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Schwarze Löcher beim Rolandseck-Symposium „posthume Güsse“ entdeckt von KLAUSENS

klau|s|ens, was haben die schwarzen löcher mit dem arp-museum zu tun?

ach, das bietet sich heute so an, wegen CERN und schweiz und so, diese eröffnung da. im kunsthandel gibt es schwarze löcher, aus denen materie hervorquillt, die es vorher nicht gab.

was ist „vorher“?

das meint die lebzeiten des künstlers.

und nachher?

nachher vermehren sich die kunstwerke dann sehr oft.

bei den bildern?

überall: nimm alle kunstformen, die du kennst. (fast) alles lässt sich nachmachen. man müsste beim beuys’chen fett allerdings auch die verranzung imitieren.

was bedeutet das für diese güsse und abgüsse?

das bedeutet, dass – wie bei der STASI-debatte auch – es der klugen und weisen einzelfallbeurteilung darf.

inwiefern?

künstler a) sagt: nichts nach meinem tode!
künstler b) sagt: ich hatte nie geld zu gießen. gießt nach meinem tode alle meine skulpturen!
künstler c) sagt: macht was ihr wollt.
künstler d) sagt gar nichts, weil er sich totgesoffen hat.

aha, klischee, klischee – das feld ist also komplex und ziseliert.

„ziselieren“ ist eine vokabel aus der gussbearbeitung. aber lassen wir das.

was willst du denn?

ich beobachtete vorgestern mit vergnügen, wie sich richtungen und lager formten.

in welcher art?

wie bei den großen dogmen z.b. dem kommunismus und dem reinen christlichen glauben ging es hier um das dogma der „unbefleckten skulptur“.

wirklich?

ja, ja, sie darf vom künstler auch beuriniert werden, wegen der patina, aber sie muss vom künstler doch authorisiert sein. zu lebzeiten … oder auch nicht. also doch anders.

und da gibt es solche und solche?

aber ja: der kunstmarkt z.b. schreit immer wieder „das regelt der markt!“

wieso?

… weil auf dem markt sogar viel geld für solche nachgüsse bezahlt wird, selbst wenn die leute davon wissen … also: das nachgegossene ist vielleicht nicht authentisch, verkauft sich aber doch.

aha, der markt!

und dann gab es die vertreter der reinen lehre, wie z.b. gert reising aus karlsruhe, der sich auch optisch durch seine langen haare von der gilde der anzugträger abhob. er wirkt wie ein ökologe der kunstszene. ein verlorenes reptil in einer gesellschaft der gewandten und gewandeten.

du spricht so blumig.

reising befasste sich mal exemplarisch nur mit dem „stern“ von arp, recherchierte, und meinte, den gäbe es 12 mal schon auf der welt. und vielleicht ja noch öfter.

den stern?

es ist eine nette figur. und die gibt es aus metall und aus weißem marmor.

und was meinte reising?

nach seinen recherchen ist die übergroße masse dieser 12 „sterne“ nach dem tod von arp und ohne sein wissen, wahrscheinlich auch ohne sein wollen, entstanden.

das ist ja bitter!

eben, für reising ist es fast wie ein körperlicher schmerz. er verließ vorzeitig und wütend das symposium, während die anderen ihm ebenfalls wütende blicke nachwarfen. (man sucht harmonie, aber reising will partout nicht – klein – nach- und beigeben, und das ist für den ruf es arp museums nicht gut. der museums-markt! du verstehst?! wer immer an den kopien und nachgüssen herummäkelt, der macht alle museumssammlungen so auf dauer kaputt.)

… weil es offenbar öfters solche „posthume güsse“ und posthumen nachhauungen“ gibt, ich verstehe. – und die anderen?

die nehmen das weniger tragisch, weil sie sich nicht der reinen lehre verschrieben haben. sie haben von andy warhol gelesen, gehört, gesehen … und sind nun seriell-künstlerisch klüger.

wieso?

sie meinen, dass es viele gründe gibt, die für nachgüsse … oder – wie im falle des weißen sternes – sogar „nachhauungen“ (mein ausdruck) sprechen.

der weiße stern ist aus weißem marmor?

eben das! da muss jemand hand angelegt haben, also regelrecht kopiert haben. und kopieren ist ja wieder ein thema für sich.

da sagte doch einer, dass man für austellungen, also: exhibitions, sowieso manchmal sachen kopiere, weil man die stehen haben wolle, aber die originale nicht zu kriegen seien.

ja, das erzählte am beispiel von bruce naumann der herr leinz vom lehmbruck-museum in duisburg. er bekam die erlaubnis, eine kopie anzufertigen. hollywood grüßt die museen der welt!

mensch, das ist ja kompliziert. es gibt kopien und fälschungen und nachmachungen. also: exhibition artefacts.

ja, ja, und herr hanstein vom kunsthaus lempertz sagte dann noch: er könne den nachguss von einem original doch unterscheidbar erkennen.

wie denn?

wenn du von einem original eine form nimmst und diese erneut gießt, dann ist das resultat doch 3% kleiner als das original.

ist das so?

das hängt mit den zusammenziehungskräften des materials zusammen.

was du alles weißt!

und du erst!

und dann diese schwarzen löcher, aus denen immer neue kopien, nachgüsse und falschtorsi auftauchen.

ist die kunst nicht wundervoll uneindeutig?

und die schwarzen löcher auf diesen symposien daselbst, wo alle erkenntnis dann noch aufgesaugt wird!

und dieser beitrag hier, der an diesen erkenntnisresten auch wiederum löchernd nagt.

siehe auch: http://www.klausens.com/gedichte vom symposium posthume güsse. http://www.klausens.com/gedichte_vom_symposium_posthume_guesse.htm

ORIGINALVERSION mit Fettdruck und allen Bildern
und allen Links bei KLAUSENS BLOGG (mit 2 G !!!)
KLAU|S|ENS – LOG – W E L T L I N G
http://klausens.blogg.de

HOMEPAGE VON KLAU|S|ENS: http://www.klausens.com

Zum symposium „posthume Güsse“ im Arp Museum Rolandseck schreibt KLAUSENS

du, klau|s|ens, du warst gestern im arp museum rolandseck?

du doch auch, zweitklausens!

wir waren beide da?

aber ja: es war doch dieses symposium.

welches denn?

dieses symposium zu den güssen bzw. abgüssen von skulpturen berühmter künstler bzw. von künstlern überhaupt.

es gibt echte abgüsse und falsche?

das ist ja gerade die frage. es gibt auf jeden fall abgüsse nach dem tod des künstlers: posthume güsse.

aha.

und darum ging es, weil doch das museum arp so in verruf gekommen war.

wieso?

… weil die museumsleute und das land rheinland-pfalz doch vom arp-verein (es geht um einen privaten verein, den 1978 gegründeten verein „Stiftung Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp e.V.“) da sachen angeschafft (dauerleihgaben) hatten und dann zu stehen hatten, die nach dem tode von hans arp entstanden sind: und da fragt man sich, ob das alles korrekt ist … und war und jemals sein wird.

ich denke, die haben sich nun geeinigt: die rheinland-pfälzische landesregierung und jener verein … und nun läuft alles etwas ruhiger.

sicher, sicher, man wollte schaden durch dauerprozesse vermeiden – aber das museum hat nun den ruf weg, voller wertloser oder nur halb wertvoller kunstsachen von hans arp zu sein, zumal einige von arp weder in auftrag gegeben wurden, noch von ihm authorisiert gewesen sind.

das ist doch der klassiker.

was?

die ewige frage nach kunst und original und werk und werktreue.

ja, ja, das taucht immer wieder auf.

eben: die welt ist voller fälschungen.

bei der kunst scheint es aber kompliziert.

warum?

… weil die erbengemeinschaft das urheberrecht weiterträgt und eigentlich alles machen kann: nachgießen, zugießen, umgießen.

die erbengemeinschaft?

ja, ja, sie ist oft die große gefahr, weil sie doch geld generien will.

das ist ja jammer!

dann gibt es noch künstler, die – noch lebend – geld brauchen, und alles mit ihren sachen machen lassen.

es gibt auch künstler, die sehen die abgüsse nicht mal mehr.

eben! die sagen: gießt schön und verkauft es dann!

es gibt auch künstler, die wollen eine besondere patina.

und es gibt andere, denen ist das unwichtig.

manche sind in der gießerei jeden dritten tag …

… und andere nie.

diese vielfalt macht alles so schwer.

und dann eben die alte frage: wann ist kunst kunst? wann ist ein original ein original.

eben: und dann heißt es: wenn der künstler das kunstwerk authorisiert hat.

ja, ja, es können auch andere in seinem sinne, und dann …

dann ist es echt!

ja, ja, wenn alles klar und deutlich ist.

aha.

beim immendorff, bei seinen letzten werken, da zweifeln schon leute, ob sie noch von ihm authorisiert wurden.

du meinst, die leute malen etwas und sagen nachher: der immendorff hat es authorisiert.

so ungefähr, ja, ja, er konnte ja am ende nur noch anweisungen geben. seine letzten bilder waren anweisungsbilder – aber doch von ihm, weil er sagte, wie es sein muss.

immer?

wer weiß es? … und dann kann man sagen: das bild hier stammt auch von seinen anweisungen. UND NUN DER GEDANKE: es ist dann aber gar nicht so. man behauptet einfach, immendorff habe gesagt: das sei sein kunstwerk. das könnte ja alles sein. aber wir wollen hier niemandem nichts vorwerfen. wir spielen nur in gedanken.

und diese abgüsse?

die kann ich ewig gießen.

wirklich?

nein, nein, denn die form verändert sich durch die häufigkeit der abgüsse. und damit das resultat.

das ist ja komplex.

eben, eben: ich kann dann noch etwas reinmachen: ein gießerzeichen, oder so.

aber das kann ich doch auch fälschen.

eben, die kunst leidet am mythos des originals. und eben deshalb wird gefälscht, bis es kaum noch geht.

sind abgüsse eine fälschung?

nein, nein, das ist es ja: der künstler weiß nichts und soll doch seinen namen hergeben.

aber es ist doch von ihm.

ja, ja, aber nicht gewollt. kafka wollte ja auch, dass seine texte zerstört werden … und die sind alle gedruckt … wegen …

… diesem max brod.

ja, wegen diesem.

ach, ist das kompliziert.

eben: man müsste einen stempel haben ORIGINAL und FÄLSCHUNG.

aber den kann ich doch auch fälschen.

eben. das ist ja das schöne. alles wird immer seltsamer und bizarrer.

dann müssen wir die lebensläufe jeder skulptur exakt recherchieren.

ja, ja, wir brauchen eine stelle, die wie ein archiv und detektivbüro in einem alles erfasst.

und diese stelle könnte doch jenem büro ähneln, welches schon jetzt diese vermissten und gestohlenen kunstwerke aufspüren will,

die sollen ein archiv mit 190.00 erfassten werken haben.

so ein büro könnte man doch auch für güsse und abgüsse aufmachen.

dieses büro könnte dann clearingbescheide oder klärungsbescheide für alle umstrittenen skulpturen ausgeben.

ja, das wäre unser vorschlag.

und dann müsste man das thema noch breiter diskutieren.

noch breiter?

aber sicher: wenn kenia elfenbein verbrennen oder plattfahren lässt, … oder wenn gefälschte rolex-uhren vor den augen der presse und der medien unter dampfwalzen kommen … alles nach dem motto: wir wehren uns gegen fälschungen und untaten aller art …

… dann sollte das der kunstsektor das auch mal beginnen.

vieleicht, vielleicht: man müsste unauthorisierte güsse einfach einschmelzen.

aber wir haben doch geklärt, dass es so einfach nicht ist. und dieser verein da … ist sich doch keiner schuld bewusst.

die haben aber etwas nachhauen lassen, aus marmor, diesen weißen „stern“ von arp.

aber war das böswillig oder gutwillig?

du meinst: wollten sie den reichtum mehren oder nur die rezeption von arp befördern?

eben, eben, alles ist doch sehr arg verstrickt und vergossen. das thema stinkt, auch posthum.

wer hat denn gestern darüber diskutiert?

gestern, bei dem symposium? wo wir waren?

ja, genau!

also, lange liste:

SYMPOSIUM „Posthume Güsse“
Montag, 8. September 2008 im Arp Museum Bahnhof Rolandseck

PROGRAMM

11 Uhr Begrüßung

Prof. Dr. Klaus Gallwitz, Direktor des Arp Museums Bahnhof Rolandseck

Dr. Gottlieb Leinz, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Bildhauermuseen und Skulpturensammlungen e.V., zugleich stellvertretender Direktor an der Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum-Zentrum Internationale Skulptur, Duisburg

STATEMENTS mit anschl. Diskussion

Dr. Eduard Beaucamp: Hans Arp im Kreuzfeuer

Dr. Ursel Berger: Vom Umgang mit posthumen Güssen

Prof. Dr. Henrik Hanstein: Die Regeln des Marktes

Prof. Dr. Gerhard Pfennig: Urheber- und Verwertungsrechte

Dr. Felix Ganteführer: Sonstige Rechsfragen posthumer Güsse

Dr. Gert Reising: Arp / nach Arp

Dr. Gottlieb Leinz: Posthume Güsse in deutschen Museen

13.30 Uhr bis 15.00 Uhr Mittagspause

PODIUMSGESPRÄCH mit Diskussion aus dem Publikum

Moderation: Prof. Dr. Klaus Gallwitz

Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig, Kulturstaatssekretär des Landes Rheinland-Pfalz

Prof. Dr. Peter Raue, Rechtsanwalt

Isabell Pfeiffer-Poensgen, Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder

Johannes Brus, Bildhauer

und deine LIVE-gedichte?

die sind hier anzuklicken: http://www.klausens.com
http://www.klausens.com/gedichte_vom_sym…

übrigens: noch ein gedanke: der künstler soll immer eine genprobe in den abguss einschweißen lassen!

tolle idee: aber übersteht die genprobe die hitze? kann sie nicht auch gefälscht werden? sind reliquien wahre reliquien? und war der mann von ansbach wirklich der mann von ansbach?

du meinst kaspar hauser?

ja, ja, war er der erbprinz von baden oder nicht?

man sollte schriftstellern und künstlern das denken verbieten!

warum?

wir waren eben noch bei einer lösung der probleme, und nun steht wieder alles zur disposition.

ist dieser text eigentlich ORIGINAL von dir?

ich dachte: von uns, zweitklausens!

ORIGINALVERSION mit Fettdruck und allen Bildern
und allen Links bei KLAUSENS BLOGG (mit 2 G !!!)
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http://klausens.blogg.de

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