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Nochmals zur Moschee Marxloh schreibt KLAUSENS

klau|s|ens, gibt es zu diesem thema noch etwas zu sagen?

oh ja, unendlich.

dann tue es.

ich will mich nur zu der frage äußern, ob wir moscheen brauchen oder nicht.

du meinst, weil ralph giordano warnte?

eben. es sind ja auch andere, die angst haben. sorge.

brauchen wir neue moscheen?

aber ja, denn anders sind die moscheen ja auch da, nur klein, kaum sichtbar, unbekannt – in den hinterhöfen. versteckt.

du meinst, es wird endlich sichtbar, was ja sowieso da ist, wenn man die großen moscheen zulässt?

ja, genau das.

und?

es wird zu problemen kommen, weil ja unsere kirchen in deutschland eher auf dem rückzug sind, und dann kommen die muslime und scheinen kraftvoll, stark und lebendig.

das gibt dann probleme?

ja, das ist zu befürchten. rückzug gegen aufzug. konkurrenzen, ängste, minderwertigkeitsgefühle, alles das.

gibt es keine lösung?

es gibt keine überzeugende: keine moscheen zu bauen (bzw. den bau nicht zuzulassen) würde zur desintegration unserer (ehemals ausländischen, heute oft ja inländischen) mitbürger führen.

aber?

moscheen zu bauen, bringt auch probleme, weil hier sofort abwehrreaktionen erweckt werden.

dann sind beide wege mit schwierigkeiten gepflastert?

leider ja. und vielreligionsstaaten sind ja immer anfällig.

inwiefern?

sie können jahre und jahrzehnte sehr gut funktionieren …

und dann?

… dann kann aber ganz schnell aus diesem gemisch ein bürgerkrieg herbeigezaubert werden, unruhen, progrome, alles das.

du denkst z.b. an bosnien?

unter anderem, es gibt viele beispiele in der geschichte, wo alles wunderbar funktionierte, und kaum, wenn sich die konstanten ändern, dann schlägt alles um.

du hast also prinzipiell bedenken bei vielen religionen und kulturen?

ja – das geht nur, wenn man kluge, weise und gemäßigte politiker hat.

die haben wir doch!

viele! – aber bedenke, wie dieser herr roland koch in miesester weise die anti-ausländerkarte zog … nur um die wahl zu gewinnen, in hessen.

aber er hat doch verloren!

ja, aber dennoch: 4 jahre zuvor hatte er damit noch gewonnen. mit rassismus, wenn du so willst.

und rüttgers?

der hatte doch mal die unsägliche kampagne mit „kinder statt inder“ … oder so ähnlich … begonnen. auch, um wahlen zu beginnen.

der tolerante rüttgers? der zog auch die anti-ausländerkarte?

das sage ich doch: alles kann schnell umkippen. und man kann ja niemandem trauen. wenn es um die eigene haut geht, werden alle prinzipien verraten.

das alles stimmt dich bedenklich?

aber ja. – dennoch: ich habe marxloh miterlebt. das war toll und ein positives signal.

und die moschee in ehrenfeld?

das ist es ja! da läuft es weniger gut, u.a. auch weil bestimmte kreise der CDU zuviel ängste haben beziehungsweise schüren. (von PRO KÖLN können wir nur schweigen. widerlich!)

also doch keine moscheen?

doch! denn die alternative wäre noch schlimmer, das würde die gräben vertiefen und radikalität begünstigen.

also doch moscheen.

ja.

und giordano?

… sollte unbedingt von der DITIB immer wieder eingeladen werden. (DITIB ist übersetzt TÜRKISCH-ISLAMISCHE UNION DER ANSTALT FÜR RELGIONEN e.V.)

du meinst, diese türkisch-staatliche oder staatsnahe organisation, unter derem mantel die türkischen moscheen in deutschland stehen? zumindest ein ansehlicher anteil?

ja – aber komm, wir müssen noch unsere gedichte ins netz setzen.

wo denn?

na hier:
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Einweihung der Moschee in Duisburg-Marxloh mit KLAUSENS

hey, klau|s|ens, du warst dabei?

natürlich! künstler und dichter sollten sich immer für die verständigung zwischen den kulturen und religionen einsetzen.

war es schön?

die neue moschee ist wirklich wunderschön, besonders von innen. diese formen und farben, das licht, die muster. die reflektionen. eine betörende raumwahrnehmung. herrlich. wunderschön.

man spürt etwas göttliches?

wenn gott für schönheit steht, dann ist es genau so!

du hast gebetet?

ich habe mich dem muslmischen gottesdienst (mittagsgebet, noch vor der zeremonie) als gast angeschlossen. auch das ist immer wieder ein besonderes erlebnis.

aber bist du selber nicht atheist?

man darf das alles nicht so eng sehen. ich glaube an keinen gott im traditionellen sinne, habe aber einen sinn für das göttliche, was den dingen dieser erde und diesem kosmos innewohnt. deshalb kann ich auch mit allen religionen gut zusammenleben.

du bist also atheist und pantheist in einer person?

so könnte man es sagen – aber wir sind als zweitklausens und klau|s|ens ja gar nicht eine person! – oder doch?

wie war die atmosphäre?

es war alles sehr nett und freundlich, ein positiver tag, ein positives erlebnis. lächelnde gesichter. – die menschen waren so nett! – und viele türken wohnen um die moschee, auch einige in reihenhäusern. man hatte schon optisch den eindruck, dass diese menschen mehr in deutschland zuhause sind, als in ihrer türkischen heimat.

wie fandest du die reden?

reden sind oft lang und zäh, aber sie gehören offenbar zum ritus der einweihungskulturen dazu, weil ja muslime und die christen (evangelisch) und die christen (katholisch) und die juden alle ihre monotheistische verbundenheit angesichts dieses moschee-projektes ausdrücken wollten.

du hättest dir auch andere religionen erhofft?

ja, für mich sind auch die religionen, die viele götter/gottheiten anbeten, kein problem.

welche rede war am zähesten?

die vom bischof aus essen, katholisch.

welche rede war am inhaltsreichsten?

die von herrn rüttgers. er eröffnete erstmals eine moschee, so sagte er. und man hatte den eindruck, er wollte deshalb hier pflöcke setzen, die sich dann auch wiederum auf die strahlkraft seiner ministerpräsidentschaft auswirken sollen.

du hast aber darüber nachgedacht.

oh ja: wir brauchen ein miteinander, wir brauchen moscheen, die nicht in hinterhöfen sind, (RÜTTGERS: „Wir brauchen mehr Moscheen in diesem Land, nicht auf den Hinterhöfen, sondern sichtbar.“), aber auch die gemeinschaft. das fremde muss sich annähern und verbünden, denke ich. sich befruchten. im dialog. im streitbaren dialog.

ist das die große angst? keine gemeinschaft von muslimen und christen und nichtreligiösen?

ja, wenn die eingewanderten leute z.b. kein deutsch sprechen (auch ein thema von rüttgers), wird es schon schwer, mit dem integrieren. (schön wäre es, wenn auch die deutschen türkisch sprächen. aber die einwanderer sind immer deutlich mehr im zugzwang. — aber die deutschen in antalya: die müssen alle türkisch lernen! das wünsche ich, klausens! über die rede von rüttgers hinaus).

rüttgers sprach also ängste an?

er sprach davon, dass er sich bei vielem auch unsicher sei. so etwas hört man von politikern selten – die ganze rede war doch sehr ungewöhnlich, für einen politiker. und ich frage mich immer, welcher redenschreiber dahintersteckt. ich muss aber sagen (was ich bei politikern selten mache): für diese rede muss man ein kompliment aussprechen.

war die rede nur gut?

so habe ich es nicht gemeint. rüttgers und ich sind bestimmt sehr oft keine meinungsgefährten. ich lege mit bezug auf die rede wert auf das „inhaltsreiche“ dieser rede. man kann nun darüber nachdenken. es waren keine hohlen formeln, sondern in wenigen minuten gute und wichtige ansätze zum diskurs.

er regte sich auch über das ewige gotteslästern auf, offenbar auf die comedy-szene anspielend. oder?

dazu hat er ein recht — aber das fand ich in seiner rede übertrieben. vielleicht hatte er auch mehr karikaturen aus dänemark und anderswo im hinterkopf. – religionen brauchen witz und selbstironie, und die ungläubigen dürfen nie den respekt vor dem glauben anderer verlieren. beides gilt.

du bist wie ein botschafter von toleranz.

und demut! – zugleich aber keine naivität. kein glorifizieren des multikulturellen. nach den geschehnissen in den niederlanden (mord an theo van gogh) sind wir alle doch etwas klüger geworden. bisweilen schlägt aber das pendel nun zu sehr in die nicht-toleranzschiene um. bisweilen ja auch hass. rechte kräfte fahren auf einer anti-muslim-schiene. so etwas finde ich natürlich abscheulich.

waren denn gestern deutsche da?

gestern? ja, ja, aber es hätten gerne viel mehr sein können.

so siehst du also diese moschee positiv?

es scheint so, dass alle beteiligten sich gesagt haben, diese moschee soll nicht der separation dienen, sondern genau dem umgekehrten. und das scheint mir sehr wichtig.

du hast angst vor sub-gesellschaften? sub-kulturen?

es gibt überall in deutschland sub-gesellschaften. biker, camper, hardrocker, tattoobegeisterte, fußballfans, opelfahrer … alles subgesellschaften. wenn diese aber den anschluss an die hauptgesellschaft verlieren, dann haben wir viele „staatsgebiete“ in einem, und dann sind die gefürchteten „clashs“ der kulturen und religionen (die ja auch teil der kulturen sind!) nicht zu vermeiden.

du hast also keine rosarote brille?

nein, die haben wir alle wohl verloren. aber duisburg-marxloh ist wirklich ein positives signal, zumindest für die, die auch dorthin gefahren sind.

hast du gedichte geschrieben?

aber ja, LIVE-gedichte, um diesen historischen moment zu markieren.

eines?

O.K., eines:

DOPPELDEUTLICHKEIT

Sprache ist
Der Schlüssel
Zur Zukunft
Die nur aus
Einem Schloss
Bestehen kann

Copyright Klau|s|ens in allen Schreibweisen und -waisen, u.a. als Klausens oder Klau/s/ens oder Klau-s-ens, LIVE geschrieben, am 26.10.2008, feierliche Eröffnung der Moschee, im Festzelt neben der Moschee, Duisburg, Marxloh, bei der Rede von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers. Dieses Gedicht ist ein Zitatgedicht. Zu den Zitatgedichten siehe: http://www.klausens.com/zitatgedichte.ht…

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