihre schöne ausstellung am 7.2.2010 schon beenden, bevor sie dann im märz wieder etwas anderes zur eröffnung bringen.

schade!

sicher, aber unser vorschlag, zweitklausens, der steht in der kunstgeschichte wie eine 1.

wie eine 1?

ja, warum nicht: 111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111
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das sind aber jetzt viele einsen!

siehst du: derselbe gedanke, nochmals variiert. viele einsen werden gar nicht mehr als eine 1 erkannt. so wechselt sich der sinn, sobald sich die „konnotativen verhältnisse“ ändern.

ist das ein bergiff von dir?

ja, ich wollte der kunsthistorikergilde auch etwas gutes tun.

und wo ist nun die langsamkeit in deinem bild hier unten?

dieses bild nannte ich „slow morsbroich leverkusen“.

ja, und?

siehst du es nicht?

nein!

dann weißt du jetzt, welches problem ich bisweilen bei den bildern der ausstellung hatte.

ich sehe ein auto.

gut, unten steht ein auto. hinter diesem geländer kann man es noch erahnen. das auto symbolisiert ja schnelligkeit und geschwindigkeit und damit zeit. es war ein AUDI. dieses auto wird das brautpaar abtransportieren, gleich.

ach, die haben geheiratet?

ja, siehst du das nicht?

nein!

egal, die haben geheiratet – und nun macht der fotograf von ihnen fotos auf der treppe des museums.

schön. (ich sehe keinen fotografen, allerdings).

er ist aber da – ja, die zeit hält an. die hochzeitsgesellschaft tritt aus dem bild, es bleibt nur das brautpaar, und diese fotos, es lockt das schwarze auto, was die abfahrt signalisiert. aber jetzt halten sie inne. — inne! verstehst du?!

dann sind die fotos also wie die eigentliche hochzeit?

die fotos markieren die momente, wo die beiden sehr sich selbst gehören, wenngleich sie dabei beobachtet werden. wenngleich die fotos immer auch inszenierung beinhalten. der fotograf gibt ihnen ja auch anweisungen.

dein bild (eines solchen fotos, von hinten offenbar) markiert also die hochzeit als moment des innehaltens?

so ungefähr, alles das steckt in meinem kunstwerk.

warum sagst du es denn nicht?

es steht doch hier geschrieben! du musst meinen blog immer mit in meine ausstellungen nehmen.

ach so. du willst mich ärgern, weil du dir den katalog in leverkusen nicht leisten konntest. ach so.

hätte ich mir den katalog gekauft, wäre ich nie auf die idee einer ausstellung gekommen, die einmal ist und 12 oder 13 mal anders heißt und somit 12 oder 13 verschiedene ausstellung bedeutet oder beinhaltet.

genial !!!

sag es nochmals, und dann ganz langsam, als ob die zeit anhält! lass dir ruhig zeit!

geniaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaal!

so ist es schön. nur so.