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Zum Nun-Sinn des Kölner Kunstfälscherprozesses äußert sich KLAUSENS

klau|s|ens, bei den plädoyers am freitag ging es auch um die frage, was die justiz kann und soll.

demnach soll und muss die justiz nicht alles aufklären, was man aufklären kann.

die justiz ist nur die justiz.

aber sie ist für die klärung da!

sie sucht täter. bzw. sie bestätigt die findung der richtigen durch polizei und staatsanwaltschaft.

das auch, aber der prozess selber soll nicht nur die täterschaft belegen und absichern, er soll auch die vorgänge klarmachen. hintergründe. systeme.

woran denkst du?

an nahezu alles:
– kindesmissbrauch
– korruption
– körperliche gewalt
– wohnraumverluderung
– armut
– betrug
– kunstfälschung
– sexuelle unterdrückung
– raub
NS-verbrechen
und … und … und … die liste wäre 10 kilometer lang

alles passiert.

unsere bücher und medien leben davon. das verbrechen spiegelt die welt, nicht nur allgemein – sondern konkret.

das sollen wir also vor gericht erfahren?

muss nicht vor gericht geklärt werden, was mit der kleinen anna in bad honnef geschah und wer dafür verantwortlich war? muss nicht die ganze jugendamtstätigkeit aufgerollt werden? müssen nicht alle verantwortlichen, auch die bürokraten überführt werden? ist nicht die aufsicht und die offenbar aktiv erfolgte aktenbeseitigung zu hinterfragen? also bis hin zum bürgermeister? ganz intensiv? ganz genau?

doch, das soll geschehen, alles soll erforscht werden: aber doch nicht vor gericht.

doch, genau dort. viele dinge lassen sich nämlich nur vor gericht klären. nirgendwo anders.

wieso?

… weil man dort leute vorladen und befragen kann. man hat akten und protokolle und dokumente. (gewiss, es gibt auch kniffs und tricks, sich dem so oder so zu entziehen. aber die gerichte wissen auf lange sicht auch, wie sie das wieder umgehen können.)

und dieser WCCB-bau? bonn? hunderte millionen verlust für uns steuerzahler?

das ist es doch auch: auch dieser vorgang kann vor gericht einiges an aufklärung erfahren. (der prozess läuft ja gerade.)

aber nur „einiges“. (übrigens frau bärbel dieckmann ist immer noch im amt bei der welthungerhilfe. die bonner ex-bürgermeisterin.)

klar, alle anderen müssen auch mitziehen. die medien, die parlamente und räte, die ausschüsse, die experten, die unis … es muss auch symposien zu diesen dingen geben, alles das. aber wenn der gerichtsprozess stattfindet, gehen davon ja auch solche impulse an die gesellschaft aus.

der prozess fand doch statt! der kölner kunstfälscherprozess! http://www.klausens.com/klausens-und-der-grosse-koelner-kunstfaelscherprozess.htm

ja, ja, aber zeugen kamen nicht, und sie kamen auch nicht vor. köln war ein prozess ohne den eigentlichen inhalt: die szenerie, die den kunstbetrug per fälschung so gerne ermöglichte.

aber hatte nicht rechtsanwalt gillmeister aus freiburg (er vertritt helene b.) gesagt, die zeugen wären wohl gar nicht gekommen. nicht aus genf, nicht aus frankreich, nicht sonstwoher. man solle sich nichts vormachen. man lädt sie, aber sie kommen dann nicht.

das hat er gesagt, und er hat auch recht. er weiß das aus erfahrung.

dann lass es doch gut sein!

das tue ich aber nicht. dann können wir ja bei allen prozessen jetzt auf „verständigung“ und „deal“ setzen. (außerdem bei über 160 zeugen werden ein paar sich nicht drücken können!)

das wäre doch schön. „verständigung“ hört sich super an. eine welt voll harmonie. nie mehr verbrechen. nur noch dialoge und übereinstimmung!

das wäre nur schön einfach … für die justiz. dann hat man die leute, die gestehen, dann legt man die strafen fest … und so ein prozess wie der kölner ist immer nach 8 tagen oder 9 tagen oder 10 tagen beendet.

eben.

aber die aufgabe der justiz ist nicht nur die der bestrafung, sondern auch der klarstellung aller beweggründe. und wann immer gesellschaft und verbrechen direkt zusammenhängen (was in hochhaussiedlungen wie köln-chorweiler oder bonn-tannenbusch so oft und fast schon klassisch der fall ist), dann sind diese dinge zu klären. nicht ausufernd, aber doch zu klären. wir wollen dazulernen. wir wollen danach etwas verändern. die gesellschaft muss dann umgebaut werden, da und dort.

dann kläre doch!

ich schreibe hier unseren blog(g), zweitklausens. ich trage also bei.

na also, dann sei doch froh. (aber es ist unser gemeinsamer blog!)

ich schreibe aber diesen blog(g)-beitrag u.a. deshalb, weil es diesen prozess gibt und wir diesen besuchen.

dann schreibe doch mehr und mehr und mehr … über alle zusammenhänge, z.b. bei der kunst.

ich habe nicht das geld einer zeitung. ich kann nix recherchieren. das muss ja alles bezahlt werden. schon ein kleiner aufenthalt in genf … der will bezahlt werden. recherche kostet viel geld. aber sie ist so wichtig!

dann lass es doch die presse machen. oder panorama.

sicher, aber die werden auch sagen: bei uns wird nichts mehr für recherche bezahlt. wir haben kein geld mehr. bei uns werden journalisten eher entlassen, ganze zeitungen werden zusammengelegt, es gibt nur noch eine redaktion, die mantelredaktion (man erinnert sich an hugenberg!) …

… du meinst die sache bei berliner zeitung und frankfurter rundschau. die meinst du.

als beispiel: ja, ja, die kölner mediengruppe DUMONT-SCHAUBERG (MDS) als ein beispiel von vielen. die dinge sind ja immer im wandel.

du klagst also nun die justiz an!

nein, nein, das tue ich nicht. aber ich sage, dass ich diese verständigung nicht akzeptiere. nicht in diesem fall als solchen, sondern prinzipiell. ich will keine verständigung bei solchen prozessen, auch wenn sie geld erspart.

sprach nicht in diese richtung auch herr gillmeister, der anwalt aus freiburg?

ja, er sprach sich eher für das normale (ungekürzte) verfahren aus, allerdings nicht dogmatisch.

und bei der staatsanwältin, frau kathrin franz?

da war der hauptgesichtspunkt mehr der, dass die justiz nicht alles leisten könne. da müsse die öffentlichkeit sich mehr bewegen.

so also stehen sich die facetten der welt gegenüber.

ich rufe jetzt und hier auf, dass diese kunstfälschersache zum leitthema aller anwesenden zeitungen wird, von F.A.Z. bis SZ und SPIEGEL und HANDELSBLATT und wie sie alle heißen. sie sollen das thema nun unabhängig vom prozess vertiefen! auch die deutsche presseagentur!

ein schöner aufruf!

auch die radiosender und fernsehsender, die vertreten waren, sollen so tun. Deutschlandfunk/Deutschlandradio, ARD, WDR, ZDF, etc. — ALLE SOLLEN ALLES AUFKLÄREN! ZUM BEISPIEL UM DIE KUNST! JETZT! LOS! FANGT AN!

auch ein schöner aufruf.

ich möchte, dass der kunstmarkt und der fälschermarkt durchleuchtet werden, von köln bis genf, von paris bis new york.

schön.

und experten wie jener professor werner spies mögen nun 1.000 interviews pro woche geben (müssen), wie es dazu kommen kann. zu diesen expertisen. und die galeristen, die diese bilder dann veräußern. die auch! und die leiter der auktionshäuser!

danke, es ist erhört worden.

schön.

aber es wird so nicht passieren.

ich weiß. – deshalb möchte ich ja, dass diese verständigung nicht eintritt, oder nur in seltenen fällen. nur als ultima ratio. einfach für das recht der öffentlichkeit auf wissen und aufklärung.

deshalb wollte man ja den gaddafi lebend.

das ist auch so ein gedanke: lieber ein prozess in den haag, und da kommt dann etwas an information raus, etwas an aufarbeitung, wenigstens: etwas.

du bist also letztlich für den prozess.

ich erwarte nicht viel vom prozess. aber ich erwarte noch weniger aufklärung ohne prozess … oder bei einem deutlich zu kurzen prozess.

und wenn wir selber „kurzen prozess“ machen?

mit der ganzen welt? bei der ETA hat es auch nichts gebracht. also: denk erst einmal nach … es wird nie eine gute und reine welt geben. nie! aber vielleicht immer eine etwas bessere als die welt zuvor. dazu dient auch jeder gut geführte und genug ausführlich geführte prozess.

mich stört(e) schon das für das normale publikum ausgesprochene schreibverbot bei diesem prozess. da war die hauptlinie doch schon klar! wer dem publikum das schreiben verbietet, der …

ein zu kurzer prozess mit teilweisem schreibverbot also: der kölner kunstfälscherprozess. – urteil am donnerstag, 27.10.2011.

HOMEPAGE VON KLAU|S|ENS: http://www.klausens.com

Zu den Plädoyers im Kölner Kunstfälscherprozess schreibt KLAUSENS

klau|s|ens, gab es überraschungen?

nein, seitdem die „verständigung“ feststeht, scheint alles klar und geritzt. die staatsanwältin plädierte auf und für ihre strafen … die verteidiger wollten gerne milde oder mildere strafen … also zeitlich gern etwas weniger.

konkret?

die staatsanwältin kathrin franz wollte 6 jahre für den maler wolfgang b., 5 jahre für den krefelder unterhändler otto s.-k.,  4 jahre für die ehefrau des malers, helene b. … und zwei jahre auf bewährung für die schwester von helene: für jeanette s., die hier und da nur mithalf.

so war es doch schon lange gesagt und abgemacht und durchdacht.

heute wurde es eben offiziell noch aufgestellt. es sind eher formalia. aber man hofft ja doch auf brosamen der erkenntnis.

danach?

danach, sage es!

… kamen die anwälte. sie forderten milde, aber nie konkret. sie redeten so, sie redeten so. lediglich der anwalt des otto s.-k. nannte 4 jahre und 6 monate als möglich. der ton war bei allen höflich und teils umständlich und auch gerne noch freundlich bittend.

sie wollen also noch ein paar monate rausschinden, darum geht es. aber sie wissen: zu fordern gibt es hier nichts.

gewiss, noch ein bisschen stimmung machen, so oder so … vielleicht hilft es ja. vielleicht bekommt man 6 monate noch runter, von den strafwerten.

gemäß der devise: das gericht kann etwas milder sein als die staatsanwältin.

die staatsanwältin ist ja schon milde, weil sie bei genau den höchststrafen blieb, die man vorher besprochen hatte. die milde war inhalt in der absprache zuvor. warum hätte sie heute diese milde noch unterbieten sollen? – die ausgehandelten höchststrafen sind aus ihrer sicht doch das ende der fahnenstange bzw. des malerpinsels.

in 14 fälschungs- und verkaufsfällen?

ja, nur 14. das war die prozessbeschränkung. für jeden fall wurde aufgelistet, wer der vier wie beteiligt war … bzw. für jeden der vier, wann er wo und wie was gemacht hat, bei den 14 bildern: fall 1, fall 2, fall 3, fall 4 … so ergeben sich dann die strafen. nicht durch addition, aber doch durch zusammenhäufeln der straftatmasse.

die anderen fälle, jenseits der 14?

die wurden ja eingestellt. demnach geht es nur um 14 falsche bilder, die man in den verkauf brachte.

wie ungerecht!

die anderen faslchbilder dürfen für die strafbeimessung und -zumessung keine rolle spielen, hieß es seitens der anwälte.

wer sagte das?

das sagte anwalt gillmeister aus freiburg, er sprach als letzter.

wie sprach er?

er sprach schön: frei, an die stuhllehne sich von hinten stellend, die stuhllehne greifend, und dann frei sprechend, auch akustisch gut, mit ein paar notizen. das kam gut.

wie machte er das?

hintergrund: er war am morgen beraubt worden, u.a. das plädoyer hatte man ihm entwendet, aber auch die brille, und viele dokumente, personalausweis, führerschein, die übliche liste. alles weg.

der anwalt ist also auch opfer?

an diesem tag wurde er opfer. der prozess musste später beginnen. aber dafür sprach er dann brillenlos und frei sein plädoyer. und ich würde sagen, dieser vortrag war von stil, ton und inhalt der gehaltsvollste. somit auch der beste.

du willst die anwälte jetzt bewerten?

nein, nein, aber der intellektuelle ertrag ist oft doch mager. man nehme den „strafverteidiger“ als typus. dieser typus wird durch die prozesse und die klienten, die er betreut, etwas „abgewetzt“ … manchmal auch „abgewichst“ – aber es gibt auch kluge erscheinungen unter ihnen. das wolllen wir immer feiern.

aber was wollten die anwälte, in ihrer gesamtheit?

sie wollten weniger, vielleicht, hoffentlich, eventuell: weniger. etwas weniger strafe. und sie führten dieses und jenes an, was mich als gericht nie umstimmen würde. einfach, weil ich ja weiß, was sie da spielen. das gericht kann dann nur den eigenen sympathiewert für die angeklagten walten lassen. die plädoyers der verteidigung werden eher wenig bewegt haben.

wird es das tun? milde sein? das gericht? also noch milder als die höchststrafen, die man schon ausgehandelt hatte?

wir wissen es nächste (kommende) woche donnerstag. eigentlich ist der prozess nur noch mäßg interessant, weil alles ja in den bahnen läuft, die seit dem deal vorgegeben sind.

haftverschonung?

wurde gefordert, ja, ja – raus aus der untersuchungshaft und dann unter auflagen schon rein ins leben. das scheint möglich. auch das.

unsere gedichte? http://www.klausens.com/klausens-und-der-grosse-koelner-kunstfaelscherpozess.htm

die gehen weiter. wir versuchen an erkenntnis rauszuholen, was möglich ist, klau|s|ens.

danke, zweitklausens. ich merke, dass du von dem prozess doch etwas enttäuscht bist.

dazu morgen mehr.

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