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Die Trauerfeier zu Robert Enke sah KLAUSENS

und?

das war eine der größten abschiede, die wir in deutschland kennen.

kannst du dich überhaupt erinnern, dass schon einmal ein sarg mitten in einem fußballstadion aufgebahrt war?

nein: es ist ein fast schon beängstigender hype, der da um robert enke getrieben und betrieben wird.

ich denke das auch: es gibt und gab immer schon depressive und selbstmörder (es sollen ja allein 1000 bis 1600 pro jahr sein, die sich vor einen zug werfen) … nur: bei robert enke ist auf einmal alles übertrieben anders.

es gibt immer menschen, die in eine stimmung hineingeraten. robert enkes tod fiel in eine typisch drückende novemberstimmung, die diesen traurigen vorfall geradezu brauchte.

so siehst du das?

ja, allerdings muss man auch sagen: früher gab es nicht so viele fernsehsender, die eine solche trauerfeier LIVE übertragen hätten.

man kann das trauerfeierzapping machen.

und dann spielen wir gewollt oder ungewollt voyeur, und wir gucken in die gesichter der familie.

die familie gibt sich allerdings insgesamt sehr offen.

inwiefern?

der vater von robert enke hat sich sogar in der BILD am SONNTAG geäußert.

es scheint, als müsste da vieles mal richtig raus.

aber durch eine solche haltung wird natürlich auch dieser aufruhr der gefühle, der ja teilweise auch ein gemachter ist, herbeibeschworen.

es ist wie ein teufel, den man aus der flasche lässt.

und: enke wird demnächst madonna und maradonna in einer person.

gewiss: die übertreibung in der trauer muss einen auch sorgen, so schlimm der tod des robert enke ist. eine gesellschaft, die so überdeutlich stark trauert, leidet offenbar. sie leidet an sich selbst.

eine insgesamt depressive gesellschaft also.

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Über die übergroße Anteilnahme am Tod von Robert Enke denkt KLAUSENS nach

klau|s|ens, was ist nur los?

man könnte denken, dass ganz deutschland weint.

vor den fernsehkameras in hannover brechen immer wieder neue leute in weinen aus, die den mann robert enke nur aus dem stadion oder aus den medien kannten!

ja, sie weinen dennoch.

das ist doch seltsam.

es liegt nicht an der person robert enke allein.

woran denn noch?

robert enke passt in die gefühle der menschen, zumal im november.

sie nehmen sich robert enke für ihre eigenen gefühle.

genau das: alles an last und sorgen wird in robert enke verlegt. indem ich um robert enke weine, kann ich meine eigenen gefühle über das leben und die welt besser bewältigen.

der november ist eine dunkle und melancholische jahreszeit.

eben – es wird dunkler und dunkler. die nächte werden länger, die tage kürzer. dazu dann diese oft nasskalte atmosphäre. da werden viele menschen trüb.

und dann kommt robert enke.

genau. nun ist der tod dieses redlichen menschen ein ventil für all das aufgestaute an november, an depression, an leid, an problemen und sorgen.

so sind früher heilige entstanden.

das ist zu vermuten: bestimmte personen „sammeln“ alle gefühle, die herumschwirren … und diese person wird dann zum kristallisationspunkt des ganzen.

nur so kannst du dir das erklären?

aber ja. es soll 5% in der bevölkerung geben, die mehr oder minder schwer depressiv sind. also: dann kämest du auf 4 millionen mindestens in deutschland.

und?

alle diese personen haben noch bekannte und verwandte, die um diese depressiven menschen sich wiederum sorgen machen.

so werden es immer mehr?

mehr und mehr. dann nimm alle kranken prinzipiell hinzu. enke wäre auch ein stellvertreter für „die kranken“ oder „das kranke“, welches ja immer auch zusatzbedingung „des gesunden“ ist.

ohne krankheit gäbe es die idee von gesundheit nicht!

siehste! – und dann nimm alle mit schulden oder liebeskummer oder arbeitslosigkeit oder alle, die ein verbrechen begangen haben. alle, die sich schlecht verhalten. alle, die etwas bereuen.

dann komme ich auf viele millionen, vielleicht bald die ganze bundesrepublik.

genau so. so konnte es passieren, dass nun dieser robert enke so sehr betrauert wird. das ist in dieser dimension bislang selten geschehen.

dann noch der selbstmord.

nein, nein, es ist nicht nur der selbstmord, sondern das überraschende daran.

wieso?

es scheint so, dass niemand davon wusste.

niemand?

doch, doch, seine frau teresa und der befreundete psychotherapeut dr. valentin markser.

andere?

das wissen wir nicht. aber die fußballer und der verein und alle, die ihn vom fußball kannten, die waren wohl alle sehr überrascht.

dann geht es also auch um den schock?

der schock besteht darin, dass jemand anders ist, als er erscheint.

inwiefern?

niemand hatte sich auch nur in ansätzen überlegt, dass dieser profi durch und durch depressionen hat.

warum nur?

er hat davon nichts gesagt … und: offenbar auch nichts gezeigt.

das war doch besonders an seinem abschiedsbrief.

kennst du ihn? den brief?

nein, aber indirekt hat gestern der arzt valentin markser daraus vorgetragen. er meinte, robert habe sich bei der familie und den ihn behandelnden dafür entschuldigt, dass er sie getäuscht habe, über seinen wahren zustand, damit er den selbstmord ungestört planen könne.

da ist der kern: dieses streben nach selbstmord. diese große kraft. aber man kann sie nicht recht verstehen.

zumal enke nicht dauerhaft depressiv gewesen sein soll, also nicht klassisch endogen, sondern eher in schüben.

ja, da waren diese schübe, wir wissen nicht, wann und wie oft. aber zumindest zwei große schübe müssen es gewesen sein.

seit 2003.

und dann muss dieser gedanke an selbstmord immer wieder da gewesen sein, allerdings latent.

das wissen wir nicht.

nein, aber latent: davon sprach der arzt.

und dann?

dann muss sich dieser wunsch so stark gemacht haben, dass er sich weigerte in eine stationäre behandlung zu gehen, sogar noch am tag der selbsttötung – oder war es der tag davor? – dann noch einen arzt anruft und sagt, er käme nicht.

und dann hat er gesagt, es wäre besser geworden.

er hat auch da gelogen, mit dem ziel, den selbstmord auszuführen. so scheint es, nach dem brief.

dann hat dieser robert enke gespielt?

er hat allen etwas vorgespielt, gewiss.

und was ist daran falsch?

er musste spielen, um seine karriere nicht zu gefährden, gewiss. denn wäre er jetzt stationär eingeliefert worden, dann wäre er aus der WM 2010 wohl „raus“ gewesen.

das wollte er nicht.

das kann man doch verstehen.

sicher, aber im nachhinein.

so sagte es auch seine frau: ihm war der fußball alles, und er hatte angst, dass man die adoptivtochter verlieren könne, wenn er mit depressionen bekannt würde.

aber das resultat?

das resultat ist sein tod. und seine frau sprach von „wahnsinn“. aber nicht, dass er „wahnsinnig“ war, sondern, dass es wahnsinn ist, so zu denken, man müsse sich verstellen, wenn man dann das resultat sieht: den suicid.

man kann daraus aber auch folgern, dass man einen suicid nicht immer aufhalten kann.

auch das ist richtig: seine frau hat offenbar überaus viel für ihren mann getan, seit jahren. (und beide zusammen hatten ja auch die trauer um die verstorbene tochter zu bewältigen.)

aber auch das konnte nichts an der selbsttötung ändern. all der einsatz, all die liebe. die todessucht hat über alle menschlichen beziehungen triumphiert.

und nun sind wir wieder bei uns allen.

weil wir alle wissen, wie das leben funktioniert?

und weil wir alle von leid wissen, und von tränen, und weil wir alle die depression kennen, zumindest die melancholie, oder die traurigkeit.

oder die novembertage.

ja, ja, und deshalb transportieren wir unsere gefühle in robert enke bzw. in dessen tod.

und dann marschieren 35.000 durch die stadt hannover hin zum stadion.

35.000 – man überlege sich das. so bekannt war enke dann doch auch nicht. aber doch 35.000 menschen! als sei enke ein adenauer.

doch, doch, man kannte ihn: die geschichte vom tod der tochter, die ging wochenlang durch die presse und die fernsehsender einst.

war das so?

ja, deshalb kannte man ihn schon.

aber es ändert nicht darans, dass nun alle brav fragen „WARUM?“, bis man dieses platte fragewort nicht mehr ertragen kann.

am ende gibt es kein „WARUM?“, weil andere menschen in der selben situation wie enke weiterleben und sich nicht vor einen zug werfen.

das ist das sonderbare am leben und sterben.

dann denken wir noch an alle, die robert enke nahe waren.

und an die beiden zugführer, die ihr weiteres leben lang über diesen suicid noch nachdenken werden.

ob es ihnen hilft, einen prominenten überfahren zu haben?

warum?

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Der Tod im Fernsehen kommentiert von KLAUSENS

klau|s|ens, sie haben in england diesen film gezeigt.

aber er war nur im kabel.

was meinst du damit?

es sollen 230.000 zuschauer oder so gewesen sein, im kabel.

ändert das was?

es war doch ein anerkannter dokumentarfilm von einem anerkannten mann.

aber der tooooooooooooooooooooooooood!

ich bitte dich: wir haben gestern über die krematorien und die gewerbesteuer geschrieben. gestern hat ein wahnsinniger in einem restaraunt im irak 45 menschen oder wieviele umgebracht.

aber der tod …!

der tod ist überall.

du hast nichts gegen das veröffentlichen des todes?

nein, nein, ich habe nur etwas dagegen, wenn die schranken fallen.

du meinst durch diese selbsttötung auf verlangen fallen die schranken?

die schranken fallen überall. tote sind normal. man weiß gar nicht, ob die leute mehr über die weinen, die in den filmen sterben, als über die, die im fernsehen sterben.

das fernsehen ist real.

das ist es ja: sie berichten real, in den nachrichten, aber wir sehen alles wie einen film. erdbeben hier, tsunami da. husch, husch, husch. menschen sterben. die berichte sind wie spielfilme. war ja auch bei 9/11 so.

dann sind tot und leben kaum noch zu trennen?

fiktion und realität ja auch nicht. worüber soll ich mehr weinen?

und überall wüten die menschen.

ich denke, mehr als dieser selbstmord in einem dokumentarfilm sollten uns die selbstmörder bewegen, die gleich 10 oder 20 oder 30 oder 40 oder 50 oder 60 oder 70 oder 80 oder 90 oder 100 menschen, oder noch mehr, mit in den tod nehmen.

ja, sie opfern sich!

opfern? – sie werfen ihr leben weg, und dazu das noch anderer. sie verschwenden das leben.

das fasziniert dich?

ich frage mich, wie man eine rasse beurteilen soll, die sich selbst nicht wichtig nimmt und den tod als die verheißung allen glücks annimmt.

ist das nicht genial?

was?

alles auf den tod zu setzen?

machen das nicht die religionen?

und dann wird man unsterblich, durch den tod.

ein paradoxon.

eben, und dieser mann aus dem selbsttötungsfilm …

es war „recht zu sterben“. der mann hieß craig ewert. er starb 2006. 59 jahre.

und dieser craig ewert irrt nun als vermeintlich lebender durchs internet.

in tausenden von artikeln.

und in millionen von bloggs. fotos, bilder, zeichen.

die menschen wollen sterben, um endlich leben zu können. so unglaublich ist diese welt.

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