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Nachtrag zu Jürgen Domian im Stadtmuseum Siegburg von KLAUSENS

klau|s|ens, du wolltest heute noch etwas nachtragen.

wollte ich, zweitklausens?

ja, zu deinen äußerungen gestern.

gestern liegt schon so fern.

es ging um domian, der doch in siegburg las, aus seinem buch „der gedankenleser“.

ja, sicher, wir haben die dinge etwas diskutiert. und wir hatten LIVE-gedichte geschrieben: http://www.klausens.com/klausens-und-juergen-domian.htm

und heute?

heute könnte man noch die sache mit den liedtiteln schreiben. das las und lese ich allzuoft. in vielen büchern. analogie, lebe auf! immer wird eine verbindung zwischen den liedern und der handlung hergestellt oder gar festgestellt. bei domian war es die neueste variante solchen parallel-lied-schreibens. johnny cash singt „i’m on fire“ … und die hauptperson cruist durch die stadt und will aus der ödnis der vormaligen existenz raus.

es ist doch die idee des alleinseins.

klassisches feature: fahren, fahren, fahren. autoradio an. musik. und dann kommt „i’m on love“ oder „live is sad“ … und das sind dann immer die „zufälligen“ botschaften des lebens, die dann gar nicht zufällig sind, sondern wirkliche botschaften. und so werden in hunderten von romanen lieder und songs durchgehechelt, als zusätzliches leitmotiv des ganzen. manche setzen einen liedtitel als leitmotiv über jedes kapitel.

das machen die filme doch auch.

es gibt natürlich dieses feature auch hunderttausendfach in filmen. außerdem gibt es ja die idee des „cruisen“ als „road-movie“. meistens ist es eine flucht oder eine suche.

aber so ist nun mal der mensch.

ich gönne es auch domian, also seiner figur arne stahl, dass sie cruisend durch die nacht fährt … und dass musiktitel einen zusätzlichen erkenntnisgewinn ins leben streuen sollen. aber es langweilt mich.

dann bist du so gelangweilt wie domian? von den menschen? ihren verhältnissen? ihren charakteren? von der welt?

vielleicht: alle leute, die eine gewisse durchdringung der welt bekommen, leiden an den fassaden des lebens, die jeden tag beguckt werden wollen … man selber langweilt sich nur. eitelkeiten und dümmlichkeiten stolzieren tausendfach durch die welt.

das kannst du jürgen domian also nicht vorwerfen.

wer redet von „vorwerfen“?! es geht um die literarische verarbeitung und wie ich sie empfand. oft hört man jürgen domian selbst sprechen, aber es ist die figur arne stahl. das ist auch seltsam: man hat das gefühl, dass diese figur seine rolle wandelt. sie ist als arne stahl oft ein wandelndes tagebuch von jürgen domian. auch das wirkt befremdend. entweder ich schreibe über arne oder direkt über domian. (klar ist der schriftsteller immer mit im buch, aber hier streiten sich arne stahl und domian selbst um die hauptrolle im buch, obwohl domian als figur nicht vorgesehen war.)

du meinst dann diese berichte um das herumfahren oder den besuch auf dem friedhof?

genau: da meint man dann: „hey, wir sind nicht mehr in einem roman. hier wird auch nicht mehr arne stahl beschrieben! das buch kippt ja um. hier ist es ein autobiografisches dokument von jürgen domian, welches mit dem uns vorgespielten arne stahl des romans nun sehr wenig nur noch gemein hat.“

ich finde du bist „gemein“.

schön, dass du die worte in ihrer mehrdeutigkeit kennst, die welt in ihrer vieldeutigkeit und das leben in seiner sinndeutlosigkeit.

„sinndeutlosigkeit“? — aber was kann arne stahl dafür?

nichts, nichts, aber ich muss an ihn glauben können, um von ihm lesen zu können. sobald er zu sehr abziehbild wird, vergeht meine zugang zu allem … das buch will ja keine satire sein, es will ja ernst genommen werden, in welchem sinne auch immer.

vielleicht hilft es ja leuten weiter.

ich wollte dem jürgen domian auch nie das schreiben verbieten; ich wollte nur etwas drumherumdiskutieren, um damit zu zeigen, dass ich sein schriftstellertum ernst nehme. sein nächstes buch wird anders sein.

und das wollen die menschen doch, am ende: (halbwegs) ernst genommen werden — so absurd und lächerlich unsere existenz auch ist.

warum schreiben wir eigentlich einen blog(g)?

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Jürgen Domian in Siegburg, den erlebt KLAUSENS

klau|s|ens, du hast jürgen domian erlebt.

du doch auch, zweitklausens!

aber du hast live gedichtet, klau|s|ens!

das machen wir doch immer zusammen, zweitklausens: http://www.klausens.com/klausens-und-juergen-domian.htm

was denkst du?

ich denke vieles, die eindrücke sind gemischt.

domian ist jetzt auch schriftsteller.

er hat sein zweites buch vorgestellt: „der gedankenleser“.

wer liest wen? oder: wer liest wessen gedanken?

da ist ein mann, der heißt arne stahl, und dann hört er (eines tages) die gedanken anderer leute, z.b. seiner frau.

ist doch eine nette idee.

das stimmt, aber ich sah so etwas schon in einem spielfilm. egal: die idee wird dadurch natürlich nicht schlecht, aber es ist nicht mehr originär seine. also die idee domians. er hat sie nur neu aufgegriffen.

was macht er dann? damit?

dann lässt er einen blitzschlag erfolgen, damit diese gabe überhaupt zu dieser person kommt, zu arne stahl.

ist das schlecht?

nein und ja: es gibt bestimmte plots, die man so oder so schon 1000-fach gehört hat, und dann langweilt einen das. das fernsehen ist voll von blitzschlägen, unfällen, stürmen, wonach dann etwas so oder so passiert. am liebsten in bergfilmen, wenn z.b. kinder ohne erlaubnis weglaufen, in die berge, wo sie abstürzen, gerne durch einen sturm, oder durch einen wegbrechenden felsen, und müssen dann gerettet werden, damit durch die rettung eine liebe von zwei erwachsenen entweder erst richtig verbunden werden kann oder zumindest geheilt werden darf.

aber so ist das leben! abstürze und blitze und tsunamis und erdbeben kommen wieder und wieder vor.

da hast du gewiss recht, aber ich selber würde dann — so denke ich — wohl eher dazu neigen, im falle des blitzes, der einem das gedankenlesen als fähigkeit erbringt, solche plots nur noch ironisch zu zitieren. oder alles direkt als verrücktes märchen aufzuschreiben. mit kitsch und verschmückung und wildem instinkt für das unglaubliche. domian aber schreibt / schrieb ein ernsthaftes / ein ernsthaft gemeintes buch.

ist das nicht seine stärke?

was seine stärke ist, ist seine moralische kraft. sein bekenntnis zum humanen. zugleich das zugeben, dass dieser mensch / jeder mensch ein verdammt schwaches wesen ist … und dass er selber nach 15 jahren „DOMIAN“ im radio und im fernsehen davon vieles einsehen musste. und nicht glückvoll, meistens. sein menschenbild hat sich durch die gespräche verändert.

ja, zum schlechten, wie er sagt. aber diese ehrlichkeit macht ihn auch sympathisch. er ist eine moralische instanz, die sich und das tun anderer befragt. dafür mögen wir ihn.

und in seinem buch?

und ihn seinem buch? — das muss ich doch fragen, hier, in diesem dialog, um der logik zu folgen.

in seinem buch … da geht es auch darum. um den schlechten menschen. um den schwachen menschen. um den falschen menschen. aber vieles wirkt doch etwas abziehbildmäßig. da sind die figuren nicht wirklich tief, sondern seltsam hohl.

woher kommt das?

ich denke, dass dieser domian (noch?) zu wenig intellektuell und zu sehr human an den menschen klebt. deshalb fehlt ihm der ansatz, den man bräuchte, um die menschen in ihrer zerrissenheit näher an der wahrheit darzustellen. sein buch ist zu klar, zu brav, zu schlicht. es wirkt an vielen stellen folienhaft, typisiert, klischeemäßig. manche einsichten und formulierungen segeln in ihrer schlichtheit am rande von RTL-docufiction-serien.

er will vielleicht andere leute ansprechen als klausens und klau|s|ens und zweitklausens.

gewiss. ich will ihm keine vorwürfe machen. aber ich muss dennoch bestimmte dinge feststellen. wenn die hauptfigur die gedanken seiner frau/partnerin lesen kann, dann sind diese gedanken, so wie sie uns geschildert werden, von einer schlichten eindimensionalität, wie es im menschen aber im eigentlichen nicht funktioniert.

außerdem …

ja?

er geht dann noch hin, so mein eindruck, und transportiert diskussionen und verhaltensweisen aus der schwulenszene auf ein ehepaar.

inwiefern?

das körperliche und leidenschaftliche wird so sehr als unbedingt lebenswert und seinsbedeutend überhöht (dargestellt an an einem mann-frau-paar), dass ich immer denke: das sind die standards vieler homosexuellen, vielleicht auch viele eigenerlebnisse/-beobachtungen in der szene von domian, die er dann hier in ein ehepaar montiert. die idee des männlichen, des stinkenden, des schwitzenden, des wilden, der nacktesten begierde … alles das hat einen sehr hohen stellenwert in diesem buch. aber so schlimm und so holzschnittartig übersteigert ist es dann in der realität solcher ehepaare dann wohl doch nicht.

was passiert denn?

das muss ich wieder fragen, hier in diesem dialog: klau|s|ens, was passiert denn?

die hauptfigur, journalist, gelangweiltes leben, stellt fest, durch die gedankenleserfähigkeit, dass seine frau ihn gar nicht begehrt, sich sogar vor ihm und seinem körper oder auch nur handlungen von ihm ekelt … und die hauptfigur arne stahl hat das nie geahnt. nun kann sie, diese figur, gedankenlesen und ist erschüttert von diesen wahrheiten. das alte leben bricht entzwei, ein neues beginnt.

ein schöner gedanke.

ja, aber diese wahrheiten sind mir viel zu „platt“. auch wie sie geschildert werden. das ist mein problem mit domian als schriftsteller: ich ehre sein tun, bewundere seine radikale kraft zur ehrlichkeit, finde aber seine durchdringung der welt noch zu bescheiden an der oberfläche bleibend.

du meinst, er taucht nicht hinter die tiefen der tiefen, er bleibt nur bei den ersten tiefen?

vielleicht sollte man es so sagen. ja. ja. aber vielleicht fällt mir morgen noch etwas ein.

er las in siegburg?

es sind doch die 31. siegburger literaturwochen. und er ist top act, denn er darf den flyer/prospekt vorne auf dem titel zieren, dieser nunmehr so bekannte jürgen domian.

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In Siegen trifft KLAUSENS auf Wolf Haas

klau|s|ens, du hast wolf haas in siegen erlebt?

ja, das stimmt.

was schätzt du daran?

an siegen?

nein, an wolf haas?

er hat einen schönen humor. er sieht die welt in ihrer absurdität, weiß zugleich, dass er nichts daran ändern können wird, aber teilt uns dennoch seine vielen beobachtungen dieser absurden welt aufs teils kurioseste mit.

und die leute?

die lachen dann. sie kaufen sich dann die 7 kriminalromane seiner brenner-reihe oder kommen nach siegen zum festival „vielSeitig“, wo dann an drei tagen von diversen autoren/-innen gelesen wird.

du warst dort?

ich habe LIVE zu wolf haas gedichtet. es sind um die 40 gedichte geworden.

wo?

hier: http://www.klausens.com/klausens-und-wolf-haas.htm

auf welches gedicht bist du besonders stolz?

haas hat nun ein kinderbuch geschrieben, wenn es denn wirklich eines für kinder ist. „die gans im gegenteil“, heißt es. haas trug ein gedicht frei vor, also auswendig, und mir fiel dabei ein neues gedicht ein.

aber so funktioniert es bei dir, als bei uns, doch immer, klau|s|ens.

ja, zweitklausens, du hast recht. aber manchmal findet man das ergebnis dann besonders witzig. mein/unser gedicht wäre ohne das haas-gedicht nie entstanden. es konnte nur aus dieser LIVE-situation heraus entstehen.

und wie lautet nun dein/unser gedicht, klau|s|ens?

eines, der gedichte. eines! also:

ALS DER

Als der Fuchs kapiert
Dass aus Als Der nie
Die Alster wird hat
Er die Elbe dann
Verführt

Copyright Klau|s|ens in allen Schraibwaisen und Schreibweisen, u.a. als Klausens oder Klau(s)ens oder Klau!s!ens, LIVE, 1.10.2010, Freitag, Kulturhaus / Kulturzentrum „LYZ“ — auf das Y müssen noch zwei Punkte! — gegen 21:05 Uhr, in Siegen, St.-Johann-Str. 18, bei der Lesung von Wolf Haas im Rahmen des Festivals „vielSeitig“.

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Rüdiger Safranski in der Eifel sah KLAUSENS

klau|s|ens, du hast rüdiger safranski gesehen?

ist er nicht einer von denen, die man mal gesehen und gehört und erlebt haben muss?!

doch, doch, ich wollte ja nichts sagen.

er ist (noch) einer von der alten zeit. es scheint so. der gelehrte, der lesende, der sich im stübchen aufhaltende. der schreibende.

was war die alte zeit.

jene, in der die reine bildung etwas mütterliches und wärmendes hatte. da ging es nicht um die revolution … sondern der austausch um und über ideen sollte behaglichkeit schaffen.

… sodass man sich in texten und gedanken wärmen könne?

so in etwa. und das verbreitet safranski auch. alles ist eine geschichte von kaminen und stuben und gängen und wanderungen, dazu briefe und schriften, lesebrillen, nachtische, kammern, ausschweifungen und auszehrungen. so war das alles.

die gute alte zeit.

das biedermeier der literatur war nicht frei von widersprüchen, aber eben doch „heimelnd“. und auch der „sturm und drang“ wird heute in gewisser weise biedermeierlich wahrgenommen.

du magst safranski?

wer mag ihn nicht? er ist rein, hat ein gutes herz, will nichts schlechtes, kennt die welt, weiß vom leben, ist sehr belesen und gebildet … und tut — so hoffe ich — niemandem böses. wer sollte ihn nicht mögen?

aber dennoch bleibt das „betuliche“.

in gewisser weise ja. oder eine dezente umständlichkeit, bisweilen auch eine leichte entfremdung vom leben derer von twitter und facebook. und doch hat er die intelligenz, widersprüche zu durchleuchten, die es damals gab. damals, als schiller und goethe noch lebten. als weimar „unser weimar“ war, und es dennoch von krankheiten und eitelkeiten überfüllt wurde.

die welt ist zwiespältig.

die welt war damals zwiespältig und ist es heute. aber wenn safranski die damalige welt erzählt, denkt man, er sei dabeigewesen.

dabei ist die hälfte fiktion.

genau das: er erzählt uns geschichten, die er sich ausdachte oder zusammenreimte, nach dem studium der quellen, aber wir nehmen alles für rein-wahr, weil wir geschichten so mögen.

dann ist safranski garant für behaglichkeit.

er müsste immer lesen und frei sprechen (denn das tut er: frei sprechen, und das gut!), wenn es ganz kalt und nass ist. die schlimmsten novemberabende seien mit safranski zu füllen, damit es uns gut ergehe … und selbst die auszehrung eines disziplinierten, aber so dürren schiller und das alles mitnehmen-wollende eines trieb-goethe uns nicht nicht verzagen lassen.

safranski war im kloster steinfeld?

ja, gestern. und wir haben LIVE gedichtet, zweitklausens. LIVE. von alledem:

http://www.klausens.com/klausens-und-ruediger-safranski.htm

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Vom Buch von Hauptzeugin Nourig zum Bonner „Ehrenmord“-Prozess hört KLAUSENS

klau|s|ens, bislang kannte man nourig nur kostümiert oder verfremdet oder von einer maskenbildenerin umkonstruiert.

das scheint vorbei. nourig tritt jetzt auch mit ihrem namen auf, dem angeheirateten namen. also dem nachnamen. nourig apfeld.

das tat sie vorher auch nicht?

nein, während des bonner „ehrenmord“-prozesses war sie sehr verändert, die vernehmung fand via videoübertragung statt … zudem unter ausschluss der öffentlichkeit … und stets galt ihr nachname als nicht existent.

warum war das so?

weil sie den prozess als hauptzeugin und nebenklägerin in gang gebracht hatte.

worum ging es?

man hatte ihre schwester umgebracht, waffa, wegen des überaus westlichen lebenswandels (wohl auch drogen, sexuelle ausschweifungen), der einfach nicht in den kulturellen und religiösen rahmen passte. ein lebenswandel, durch den sich einige aus der familie „beschmutzt“ sahen.

und dann?

dann war waffa tot, ermordet, aus dem leben geräumt, als strafe, als reinigung, was auch immer … und der schwester nourig wurde die tote waffa gezeigt. zugleich die mahnung: schweige du, sonst passiert auch dir …

das ist ja schrecklich.

eine ganz schlimme geschichte, die sich aber immer wieder in westlichen ländern ereignet. wegen der kultur-clashes. nourig brachte dann jahre nach der tat den prozess ins rollen. drei männer galten als mögliche täter: der vater und zwei neffen. — ein neffe hat sich der verhaftung im ausland entzogen, ein anderer wurde im prozess mangels beweisen freigesprochen, der vater von waffa nahm aber alle schuld der tat dann (allein) auf sich … und wurde verurteilt. zu 8 jahren. totschlag.

und nourig?

nourig war – zusätzlich zum trauma vom zeugin sein – selbst umso mehr „beschädigt“, weil sie nun durch die anzeige bei der polizei nochmals die „ehre“ der familie geschändet hatte und sich fortan selber bedroht fühlte. quasi als verräterin von allem.

und waffa?

man hat ihre leiche bis heute nicht gefunden. sie wird irgendwo im raum von sankt katharinen / asbach im westerwald vergraben liegen. aber man fand sie nie.

was ist nun neu? jetzt? aktuell?

nourig tritt nun erneut aus der tiefe des sich versteckens heraus. sie hat nie ein echtes zeugenschutzprogramm mit neuer identität bekommen. nie, obwohl man ihr das zusicherte. aber …

aber?

… nach jahren der krisen und therapien und des ständigen umziehens (wohnungswechsels) hat sie nun ein buch geschrieben: „Ich bin Zeugin des Ehrenmords an meiner Schwester“. sie beschreibt den fall aus ihrer sicht. das buch soll wohl am 16.9., also am donnerstag, öffentlich vorgestellt werden, mit günter wallraff als pate dabei.

eine erstaunliche sache.

es gibt diese menschen, die mehr und mehr risiken einkalkulieren und sich öffentlicher und noch öffentlicher geben, weil sie nur so die innere freiheit nach vielen beschädigungen und gewalttatenerlebnissen wiedererlangen können. nourig hat sich für diesen weg entschieden: sie wird radikal öffentlich, um so sich selber, aber auch die gesellschaft heilen zu können. sie hofft, dass sie so weitere untaten im bereich von „ehrenmorden“ vielleicht verhindern kann.

ich denke …

… an die frau den niederlanden, die mittlerweile in den USA wohnt. ayyan hirsi ali. die mit theo van gogh den provokanten film „submission“ drehte. die so radikal nun den radikalen islam anklagt. ich weiß. — aber bei nourig liegen die dinge anders, weil sie (bislang) keine politische speerspitze ist, sondern erst einmal eine betroffene, die über viele schritte eine immer öffentlichere existenz beschreitet, um sich zu befreien … von dem trauma. aber auch, um ihre herkunftskultur zu verändern.

wir haben damals LIVE gedichtet, zu diesem prozess.

ja, haben wir: http://www.klausens.com/der_bonner_ehrenmord_prozess.htm

weißt du, was mir noch auffällt, klau|s|ens?!

was denn, zweitklausens?

der anwalt von nourig, der nebenkläger, das war dr. reinhard birkenstock aus köln.

und? was ist mit dem dem?

der ist auch anwalt von jörg kachelmann, der heute seinen zweiten prozesstag in mannheim hat.

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Ein SERIELLO zum Tuch der Beate Klarsfeld in Köln macht KLAUSENS

klau|s|ens, du hast nun noch ein SERIELLO zu beate und serge klarsfeld am 28.5.2010 in Köln erstellt?

ich habe ein SERIELLO zu den beiden erstellt, aber zuvor habe ich ein SERIELLO zu dem tuch erstellt, welches benutzt wurde, um die gedenktafel im gericht am kölner appellhofplatz zu verhüllen … hernach dann zu enthüllen.

du hast das tuch in den vordergrund gerückt?

auch. ich habe das tuch, welches achtlos dalag, zum kunstwerk erhoben, indem ich es abfotografierte und in ein SERIELLO erhob.

wann war das?

das war, als das schild oder die gedenktafel enthüllt war und dann alle in den gerichtssaal selbst gingen, um den noch mal in augenschein zu nehmen und erinnerungen sprudeln zu lassen.

in dieser zeit warst du beim tuch?

nicht nur: ich war erst auch im gerichtssaal, ging aber hernach zum tuch.

dann hast du es fotografiert?

ja, das einsame tuch, das doch vorher die verhüllung und die enthüllung zu bewältigen hatte.

das tuch ist nun kunst?

ja, und der ganze vorgang der enthüllung durch frau klarsfeld dann auch.

wie heißen die SERIELLOs?

http://www.klausens.com/seriello-kunst-enthuellung-tuch-klarsfeld.htm und das personenseriello: http://www.klausens.com/seriello-beate-und-serge-klarsfeld.htm

da hst du ja einiges geleistet, klau|s|ens!

wenn schon, dann wir, zweitklausens. wir beide. aber noch mehr eben die klarsfelds. beate klarsfeld, serge klarsfeld. die haben verdammt viel geleistet. und wir tragen (mit) dazu bei, dass es nicht vergessen wird. genauso wenig, wie alle verbrechen der menschheitsgeschichte. denn gegen das vergessen dieser verbrechen, speziell der NS-verbrechen, und gegen das unbeschwerte leben schlimmster mordtäter kämpft(e) das ehepaar klarsfeld an. — bis heute. tolles ehepaar! mutig! entschlossen! durchsetzungsstark! hartnäckig!

die live-gedichte? von der enthüllung? und dem symposium dazu? wo sind die?

hier: http://www.klausens.com/klausens-und-beate-und-serge-klarsfeld.htm

und die zu dem NS-prozess? zu diesem heinrich boere? in aachen? die sache, die jetzt zum BGH geht oder schon ist?

hier: http://www.klausens.com/klausens-beim-boere-ns-kriegsverbrecherprozess-in-aachen.htm

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LIVE-Gedichte zu Beate und Serge Klarsfeld in Köln schreibt KLAUSENS

klau|s|ens, du bringst uns nun noch das genau programm jenes denkwürdigen tages in köln? jenes 28.5.2010, als die klarsfelds (beate klarsfeld, serge klarsfeld) offiziell hier waren … wegen der gedenktafel zum lischkaprozess? im gericht am appellhofplatz?

ja: siehe hier:

Anbringung einer Gedenktafel
zur Erinnerung an den Lischka-Prozess
im Appellhof am 28. Mai 2010
—Begrüßung: Dr. Joachim Arntz
Präsident des Verwaltungsgerichts
—Grußworte: Roswitha Müller-Piepenkötter
Justizministerin des Landes NRW
—Jürgen Roters
Oberbürgermeister der Stadt Köln
—Beate Klarsfeld
LES FILS ET FILLES DES DÉPORTÉS
JUIFS DE FRANCE
—Ansprache: Dr. Heinz H. Faßbender
Präsident des Landgerichts Bonn a. D.
„Der Lischka Prozess“
—anschließend: Enthüllung der Gedenktafel vor dem Sitzungssaal
101

JUSTIZ IM KRIEG
4. Symposion des Kuratoriums „Kölner Justiz in der NS-Zeit“
und des Forschungsverbundes „Justiz im Krieg – Der Oberlandesgerichtsbezirk
Köln von 1939 bis 1945“
Ergebnisse des Forschungsprojekts
28. Mai 2010
Gerichtsgebäude Appellhof, Köln

was war mit „justiz im krieg“?

man hatte dann auch noch ein symposium herumgruppiert, an dem die klarsfelds allerdings nicht teilnahmen.

aber die ministerin doch!

sie kam nach der enthüllung noch ins symposium.  (sie stieß also hinzu). aber sie wird wissen, dass a) nicht klar ist, ob die CDU in der neuen regierung NRW drin ist und b) falls ja, dass alles andere als gewiss ist, dass sie dann wieder justizministerin ist.

sie muss sich also deshalb viel zeigen, denn es könnte der abschied für immer sein … vom ministerinnensein.

das kann man so denken und wohl auch so sagen.

die gedichte?

die wären hier: http://www.klausens.com/klausens-und-beate-und-serge-klarsfeld.htm

und die gedichte von dem symposium?

die tue ich dann dazu. hier noch das programm vom symposium:

Begrüßung
—9.45 Uhr
„Aufrechterhaltung der Heimatfront“ – Strafrechtliche Verfolgung
von Frauen und Jugendlichen
Michael Löffelsender
10.15 Uhr
Organisationen im Krieg. Die Justizverwaltung des Oberlandesgerichtsbezirks
Köln 1939-1945
Matthias Herbers
—10.45 Uhr
Richter in der nationalsozialistischen Kriegsgesellschaft,
1939-1945
Barbara Manthe
—11.15 Uhr
Kaffeepause
—11.45 Uhr
Der Krieg als Schaden: Haftpflichtprozesse und deutsches
„Kriegszivilrecht“
Dominik Thompson
—12.15 Uhr
Wehrmachtjustiz im „Heimatkriegsgebiet“
Kerstin Theis
—12.45 Uhr
Mittagspause
—14.00 Uhr – 15.00 Uhr Enthüllung einer Gedenktafel zur
Erinnerung an den Lischka-Prozess
—15.15 Uhr
Rechtsanwaltschaft und Nationalsozialismus – Strafverteidigung
vor dem Sondergericht Köln
Alexandra Kelter
—15.45 Uhr
Die Staatsanwaltschaft als rechts- und kriminalpolitische
Steuerungsinstanz im NS-Regime. Ermittlungs-, Anklageund
Gnadenpraxis im Raum Köln 1933/39-45
Thomas Bichat
—16.15 Uhr
Kaffeepause
—16.45 Uhr
Vorstellung des Projektes „Geschichte des Kölner Oberlandesgerichtsbezirks
zwischen Zweitem Weltkrieg und Wiederaufbau“
—17.30 Uhr
Schlusswort
Ende der Veranstaltung: —17.45 Uhr

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klau|s|ens sah berührt beate und serge klarsfeld, die eine gedenktafel in köln im gericht am appellhofplatz enthüllten – www.klausens.com

klau|s|ens, beate klarsfeld und serge klarsfeld waren in köln? und du warst dabei?

es war mir ehrvoll, dieses furchtlose ehepaar zu sehen, was so viel dafür tat, dass man diese ganzen NS-untaten nicht immer und ewig verschweigen konnte. und noch mehr: dass viele der täter und täterinnen dann endlich noch (halbwegs gerechten) strafen zugeführt wurden – so alt sie auch waren.

es geht in diesem fall um den „lischka-prozess“.

dieser war in köln, fand aber gegen 3 männer statt, und ohne beate und serge klarsfeld hätte es diesen prozess nie gegeben.

WIKIPEDIA: „Vor dem Landgericht Köln begann am 23. Oktober 1979 ein Prozess, in dem ihm und seinen Mitangeklagten erstmals persönliche Kenntnis vom Ziel und Zweck der französischen Judendeportation nachgewiesen werden konnte, der am 11. Februar 1980 mit Lischkas Verurteilung zu zehn Jahren Haft endete. Seine Mitangeklagten Herbert M. Hagen, Stellvertreter des Militärbefehlshabers in Frankreich, und Ernst Heinrichsohn, Mitarbeiter im Judenreferat von Paris, wurden zu zwölf und sechs Jahren verurteilt. Lischka und Hagen verbüßten zwei Drittel ihrer Haftstrafe und wurden 1985 entlassen.“

gestern waren sie dann wieder da? die klarsfelds? mann und frau? in köln?

sie waren in eben diesem gericht, und sie waren dann auch in dem gerichtssaal von einst, der heute „101“ heißt und im ersten stock des (heutigen) verwaltungsgerichtes (und finanzgerichtes) köln liegt, welches wiederum am appellhofplatz liegt.

und warum kamen sie gestern?

weil man eine gedenktafel enthüllte – allerdings nicht draußen, sondern drinnen, am saal. diese tafel wird mehr die beschäftigten im gerichtswesen mahnen als das gesamte volk. aber wie wichtig ist eine justiz, die sich nicht korrumpieren und vereinnahmen lässt! und wie sehr muss man immer wieder darüber berichten!

dafür kamen die klarsfelds?

nicht nur die! auch eine große abordnung von FFDJF (Fils et Filles de Déportés Juifs de France): söhne und töchter der deportierten juden von frankreich. serge klarsfeld ist deren präsident. alle haben dicke gelbe buttons. siehe deren homepage: FFDJF. und beate klarsfeld sprach dann auch … und das in der so hellen lichthalle des gerichtes, wo früher der haupteingang des gerichtes war, der aber jetzt leider verschlossen ist, dauerhaft (warum nur?) … klarsfeld meinte u.a., dieser prozess, dieser lischka-prozess, sei für sie (beide klarsfelds) der „bedeutendste aller prozesse, die wir erlebt haben“, gewesen.

wirklich?

ich hoffe, ich habe sie richtig zitiert. morgen mehr. der richter von einst, der als weise und besonnen galt, wie er den prozess führte, also als vorbild einer demokratisch gesinnten justiz, faßbender, war auch dabei. er sprach ebenfalls. ich schrieb gedichte, die ich unter www.klausens.com/klausens-und-beate-und-serge-klarsfeld.htm ablegen werde. anbei noch der vorankündigende text der justizverwaltung:

„Um 14.00 Uhr wird im Rahmen der Veranstaltung im Gerichtsgebäude am Appellhofplatz zur Erinnerung an den dort vor dreißig Jahren abgeschlossenen Lischka-Prozess eine Gedenktafel enthüllt. Zu der Feierstunde (von 14.00 – 15.00 Uhr) werden die Justizministerin des Landes Nordrhein-Westfalen, Roswitha Müller-Piepenkötter, der Oberbürgermeister der Stadt Köln, Jürgen Roters, sowie aus Frankreich Beate Klarsfeld und zahlreiche Nachkommen bzw. Verwandte der jüdischen Opfer erwartet. Der damalige Vorsitzende des Schwurgerichts des Landgerichts Köln und spätere Präsident des Landgerichts Bonn, Dr. Heinz H. Faßbender, wird eine Ansprache halten.

Kurt Lischka, im besetzten Frankreich u.a. Polizeichef von Paris, war an den Deportationen von Juden aus Frankreich in die Konzentrationslager des Ostens beteiligt. Nach dem Krieg lebte er zunächst unbehelligt in Köln. Am 11. Februar 1980 verurteilte ihn das Schwurgericht des Landgerichts Köln wegen Beihilfe zum Mord zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren.“

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Live-dichtend erfreute sich KLAUSENS an und bei der Lesung von Dieter Wellershoff in der Lutherkirche zu Bonn

klau|s|ens, gib uns mehr material zu der denkwürdigen lesung von dieter wellershoff in der lutherkirche! am 26.5.2010!

das meiste material sind doch meine, also: unsere,  LIVE-gedichte, zweitklausens.

ja, dann druck doch mal eines hier ab:

also gut.

DER ORT UNERWARTET

Man hatte ihn
Gerufen was ihn
Freute wo der
Wischer über
Die Scheiber
Rutschte wie
Ein Buckel
Im Dunkel
Innen vom
Raum

© Klau|s|ensĦķΩ7 Klau’s’ens=Klau(s)ens=Klausens=Klau|s|ens
Copyright Klau|s|ens in allen Schraib- und Schreibweisen, u.a. als Klau/s/ens oder Klau*s*ens oder Klau§s§ens, LIVE geschrieben von Klau|s|ens am 26.5.2010, Mittwoch, gegen 20:21 Uhr, Bonn, Lutherkirche, bei der Lesung von Dieter Wellershoff zu seinem Buch von 2009 „Der Himmel ist kein Ort“, veranstaltet vom „buchLaden 46“ aus der Kaiserstraße. Wellershoff liest aus seinem Buch und KLAUSENS schreibt schnell und zügig seine LIVE-Gedichte. Siehe auch:
http://www.klausens.com/klausens_live_dichten_theorie.htm

oder

WIEDERBELEBUNGS-
VERSUCHE

Ich halte jemand
Im Leise meiner
Arme wo ich keine
Antwort als die
Der Seite auf der
Anderen Straße
Bekomme als
Kämpfte da ein
Leben mit dem
Erschauern Gottes

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Copyright Klau|s|ens in allen Schraib- und Schreibweisen, u.a. als Klau/s/ens oder Klau*s*ens oder Klau§s§ens, LIVE geschrieben von Klau|s|ens am 26.5.2010, Mittwoch, gegen 20:26 Uhr, Bonn, Lutherkirche, bei der Lesung von Dieter Wellershoff zu seinem Buch von 2009 „Der Himmel ist kein Ort“, veranstaltet vom „buchLaden 46“ aus der Kaiserstraße. Wellershoff liest aus seinem Buch.

schön, schön!

danke! – die lesung wurde vom „buchLaden 46“ veranstaltet. es moderierte holger schwab, der alles das in der lutherkirche wohl auch initiert hat. – als presbyter der sehr kooperativen lutherkirche begrüßte uns dann berthold lange stellvertretend für das presbyterium. und küster albrecht knur half universell.

und wo war gott?

wenn es etwas wie gott gibt, dann ist er immer da, allzeit, in allem. auch in den worten. „jedes wort ist eine kirche!“ (spontanes zitat von mir nun.) – übrigens ist gott dann auch in diesen worten, die ich hier schreibe: ich, der atheist und agnostizist und pantheist und dichterist.

oh, du, gottlos göttlicher!

nicht ich allein – auch: wellershoff!

siehe: http://www.klausens.com/klausens-und-dieter-wellershoff.htm

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Dieter Wellershoff, den Schriftsteller, erlebt KLAUSENS

klau|s|ens, du erlebtest dieter wellershoff in bonn, in der lutherkirche?

ja, es war mir doch ein genuss.

warum?

es ist, wie alles an gefühlen, die aufkommen und abkommen, schwer zu sagen. er hat eine abgeklärte ruhe, eine weitsicht auf die welt, etwas erhobenes in demut, bei klarem verstand. diese ganze mischung hat mich seltsam berührt.

er ist jahrgang 1925.

eben: er hat so vieles erlebt. so viele wirrungen mitgemacht, angefangen beim krieg, in dem er selber als soldat „stritt“. und über die vielen jahre, das viele lektorieren (u.a. ja böll, bei kiepenheuer & witsch), und lesen, dann auch das viele schreiben … ist er mehr und mehr in die welt eingetaucht. erst seit 1981 ist er vollends „freier schriftsteller“. vorher war der broterwerb durchs lektorieren. über 20 jahre. nun aber fast 30 jahre das leben mit und für die worte und sätze als selbst geschriebene.

das gefällt dir?

bei ihm ist etwas eigenes. es ist nicht die große, einschüchternde intellektualität, die einen verstummen lässt, sondern fast schon andersherum: der dezidiert gelebte humanismus, der aus seinen feinen rein-beobachtungen hervorspringt, was einen anzieht und denkrunzelschweigend macht. da schaut einer, da schreibt einer mit: es ist keine weltweltphilosophie, sondern die wahrheit der welt in der beobachtung vom alltäglichen – ein ganz anderer ansatz als bei anderen „geistesblitzern“. (wort von mir soeben erfunden! geistesblitzer! für intellektuelle, die das ihrige offensiv in die welt einbringen.) … und doch weise und klug und uns in-sich-nehmend.

seine worte bergen dich? eine wohlige bescheidenheit der demut des weltwissens?

in seinen schreibworten (und sprechworten) kann mancher mensch sich bergen. es ist wie eine heilsame mediation. das leben ist irrsinn und wahnwitz. das leben ist rettungslos … und (wie ich glaube) gottlos. aber ein schriftsteller schreibt es wenigstens so auf, dass man sich daran festhalten kann; an der wahrheit der unzulänglichkeit unser aller existenz. und er (wellershoff) spricht in klaren worten über diese erfahrung, in texten, aber auch LIVE als person.

du lobst?

ja, denn manches mal rührt einen dieses an, oder jenes. bei wellershoff war es jenes.

du schriebst gedichte?

ja, ich schrieb über 50 LIVE-gedichte, die jetzt wieder nach und nach abgeschrieben und abgetippt werden wollen. zweitklausens, siehe hier:

http://www.klausens.com/klausens-und-dieter-wellershoff.htm

es sind unsere gedichte, klau|s|ens. wir schreiben sie immer zusammen. – das leben ist nur durch kunst erträglich?

wahrscheinlich. sonst würden wir uns nicht wieder und wieder in kunst und neuer kunst verlieren, die doch an den kernwahrheiten nichts ändert: wir leben und wir werden sterben. ob mit 100 millionen büchern oder 200 millionen gedichten oder 300 millionen bildern oder 400 millionen liedern. aber darüber will beständig reflektiert werden. was für eine existenz?! der mensch?!

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