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Über den Werbe-Ausverkauf der Nation an die Industrie anhand der Eishockey-Wm-Helme klagt KLAUSENS

klau|s|ens, was stört dich heute?

mich stören die helme bei der eishockey-wm, die derzeit in deutschland stattfindet.

aber warum?

da steht vorne breit und fett ein logo drauf. ganz aufdringlich, ganz unangenehm.

aber wir kennen das doch mit der werbung im sport. überall, auch auf den spielern.

aber hier sind es nationalmannschaften.

na und?

früher gab es noch hemmungen bei der nationalmannschaft.

und heute?

heute gibt es diese hemmungen nicht mehr.

hat nicht die deutsche fußballnationalmannschaft mercedes „draufzustehen“?

ich glaube, auf der trainingskleidung. auch auf dem trikot?

es ist doch am ende egal. die werbung siegt sowieso! das kapital! das leben als reiner kommerz! der geldhunger und die lebensarmut! der rausch der oberflächlichkeit. die staatsverschuldung von mindestens 1,7 billionen. alles das.

hier aber wird wieder eine hemmschwelle überschritten: die nationalmannschaft wird so deutlich und aufdringlich nunmehr verkauft, dass statt der nation nur der name des unternehmens bleibt.

es spielt gar nicht deutschland?

nein, es spielt offenbar „bauhaus“.

aha: und die russen?

die haben „gazprom“.

aha. und die finnen?

die haben, glaube ich, „finnair“.

sollen wir alle durchgehen?

nein, das langweilt mich. mir geht es um das schreiende, das grelle, das dominierende, was nun auch eine nationalmannschaft vereinnahmt.

leben wir nicht im zeitalter der globalisierung?

doch.

sind die konzerne nicht weltweit und multinational?

doch.

na, also: dann drückt es doch nur aus, was ist.

es fing alles mit jägermeister und eintracht braunschweig an.

das war in deutschland, woanders waren sie da schon früher mit aktiv.

und nun haben sie die nationalmannschaften im griff.

das spricht doch nur für eine neue ehrlichkeit.

welche denn?

das ist die ehrlichkeit der wahrheit des faktischen der weltindustrie.

und was wäre dein vorschlag?

ich würde nun die nationalmannschaften auflösen wollen … und dann würde ich eine weltliga machen.

eine weltliga von nationalmannschaften?

nein, eine weltliga von giganten, die dann ihre eishockeymannschaften und ihre fußssballmannschaften und ihre basketballmanschaften und so weiter und so fort gegeneinander spielen lassen.

mercedes gegen toyota?

du hast es erkannt. und airbus gegen BP. und erdölteppiche gegen radioaktive verseuchung. und krieg I gegen krieg II.

dass du immer alles so radikal weiterdenken musst!

ich denke, dass jegliche beschwerden über den totalkommerz, selbst der nationalmannschaften, kleingeistig sind. das denke ich. die wahrheit ist schneller als unser dümmliches hirn.

man kann alles vermarkten. auch die penistätowierungen werden den einzug in den kommerz der industrie halten. da bin ich mir sicher.

übrigens: was hast du denn auf deiner stirn, klau|s|ens?

ach so: coca cola. wieso?

ich wusste gar nicht, dass schriftsteller jetzt auch logos sich eintätowieren lassen.

was weißt du schon, zweitklausens! wir müssen ja alle irgendwie leben. so ist das nun mal.

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An den ZWIEBELFISCH schreibt KLAUSENS

klau|s|ens, warum schreibst du an ZWIEBELFISCH?

das ist doch das neue sprachmonopol, welches SPIEGEL ONLINE ausgerufen hat. und ein monopol hat nicht immer recht. man muss sich also als demokrat aller kunst dagegen wehren, dass das MONOPOL qua MONOPOL behauptet, alles richtig zu wissen.

was wissen die denn nicht richtig?

vieles an der sprache kann man nicht richtig wissen. sprache ist frei und unterliegt vielen (nicht)regeln und (schein)regeln und gesetzen, die teilweise unsinnig sind oder keine regeln sind. aber die grammatiker und lingufetischisten kommen und sagen dann, wie es zu sein hat, dieweil die sprache auch rebellisch, eigensinnig und anarchistisch ist.

das war aber viel stoff.

eben. und deshalb muss ich auch mal an den ZWIEBELFISCH schreiben, wo ja auch jener bastian sick hintersteckt:

### Sehr geehrte Damen und Herren,

ich finde Ihren Beitrag noch (lange) nicht überzeugend und tiefschürfend genug.

Man sollte doch klarer sagen: Viele Leute mischen Perfekt und Präteritum de facto und realiter munter durcheinander. Gerade, wie es kommt.

Das ist mein Eindruck, den man noch für unterschiedliche dialektale Gebiete untersuchen müsste.

Die Grenzen zwischen PRÄTERITUM und PERFEKT sind immer vager geworden, der Bedeutungsunterschied tritt oft sehr zurück …. und das Ganze geht nur noch nach Regeln der Sprachökonomie recht spontan daher.

Gewiss wird das Perfekt in gesprochener Sprache öfter benutzt, weil es „näher“ und „unmittelbarer“ scheint. Das Ganze passiert aber auch meist tiefenpsychologisch. Ohne Sprachwissen und Sprachbewusstheit.

Aber das Präteritum kommt immer wieder häufig ins Gesprochene eingestreut vor.

Dies kommt u.a. (als ein Beispiel) von den Modalverben. Man sagt immer schnell und direkt „wollte, musste, konnte“ …. und nicht nicht „habe … können “ „habe … müssen“ etc., weil das zu formell klingt. „Gestern habe ich kein Mittagessen kaufen können.“ Das klingt ja wie Graf Kox. Und wer wüsste überhaupt diese Perfekt-Form mit dem Infinitiv sicher zu produzieren?

Dadurch hat das Präteritum eine Vorkommensgarantie im Sprechen.

Auf diese Weise wird einem das Präteritum auch für das Sprechen immer vertrauter und normaler.

Und auch „war“ (Hilfsverb) und „wurde“ (Hilfsverb) und „kam“ und „ging“ und „schlug“ (gerne also Voll-Verben mit starken Stamm) bieten sich wegen der Kürze, bisweilen der wenigen Silben, auch im Sprechen an, um im Präteritum genutzt zu werden.

Wenn Sie genau hinhören, werden Sie Menschen erleben, die sagen: „Gestern kam ich um acht Uhr nach Hause. Und ich wollte doch schon um sieben Uhr kommen. Meine Frau ist aber erst um neun Uhr gekommen.“ Dieses Mix von Perfekt und Präteritum nach gusto ist meiner Meinung nach gesprochen-sprachtypisch.

Das Präteritum in „Reinkultur“ hat sich in erzählenden Texten, typisch das Märchen, gehalten.

Aber die „muntere Mischung“ in der gesprochenen Sprache ist meiner Meinung nach die Wahrheit.

Lassen Sie mich außerdem noch auf eine wichtigen Tatsache hinweisen.

Das Präteritum ist bisweilen schneller deutlich. Die Informationen kommt schneller „rüber“.

Wenn ich im Radio hör(t)e:

„Steffi Graf hat in Melbourne im Viertelfnale des Tennis-Turniers ….“ weiß ich nicht, was kommt. Kommt jetzt „verloren“ oder kommt jetzt “ gewonnen“?

Das kommt / entsteht durch das Perfekt.

Die Information wird nach hinten in den Satz verlagert. Ins Partizip.

Ich kann beim Sprechen im Perfekt oft am Ende des Satzes die Bedeutung noch ändern. Der Zuhörer bleibt bis zum Schluss im Ungewissen.

Sobald ich aber Präteritum benutze, kann und muss ich sagen: „Steffi Graf gewann in Melbourne im Viertelfinale … “ und der Hörer/ die Hörerin hat sofort die Botschaft am Anfang des Satzes oder fast am Anfang des Satzes verstanden.

Die Hörer haben die Botschaft früher verstanden. Bedeutend früher. Die Nachrichten sprechen oft anders als die Menschen in der Gaststätte. Die Nachrichten benutzen dann formell das Perfekt, der echte Mensch aber das Präteritum. Aber auch in den Nachrichten oder Tageszeitungen, auch in der F.A.Z., werden sie immer wieder den Mix von Präteritum und Perfekt finden. Vielleicht gar im SPIEGEL.

Auch dieses hat mit dem großen Thema PRÄTERITUM (alias IMPERFEKT) sowie PERFEKT zu tun.

Ich würde mich freuen, wenn Sie die von mir angeführten Gesichtspunkte ergänzen, damit alles „runder“ wird … und weniger einseitig betrachtet.

###

wozu hast du geschrieben? zu was?

gestern. zum ZWIEBELFISCH-ABC, konkret: zum thema „präteritum/imperfekt“ (und ja auch perfekt). siehe hier:

### Imperfekt und Präteritum – zwei verschiedene Begriffe für dieselbe Vergangenheitsform? Ist unsere Grammatik nicht schon kompliziert genug? Wozu benötigen wir dann zwei (Fremd-)Wörter, wenn es sich doch um dasselbe Tempus handelt? Oder gibt es da womöglich doch einen Unterschied?

In den meisten Nachschlagewerken findet man unter dem Stichwort „Imperfekt“ einen Hinweis auf den Eintrag „Präteritum“. Letzterer ist heute der üblichere Fachausdruck für das, was man auf Deutsch als „erste Vergangenheit“ bezeichnet.

Die deutsche Sprachwissenschaft hat wesentliche Impulse von der französischen Philologie erhalten – und daher stammt auch die Bezeichnung Imperfekt (frz. imparfait), denn im Französischen wird zwischen einfacher Vergangenheit (passé simple) und unvollendeter Vergangenheit (imparfait) unterschieden.

Diese Unterscheidung gibt es aber im Deutschen nicht. Wir haben kein „passé simple“, sondern nur eine (erste) Vergangenheitsform. Und eben diese als „unvollendet“ zu bezeichnen, ist in den Augen vieler Deutschlehrer und Germanisten irreführend, denn die Vergangenheitsform, um die es hier geht, bezeichnet doch gerade einen Vorgang, der abgeschlossen ist:

Ich ging allein nach Hause.
Er aß nur einen Happen.
Wir warteten auf den Bus.

Was ist daran „unvollendet“? Als unvollendet kann die Handlung nur gedeutet werden, wenn sie sich zum Beispiel in einem Roman abspielt. Und die meisten Romane sind ja in der Vergangenheitsform geschrieben. Wenn man liest „Harry zog seinen Zauberstab“, dann ist die Handlung noch keinesfalls abgeschlossen, dann wird die Sache ja erst richtig spannend, und jeder will wissen: Was passierte als nächstes?

Einen inhaltlichen Bezug zur Gegenwart hat die erste Vergangenheit aber nicht. Den wiederum hat das Perfekt, jene mit „haben“ und „sein“ gebildete Vergangenheitsform. Deshalb nennt man das Perfekt auf Deutsch auch „vollendete Gegenwart“. Wer seine Freunde und Bekannten über seinen Umzug informieren will, der tut nicht gut daran zu schreiben: „Wir zogen um“, auch wenn der letzte Karton bereits ausgepackt ist, sondern sollte besser schreiben: „Wir sind umgezogen“, denn der Wohnortwechsel bleibt ja bis auf weiteres aktuell. Weil also die erste Vergangenheit – im Unterschied zum Perfekt – aus Sicht des Erzählers eine abgeschlossene Handlung beschreibt, bevorzugt die deutsche Grammatik dafür den Ausdruck „Präteritum“. Der kommt aus dem Lateinischen und heißt nicht „unvollendet“, sondern schlicht und einfach „vergangen“. Einigen Romanisten (wie zum Beispiel „Zwiebelfisch“-Autor Sick) fällt es allerdings schwer, sich vom Begriff „Imperfekt“ zu lösen. Ich bitte um Nachsicht und gelobe Besserung.

In der gesprochenen Sprache wird das Präteritum heute nur noch selten gebraucht. Kaum jemand sagt im Gespräch: „Ich ging allein nach Hause“, sondern eben „Ich bin allein nach Hause gegangen“. Wenn das Präteritum in der gesprochenen Sprache zum Einsatz kommt, dann meistens in Verbindung mit Modal- und Hilfsverben:

Ich hatte keine Zeit.
Das war letzten Donnerstag.
Wir mussten nicht lange warten.
Das konntet ihr nicht wissen.

In einigen süddeutschen Dialekten ist das Präteritum sogar völlig verschwunden, dort bedient man sich allein des Perfekts. ### ZWIEBELFISCH-ABC.

und nun?

nun fühle ich mich schon besser. also: gestern ging ich um die ecke, traf auf den herrn ging und habe begonnen, mit dem herrn ging y-ging zu spielen. als dieser dann dazu überging, dass er übergegangen ist, obwohl ich übergangen wurde, verlor ich meinen gang und fing an zu „gingen“, was falsch gewesen ist, weil der infinitiv schon seit 1928 total verboten gewesen sein wird gewesen ist doch wahr!

schön geschichte, herr dr. grammaticus klausensus brutus dumpfus. mir kommen noch die zwiebelfisch-tränen.

seit wann kommen dem ZWIEBELFISCH tränen? dem kommen höchstens die gräten … aber aus dem munde heraus sind sie gekommen kamen.

gekommen kamen? sind? nicht haben?

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