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Die seltsame Sammeltonne sieht KLAUSENS vor der Tür

klau|s|ens, nun also die tonne vor der tür. ungefragt. frech. da steht sie dann.

es sind neue tricks und neue wendungen.

warum stellt man eine tonne vor die tür?

man will mir die arbeit leichtmachen.

will man?

gewiss, diese kleidersäcke aus kunststoff, die muss man sich in seinem eigenen schrank oder aus dem briefkasten suchen … und dann werden sie nachher aufgeschlitzt.

und diese tonnen?

diese tonnen sind der moderne lumpensammler.

ich dachte, man tut gutes.

das denkst du aber nur. der text ist sehr zwiespältig formuliert. zunächst: „Die Abholung erfolgt in 24 – 48 Stunden. Vielen Dank! An Sonn- und Feiertagen erfolgt keine Abholung.“

na, das ist doch schön.

zwangsbetonnung von nur 24 bis 48 stunden. das nenne ich „fair“. allerdings: die ersten tonnen lagen schon zerfetzt auf der straße, vom wind oder von wütenden fußtritten dorthin gelangt.

sie stellen die tonne einfach frech vor die haustür?

sagten wir doch. das nenne ich aggressives marketing.

was schreiben sie noch?

„Die Sachen werden von Bedürftigen und armen Menschen in der 3. Welt weiter getragen. Sie landen nicht im Reißwolf.“

das ist perfide.

gewiss, hier wird so getan, also ginge es um eine soziale tat. in wirklichkeit unterstützen wir keine „3. welt“ (gibt es die denn noch?), sonden den geldbeutel dieser findigen sammler.

ich finde das alles unlauter.

ja, aber es ist eben nicht ganz so unlauter wie andere sind. das ist der feine unterschied.

dann rühmst du diesen unternehmer für seine unlauterkeit, die weniger schlimm ist als bei anderen menschen?

so weit sind wir schon gekommen: in einer welt des betruges freue ich mich, wenn nur eine tonne vor meinem haus steht …

… und ich nicht in der u-bahn überfallen werde. (das wolltest du sagen.)

ich wollte sagen: diese gesamte welt gehört in eine tonne. – eher, als dass unsere atomaren abfälle nachher in der 3. welt landen. oder in russland.

am ende landet aber doch alles da. im nirwana der armut. du kennst doch die bilder, wie in kenia oder nigeria kinder durch hochgiftigen computerschrott wandeln, den sie auch noch mit feuer schmelzen! du kennst diese bilder doch!

dafür schäme ich mich.

meinst du nicht, wir selber als menschen gehörten allesamt in die tonne? und dann ab in eine andere welt?

dann müsste die tonne aber länger als 48 h stehenbleiben. dann braucht man etwas mehr bedenkzeit.

entsorgung ist im prinzip ein schönes wort.

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Mit dem Schuhwerfer befasst sich KLAUSENS

klau|s|ens, du behandelst heute den schuhwerfer? den von bagdad?

man kommt nicht darum herum – denn er findet immer mehr nachahmer.

was soll das alles? schuhe werfen kann doch jeder!

gewiss, aber du verkennst etwas, was viele leute verkennen.

was denn?

die interkulturelle komponente.

inwiefern?

die schuhsohle hat für den arabisch-muslimischen raum eine tiefere und größere und höhere bedeutung als bei uns.

findest du?

nein, es ist so. die schuhsohle gilt als unrein, und zwar als besonders unrein. deshalb wird in allen büchern über den arabischen raum den westlern gepredigt, sie sollten nie und niemals ihre schuhsohlen zeigen, weil das als ganz, ganz, ganz besonders unhöflich aufgefasst wird.

ist das so?

aber ja – ich stelle es mir in etwas so vor, als würdest du jemandem mit kot beschmiertes klopapier auf den tisch legen.

bei uns?

ja, ja, wir müssen doch entsprechungen suchen.

dann ist schuh also nicht schuh?

in diesem fall kann man es so sagen: schuhsohlen werden zwar auch bei uns nicht unbedingt als lieblichkeit aufgefasst, aber sie haben nicht einen so niederen, beleidigenden rang wie im arabischen raum.

ist das kulturgeprägt?

aber ja doch: alles leben ist kulturgeprägt. von A bis Z.

und was ist mit zigarettenwerbung, wenn sich ein cowboy an der schuhsohle einen streichholz anzündet?

diese werbung dürfte so noch nie in arabischen ländern ausgestrahlt worden sein, wenn das unternehmen sich nicht konkurs oder morddrohungen einhandeln will.

aber was ist dann mit dem schuhwerfer von bagdad?

gegen den hat gestern der prozess begonnen, ist aber vertagt worden, auf den 12. märz.

aber was ist mit dem?

der mann wird nun geehrt und gefeiert. ein held, dem mehrere jahre haft drohen.

wie kann das sein?

er hat das schändliche umgewidmet zum protest.

inwiefern?

er hat ex-US-präsident bush beworfen (vor circa 2 monaten, als der noch präsident war), mit dem schuh … und damit auch mit den schuhsohlen. er hat also bush offensiv beleidigt – und das ist nun protest.

ist das so?

wir hatten in deutschland mal den kommunarden fritz teufel, der gezielt die richter beleidigt hatte. u.a. ließ er die hosen runter, vor gericht.

ach, dann wäre der schuhwerfer also der fritz teufel von bagdad?

man kann die dinge immer nur entfernt vergleichen, weil der kulturelle hintergrund eine wichtige rolle spielt.

und was willst du mit dem schuhwerfer?

ich wollte nur sagen, dass es ein unterschied ist, ob ein arabischer journalist in bagdad mit schuhen wirft, auf einen amerikanischen präsidenten, oder ob jemand in europa mit schuhen wirft, z.b. auf einen chinesischen regierungschef wen jiabao.

das gab es auch?

ja, ja, dieser deutsche in london: martin j. – der! – das sind doch diese nachahmertaten.

aber?

diese taten haben weniger brisanz, weil sie aus einem anderen schuhsohlenkulturreferenzrahmen stammen.

ich verstehe: „schuhsohlenkulturreferenzrahmen“! ein klausensisches wort!

na und? wenn es doch uns weiterhilft!!!

weiterhilft? so ein wortmonstrum? – wenn du nicht aufpasst, werfe ich noch meinen nackten hintern nach dir. und du kannst ihn dann mit deiner schuhsohle trocken reiben.

du bringst jetzt alles durcheinander, zweitklausens.

ach ja – und wer beleidgt hier wen, wenn er die schuhsohle sogar in seinem blog(g) zeigt? na? wird in der arabischen welt kein internet gelesen? oder wie?

ich dachte, ob vielleicht herr bush ab und an meinen blog(g) liest. also, eigentlich …

aber für einen amerikaner bedeutet die schuhsohle doch etwas ganz anderes als für einen menschen aus arabischen ländern. vielleicht kann man bush so gar nicht beleidigen.

also müsste unser angeklagter von bagdad, namens muntadhar al-saidi, dann doch eher das benutzte klopapier nach texas schicken?

du siehst, wie kompliziert „gelungene“ beleidigungen im interkulturellen kontext sind.

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