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klau|s|ens sieht immer mehr tote als (noch) lebendige im fernsehen – www.klausens.com

klau|s|ens, was tust du?

ich? wieso ich?

du stellst so komische beobachtungen an!

ich dachte nur, wo man uns wieder diese todesfälle rüberbrachte …

du meinst hildebrandt, den dieter, howland, den chris, und walker, den paul?

das sind aktuelle fälle, ja, ja, da dachte ich nur: sie werden uns weiterhin die filmaufnahmen von denen zeigen. entweder die filme, in denen sie mitgespielt haben, oder auch andere szenen: bei hildebrandt viel kabarett, gerade aus seinen eigenen sendungen. oder auch interviews, gerne die interviews.

es wird dieses und jenes wiederholt werden, gewiss.

das fernsehen wiederholt sehr viel. es ist ein unendliches gedächtnis.

und dieses wächst.

eben: die filmindustrie hat jetzt ein paar jahrzehnte (mehr als ein jahrhundert, okay) auf dem buckel, aber es werden ja mehr und mehr filme.

dazu auch mehr und mehr schauspieler und schauspielerinnen! und darsteller und darstellerinnen! (nimm auch die ganzen fernsehshows mit moderatoren und moderatorinnen! kann man auch alle wiederholen! nachrichtensendungen! magazine! alles!)

so sind die fakten: die marilyn monroe wird weiter wiederholt und wiederholt und wiederholt werden.

aber auch der deutsche paul dahlke!

auch der, auch der: wir müssen jetzt nicht alle namen nennen.

die ganzen hitchcock-filme!

ja, die werden gezeigt und gezeigt und gezeigt.

damit auch die hauptdarsteller in solchen filmen. grace kelly!

auch das, auch das, auch das. (also auch die!)

humphrey bogart werden wir sehen und sehen und sehen.

und doch ist er tot.

so viele sind tot.

aber sie laufen durchs fernsehen und sind da und sind da und sind noch da!

eine seltsame sache.

gewiss, aber heute morgen kam mir ein ganz banaler, wenn nicht gar mathematischer gedanke.

welcher war das?

wann ist der punkt erreicht, wo wir im fernsehen (nähme man alle sendungen zeitgleich und würde diese auswerten, berechnen und auf den punkt vergleichen) mehr tote als lebende menschen zu einem gegebenen zeitpunkt „erleben“? wann?

klausens-k-werk-immer-mehr-tote-bevoelkern-das-fernsehen-3-12-2013

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Zu den Toden von Walter Giller und Václav Havel und Kim Jong Il denkt KLAUSENS nach

klau|s|ens, drei der öffentlichkeit bekannte personen verstarben.

aus unterschiedlichen metiers.

man könnte havel und kim jeweils der politik zuordnen.

aber havel kam von wo ganz anders in die politik als kim in nordkorea. diametral anders! widerstand und unterdrückung. da kam der eine, da der andere her.

es stimmt. du hast recht. das label „politik“ passt nicht.

am ende möchtest du giller auch noch der politik zuordnen.

darum geht es mir auch gar nicht.

worum denn?

sie sind tot.

das ist das normale ende des lebens.

aber nicht von allen menschen laufen dann diese filmstrecken durch die fernseher.

sie holen alles aus den archiven. (bei giller werden komplett alte spielfilme wiederholt.)

die toten personen stehen wieder auf.

es sind nur bilder. abbilder.

das „ich“ der person ist tot, aber die hüllen sind noch da.

es gibt tausende von hüllen. sie haben etwas von dem menschen, aber nur etwas.

in jeder sekunde wechseln wir unsere hülle.

wahrscheinlich noch schneller.

sobald wir tot sind, kann unsere hülle millionenfach repoduziert werden.

varianten der hülle, ja, in filmen.

und so entsteht ein geist, der mit dem menschen nichts zu tun hat. oder auch: viele geister.

jeder filmausschnitt bewahrt eine art subgeist des menschen. gefroren.

dann sind wir viele geister? du und ich auch? – klau|s|ens, sprich!

wir sind nur unsere hüllen. wenn wir in filmen sind, sind es die hüllen von unserem ich, welches sich jeden tag verkleidet. der körper benennt den jeweiligen status. der auf film gebannte körper ist ein kalendereintrag für die hülle des menschen.

aber wir werden von diesen bildern nun überrollt.

nie kannte ich walter giller und václav havel und kim jong il so gut wie heute.

oder: nie vermeinte ich, diese personen so gut zu kennen, wie wenn …

… sie tot sind. es hat alles nur mit erscheinungen zu tun. nimm filmbilder wie geister des menschen. sie haben eigentlich nichts mehr mit ihm zu tun, aber sie sind dennoch fetzen seiner existenz.

filmbilder sind fetzen.

man sollte in tibet und nepal und wo es sonst noch üblich ist, keine tuchfetzen in die bäume oder eher sträucher hängen (bäume wachsen so hoch ja nicht) …

… sondern fetzen von filmstreifen.

du vergisst die digitalisierung.

also: und noch fetzen von festplatten. alles müsste in die bäume und sträucher geknotet werden.

als erinnerung. wisse: auch erinnerung ist ein geist.

auch die kunst beherbergt geister, die schon längst vergangen sind.

aber wir schreiben. jetzt. hier.

wenn unsere worte dastehen, sind auch sie nur noch geister. unser „ich“ ist dann schon wieder ein anderes. millisekunde um millisekunde.

was ist überhaupt ein „ich“?

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