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KLAUSENS sieht Mannheimer Mahnmal zur Judenverfolgung und deren Vernichtung

klau|s|ens, du warst in mannheim?

muss nicht jeder einmal in mannheim gewesen sein?

was fiel dir auf?

ich war früher schon mal da – aber jetzt war es ähnlich: breite straßen, viel kriegszerstörung, ein beeindruckendes schloss als hauptsitz der universität, viel shopping. eine kirche, die an den berliner dom erinnerte. ein paar häuser, in den gut professoren wohnen hätten können. der wassertum. die achsen. viele autos, wegen der breiten straßen. husch, husch, husch.

so einfach, so schnell?

man hat nur wenig zeit, sieht kurz die innenstadt, vorher die popakademie – und das wars.

und was noch? die „söhne mannheims“? die nicht?

nein, eher: der aufzug zum turmcafé „stars“ und der großartige blick auf den paradeplatz. new-york-gefühl. in aller höhe.

mehr nicht?

ach, zweitklausens, nerve mich doch nicht so: mir fällt immer sehr, sehr viel auf. auch wenn ich nur minuten wo bin. aber ich will jetzt nicht alles erwähnen. es würde vielleicht langweilen.

nichts besonderes?

doch, doch, ich gehe auf der straße P2 (die haben ja schachbrettstraßensystem). und da ist der glaskubus, inmitten von all den hellen und großen kaufgeschäften, irgendwo inmitten, da sehe ich es: das „Denkmal für die vertriebenen und ermordeten Mannheimer Juden, Jochen Kitzbihler, 2003“ bzw. ich sehe einen kubus, und die spiegelverkehrten namen, das glas, das licht, und denke: es wird ein denkmal oder mahnmal sein, um an die deportierten juden zu erinnern.

version 1:
Jochen Kitzbihler konzipierte einen transparenten, leicht gekippten Glaskubus, in dessen Seiten von innen die Namen der Opfer spiegelverkehrt eingraviert sind. Der unzugängliche, aber einsehbare leere Raum mitten im geschäftigen Treiben der City macht den Verlust augenfällig. Das Lesen der spiegelschriftlichen Namen erfordert Anstrengung, wie das Gedenken an die Opfer ohne Anstrengung nicht zu haben ist – und doch werden die Schatten der Namenszüge in der Gegenwart präsent, auf dem Boden lesbar, wenn Licht durch die Glaswände fällt. Im Dunkeln bildet der Kubus ein Leuchtzeichen, das an das einstige Leuchten jüdischen Lebens und jüdischer Kultur in Mannheim gemahnt.

version 2:
Seit seiner Enthüllung im November 2003 wird das Stadtbild in den Mannheimer Planken durch den Glaskubus vor P 2 bereichert. In leichter Schrägstellung auf den Mittelpunkt des Paradeplatzes ausgerichtet, ist es unübersehbar und doch transparent, lädt ein zum Verweilen und zum Erkunden seiner Bedeutung. Häufig umstehen ihn Neugierige: Die eng mit Text beschriebenen Seitenflächen werden begutachtet und umrätselt. Ein erster Eindruck ist oft Verunsicherung, da die Schrift, nach außen hin spiegelverkehrt angebracht, nur im „Durchblick“ lesbar wird. Es handelt sich um die Namen von mehr als zweitausendvierhundert Menschen. Eine im Straßenpflaster eingelassene Tafel erläutert, dass es sich um die Namen der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus in Mannheim handelt.

und jetzt?

jetzt kommen die namen: wir gedenken derer jetzt hier im blog(g). alle namen! hier im blog(g)! jetzt! wir setzen so ein weiteres kleines zeichen.

fandest du die denn im internet? die namen?

nein. leider nicht.

dann wirst du sie alle in mannheim abschreiben müssen. vom kubus.

da steht mir ja noch ein wichtiges projekt bevor.

ich fang schon mal an: ELISABETH ELSA LEVI, das kann ich z.b. lesen, auf deinem foto schon.

und ich lese: BABETTE FERNHEIMER.

das sind schon mal zwei namen gegen das vergessen. du schriebst ja auch vorgestern darüber.

das hatte ich schon wieder vergessen.

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